Frauen sind häufig unterbezahlt, verrichten ihre Arbeit unter widrigen Bedingungen und finden dafür zu selten Anerkennung – darauf haben die Gewerkschaftsfrauen von ÖGB, vida und PRO-GE am Donnerstag aufmerksam gemacht. Die Gewerkschafterinnen plädieren für eine Erhöhung des kollektivvertraglichen Mindestlohns sowie einen Ausbau der Kinderbetreuung. Außerdem müsse im Lichte zunehmender Jobunsicherheiten das Arbeitslosengeld aufgestockt werden.
 
Arbeiterinnen seien für den österreichischen Arbeitsmarkt eine "wesentliche", in diesem Land aber auch eine "vergessene" Gruppe, beklagte die Bundesfrauenvorsitzende des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) Korinna Schumann bei einem Pressetermin. Zu häufig hätten Arbeiterinnen mit schwierigen Arbeitsbedingungen, etwa mit Hitze, Kälte oder körperlichen Anstrengungen, zu kämpfen. Die Lage von Frauen erschwere, dass es an Kinderbildungsplätzen fehle, um Job und Familie vereinbar zu machen. Vollzeitarbeit sei
für viele Frauen aus diesem Grund keine Möglichkeit. Zur Folge habe das nicht nur ein geringeres Einkommen, sondern auch eine Senkung des Pensionsanspruchs, so Schumann. Ungleich häufiger als Männer seien Frauen daher von Altersarmut betroffen.

Frauen am Arbeitsmarkt stärker von Pandemie betroffen

Die vielschichtige Problematik, aber auch die Bedeutung von Frauen am Arbeitsmarkt, habe sich besonders stark in der Coronapandemie gezeigt. So seien laut Statistiken 44,8 Prozent der Frauen länger als 6 Monate in Kurzarbeit gewesen, bei Männern waren es laut Schumann nur 23,9 Prozent. Für erwerbstätige Frauen hätten sich daraus – bei ohnehin häufig schon prekären Verhältnissen – weitere Einkommenseinbußen ergeben. Die aktuelle Teuerung heize diese Problematik nun zusätzlich an, sagte Schumann. Seitens der politisch Verantwortlichen müsse daher rasch gehandelt und der kollektivvertragliche Bruttomindestlohn für Frauen auf 1700 Euro erhöht werden, forderte die Gewerkschafterin.
 
In ein ähnliches Horn stieß die stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft PRO-GE bzw. PRO-GE-Bundesfrauenvorsitzende, Klaudia Frieben. Vor allem im Produktionssektor käme Frauen eine systemrelevante Rolle zu. Pandemie, Lieferkettenprobleme und Globalisierung hätten jedoch dazu geführt, dass gerade diese Gruppe immer mehr von Jobunsicherheit betroffen sei. Frauen gerieten dadurch zunehmend zum "Spielball der Wirtschaft", argwöhnte sie. Um Frauen langfristig Perspektiven zu bieten, brauche es daher eine Anhebung des Arbeitslosengeldes auf eine Nettoersatzrate von 70 Prozent, so Frieben.

Geringe Bezahlung, Mangel an Betreuungsplätzen

"Die Bezahlung reicht meist nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten", kritisierte auch die stellvertretende Bundesfrauenvorsitzende der Gewerkschaft vida, Yvonne Rychly, und verwies dabei auf die Situation von Frauen im Reinigungssektor. Neben schwierigen Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten habe sich für diese der Druck in der Pandemie noch einmal enorm erhöht. Zu einer besseren Entlohnung habe dies aber nicht geführt, vielmehr sei deren Chance auf eine Vollzeitbeschäftigung durch Homeoffice und leerstehende Büroräumlichkeiten noch einmal verