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Freier Nachmittag für alleKoalition enttäuscht mit Kompromiss in Karfreitags-Frage

ÖVP und FPÖ einigten sich auf eine salomonische Lösung: Einen freien Nachmittag für alle. Die Kirche ist enttäuscht, die Arbeitnehmer sind empört. Nicht einmal die Wirtschaft ist wirklich begeistert. Der Handelsverband fordert schon eine Sonderlösung, um die Geschäfte offenhalten zu können.

PK JAHRESBILANZ DER BUNDESREGIERUNG: KURZ / STRACHE
Salomonische Lösung in der Karfreitags-Frage: Kanzler Kurz und Vize Strache © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Eile tat Not, denn spätestens im März muss das Parlament eine neue Karfreitags-Regelung beschließen, um dem Spruch des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) Genüge zu tun. Die bisherige Regelung, wonach nur Protestanten, Altkatholiken und Methodisten am Freitag vor Ostern frei haben, wurde ja als diskriminierend aufgehoben. 

Die Regierung mit Kanzler Sebastian Kurz und Vize Heinz-Christian Strache hat daraufhin eine Neuregelung angekündigt, die die Wirtschaft nicht belasten, aber niemandem etwas wegnehmen werde.  Der Kompromiss ist ein halber Feiertag: Ab 14 Uhr sollen am Karfreitag alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer frei haben, und zwar bereits ab heuer, dem 19. April.

Der Kompromiss ist ein Tribut an die Wirtschaft: Um ihr nicht zu schaden sollte kein falsches Signal gesendet werden. Österreich liegt europaweit jetzt schon im Spitzenfeld, was die Zahl der Feiertage betrifft.

Für evangelische Arbeitnehmer bedeutet dies eine Verschlechterung, haben sie doch bisher den ganzen Tag frei. Der Regierung ging es darum, "am Status Quo möglichst wenig zu verändern", teilten die Verhandler Walter Rosenkranz (FPÖ) und Peter Haubner (ÖVP) vorab mit.

"Versprechen nicht eingehalten"

Entsprechend enttäuscht ist die evangelische Kirche. "Uns wird ein halber Feiertag genommen", verwies der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker darauf, dass für seine Kirche der Karfreitag ein besonders wichtiger Tag mit Gottesdiensten auch am Vormittag sei. "Das öffentliche Versprechen von Minister Gernot Blümel, dass bei der neuen Regelung keinem etwas genommen werden soll, kann ich hier nicht erkennen." Und eine Lösung für den jüdischen Jom Kippur oder das muslimische Opferfest bringe das auch nicht. 

Katholiken solidarisch

Die Katholische Kirche zeigte Solidarität: Zwar werde jetzt der für alle Christen wichtige Karfreitag aufgewertet - aber dies auf Kosten der evangelischen Christen, die "etwas Wichtiges verlieren". Und: Feiertage seien wie Geburtstage "vom Wesen her immer ein ganzer Tag". Auch der EuGH habe in seinem Urteil angeregt, den gesamten Tag für alle zum Feiertag zu machen, erinnerte der Generalsekretär der Bischofskonferenz Peter Schipka.

Die Halbtagslösung für den Karfreitag stößt auch bei der Altkatholischen Kirche auf Kritik. "Weder dem Wesen des Karfreitags, noch der multireligiösen Wirklichkeit Österreichs wird man damit gerecht", so Generalvikar Martin Eisenbraun in einer Aussendung am Dienstag.

"Kniefall vor der Industrie"

Die Arbeitnehmervertreter sind alles andere als begeistert von der Halb-Feiertagslösung für den Karfreitag. Für Handelsangestellte bringe diese nichts, stellte GPA-djp-Chefin Barbara Teiber Dienstag in einer Aussendung fest. FSG-Chef Rainer Wimmer kritisierte, dass dieser "Regierungspfusch" ein "nächster Kniefall vor der Industrie" sei.

"Diese Einigung entspricht nicht unseren Vorstellungen", betont auch der steirische FCG-Chef Franz Gosch. Man sei bei der Hälfte stehen geblieben. So setzte sich der FGG-ÖAAB-Steiermark "weiterhin dafür ein, dass der Karfreitag ein richtiger Feiertag für alle sein wird". Der schwarze Arbeiterkammer-Präsident Tirols, Erwin Zangerl, empörte sich über die "sarkastische und arbeitnehmerfeindliche" Regierung. 

Mit dem halben Feiertag werde das Urteil des Europäischen Gerichtshofes besonders "billig" für die Arbeitgeber umgangen, so Teiber. Den meisten Arbeitnehmer bringe diese Lösung nichts, gelte am Freitag in vielen Betrieben doch ohnehin Frühschluss. Und besonders schlecht steigen dabei die Handelsangestellten - die rund 20 Prozent der Arbeitnehmer ausmachen - aus, "weil sich nichts daran ändern wird, dass der Karfreitag einer der arbeitsintensivsten Tage bleibt und niemand den halben Tag frei bekommt", erläuterte Teiber.

Handel fordert Sonderlösung

Der halbe Feiertag am Karfreitag missfällt dem Handelsverband. "Diese halbe Lösung kostet den heimischen stationären Handel den ganzen Umsatz des Tages", erklärte Geschäftsführer Rainer Will. Die Geschäfte sollten trotz halben Feiertags offen bleiben dürfen.

"Wir empfehlen eine vergleichbare Sonderregelung für die Beschäftigung von Handelsmitarbeitern am Karfreitagnachmittag, wie es die bereits für den 8. Dezember gibt", so Will in einer Aussendung am Dienstag. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen wie an Maria Empfängnis das Recht haben, das Arbeiten ohne Angabe von Gründen und ohne Benachteiligung abzulehnen.

Teiber sieht in der aktuellen Lösung jedenfalls eine Ungleichbehandlung und damit das Risiko einer weiteren Aufhebung durch ein Gericht. Für SP-NAbg. Josef Muchitsch hat Kanzler Kurz mit seinem nicht eingelösten Versprechen, dass niemandem etwas weggenommen werden soll, die arbeitenden Menschen "wieder einmal verraten".

Wirtschaft will Entschädigung

Auch die Wirtschaft ist mit dem Halb-Feiertags-Kompromiss für den Karfreitag nicht wirklich glücklich - und meldete sofort die Forderung an, dass ihr die entstehenden Kosten vom Bund ersetzt werden müssten. Die Unternehmen müssten für die zu erwartenden Kosten "zumindest im selben Ausmaß entlastet werden", betonte Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf am Dienstag in einer Aussendung.

"Die nun fixierte Neuregelung des Karfreitags ist zwar besser als ein ganzer zusätzlicher Feiertag, bedeutet aber nach wie vor eine massive Mehrbelastung für alle Branchen", meinte er. Wenn künftig nicht nur vier Prozent der Arbeitnehmer für den ganzen Karfreitag, sondern alle Arbeitnehmer für den halben Tag den gesetzlichen Feiertags-Anspruch haben, werde das 200 bis 300 Mio. Euro kosten. Ein ganzer Feiertag hätte laut WIFO 400 bis 600 Mio. Euro gekostet. Jedenfalls müssten die Unternehmer durch Entlastungen bei den Lohnnebenkosten entschädigt werden, forderte Kopf.

Das WIFO, auf dessen ursprüngliche Schätzung sich die WKÖ berief, erwartet durch die Neuregelung allerdings nur einen negativen Effekt von weniger als 100 Millionen Euro. Die Produktionsausfälle werden marginal sein, es handle sich hauptsächlich um Umverteilungseffekte durch Überstundenzuschläge.

Auch der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer, verlangte, "dass es - wie von der Bundesregierung angekündigt - zu keiner Mehrbelastung für die im harten internationalen Wettbewerb stehenden heimischen Unternehmen kommt".

Der halbe Feiertag am Karfreitag missfällt dem Handelsverband. "Diese halbe Lösung kostet den heimischen stationären Handel den ganzen Umsatz des Tages", erklärte Geschäftsführer Rainer Will. Die Geschäfte sollten trotz halben Feiertags offen bleiben dürfen.

"Wir empfehlen eine vergleichbare Sonderregelung für die Beschäftigung von Handelsmitarbeitern am Karfreitagnachmittag, wie es die bereits für den 8. Dezember gibt", so Will in einer Aussendung am Dienstag. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen wie an Maria Empfängnis das Recht haben, das Arbeiten ohne Angabe von Gründen und ohne Benachteiligung abzulehnen.

 

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wen wundert's

was glaubt ihr, kann herauskommen, wenn solche Kapazunder wie Walter Rosenkranz (FPÖ) und Peter Haubner (ÖVP) die Hauptverhandler sind?

X22
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Wenn das die beste Variante war, wie lauteten die anderen 10 Varianten, die die Regierung besprochen hat

Keinen und einen Feiertag, einen anderen streichen und der Vorhandene sind mal vier davon, welche noch bessere Ideen verschweigen sie, oder gab es keine Elf Varianten?

UHBP
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Eigenartig

Unsere Bundesregierung findet es schade, dass ein Umstand der gegen die Verfassung verstößt geändert werden soll.
Mehr braucht man zum Rechtsverständnis dieser Regierung wohl nicht sagen.

mansoon
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Diese Koalition enttäuscht IMMER....

.... - und das AUF ALLEN LINIEN !!
Mit einem weinenden Auge erinnere ich mich an das liberale Klima in unserem Land während der ersten Hälfte der Neunziger-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück....

helmutmayr
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Es waren

die Achtzigerjahre.

moser.otmar
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Könnt ihr alle nicht rechnen?

Ab 14 Uhr? Bitte wo bleibt da noch der halbe Tag???
Alle Evangelischen AN bekamen diesenTag zu recht frei oder mit Zulagen ersetzt. Die Frecheit von einem halben freien Tag ab 14h zu sprechen ist abartig! Geht in eure Raucherkammerln und vertschüsst euch von der Politik ihr Lügner! Es gibt auch nicht nur den Handel deren AN am Karfreitag Nachmittag arbeiten müssen! Die Exikutive, die im Sozialen und Medizinischen Bereich tätigen, die aber tausenden im Tourismus und in der Industrie können nur mehr den Kopf schütteln über soviel Frechheit und Lüge!

Irgendeiner
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Ja darf ich mich nicht beschweren wenn mir ein Gesprächspartner

abhanden kommt von dem ich so viel Erhellendes erwartet hatte,das kann doch nicht regelwidrig sein,und es hat sich so gut angelassen,was meinst Du dazu,Lucy

lieschenmueller
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@Irgendeiner - darf ich mich nicht beschweren?

Wenn'S schnell sind! Das Salzamt schließt in einer viertel Stunde.

3770000
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Christliches Österreich

So etwas passiert halt, wie beim grossen Regierungskoordinator Hofer, wenn man halt aus historisch-nazionalen Gründen evangelisch ist (eh christlich - aber niemals bei den Katholen...) und nicht aus religiösen Gründen. Da hilft auch kein mit dem Kreuz herumfuchtelnder HC Strache. Diese Regierung braucht die Gutmenschen-Religion Christentum nur, um gegen Muslime zu hetzen.

Miraculix11
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Zum Vergleich

24. und 31. Dezember sind keine Feiertage!

Bei diesen beiden Tagen handelt es sich um normale Werktage. Viele Kollektivverträge legen jedoch einen früheren Dienstschluss fest. So gilt für Arbeiter im Metallgewerbe, dass die Normalarbeitszeit jeweils um 12 Uhr endet. Bei Friseuren darf am Heiligen Abend bis 12 Uhr, zu Silvester bis 17 Uhr gearbeitet werden. Zahnarztangestellte haben beispielsweise gemäß Kollektivvertrag an diesen beiden Tagen dienst­frei. Das Entgelt muss der Arbeitgeber natürlich zur Gänze zahl­en.
Quelle: Arbeiterkammer
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Warum hat sich bei dieser seltsamen Lösung nie wer aufgeregt? Aber nun bei der Karfreitagsregelung so viele?

lieschenmueller
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@Miraculix11

Erstens - wie Sie richtig schreiben - die beiden Tage sind keine Feiertage. In Österreich und noch etlichen anderen europäischen Ländern Bescherung am Abend des 24., ansonsten der 25.12. Spanien - von Teilen weiß ich es, im Jänner.

Meine Vermutungen zu Ihren Angaben: 24.12. - Metallgewerbe - wird u.U. die Frühschicht noch Produktion haben, dann alles frei (fast, weil wenige gewisse Stätten müssen immer besetzt sein) bis 2. Jänner. Ab da wieder Produktion. Friseur - 24.12. großer Umsatz, 31.12. noch mehr - z.B. für Silvesterbälle. Zahnarztassistenten: außer Schmerzpatienten (Notdienst) wird sich keiner einen Termin für den 24. und 31. ausmachen wollen.
Der Handel hat bei uns entweder bis 12.00 Uhr, Lebensmittel bis 14.00 geöffnet. Extrem umsatzstarker Tag.

Haben sich wirklich vor diesem Fall, nämlich dass ein Konfessionsloser ausgerechnet das Gericht bemüht wegen des Karfreitags, auch sehr viele andere einen Kopf gemacht? Zumindest wäre das an mir vorbei gegangen.

SoundofThunder
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🤔

Vorschlag:Den ganzen Karfreitag arbeiten. Dafür ist jedes Geschäft am 24.12. geschlossen!

Miraculix11
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Erstaunliche Umfrage

Vielen wird ein halber Feiertag genommen - es ist nur ein Tribut an die Wirtschaft. Das sagen 72%. Jetzt frage ich mich: Wem außer den 3,4 % Evangelischen wird etwas genommen?

SagServus
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Wem außer den 3,4 % Evangelischen wird etwas genommen?

Eigentlich allen.

Denn hätte die Regierung das EUGH Urteil hingenommen und nichts gemacht, hätten auch alle Frei oder Anspruch auf Feiertagszuschläge.

X22
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Also in absoluten Zahlen wären dies, nur die Werktätigen berücksichtigend

150.000 Menschen, auch eine Minderheit kann im ganzen betrachtet viele sein.

lieschenmueller
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@Miraculix11

3,4 Prozent sind wir Evangelische nur? Da hätte mich auch keiner nach einer Schätzung fragen dürfen.

Als das Problem aufkam, falls ich mich recht erinnere: O-Ton, Blümel? heißt der Mann - es würde keinem was weggenommen.

Falsch, wenn vormittags gearbeitet werden muss bei Evangelischen. Auch wurde gesagt, einen Feiertag könne man nicht abschaffen - Alternative wäre "alle"! Kam so nicht.

Wie hier jemand schreibt, einen Feiertag könne man nicht stückeln. Sehe ich auch so.

Die momentane "Lösung" - nicht Fisch, nicht Fleisch!

Miraculix11
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3,4 % hat mich auch überrascht

Aber es hat mich interessiert wieviele nun betroffen sind und ich hab diesen Prozentsatz auf der Webseite der evang. Kirche gefunden.

SoundofThunder
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🤔

Jeden der am Karfreitag bis 14 Uhr schöpfen muss anstatt ins verlängerte Wochenende starten zu können. Und die Wirtschaft hat schon genug bekommen-Arbeitszeitflexibilisierung!

SoundofThunder
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😉

Freut euch! Wenn ihr am Karfreitag Frühschicht habt! Ihr habt jetzt einen halben Tag frei!!

voit60
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Lainentruppe

haben wir die wirkich verdient. Es hat glaube ich, noch nie eine schlechtere und diletanttischere Regierung geben.

77ebb8cbcdcaeb9db3ad652831220f4b
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Aber wieso?

Der letzte Bericht auch hier in der Kleine Zeitung hat ergeben, dass den Kurz doch alle wieder wählen würden .. wem soll ich was noch glauben? Fakten, die gegen Kurz und Strache sprechen oder die gebetsmühlenartige Beweiräucherung durch "Statistiken"?

Irgendeiner
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Welpe,was Du tust ist ganz allein Deine Sache,

was andere tun ist für Deine Entscheidungen da nicht relevant,wenn ihr alle glauben würdet der Mond wäre aus Schweizer Käse würde ich nicht mitspielen,das hätte eine Mehrheit aber die Fakten würden dagegensprechen und es ist bleibt Deine Entscheidung wie Du gewichtest,das sind zwei ganz verschiedene Sachen.

Irgendeiner
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Befund richtig und die Frage stellt

sich mittlerweile täglich, aber das Problem ist,von sich aus hätte das nichtmal einen Würstelstand, da hat wer gekreuzelt.

Landbomeranze
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?????

Verstehe ich jetzt nicht. Könnten sie bitte ausdeutschen, was sie schreiben wollten?

Irgendeiner
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Ich weiß, daß Du noch immer nicht verstehst, aber ich bin

zuversichtlich, es ist der Grad des Unbehagens der zählt und die Skala ist nach oben offen.Und man kann eliptisch referieren,auf den Vorposter zum Beispiel,aber man muß das nicht verstehen,wenn man nicht will.Mach Dir keine Sorgen,es wird sich klären.

Landbomeranze
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Ich weiß, dass ich mit dadaistischen Texten

schon immer meine Probleme hatte.

 
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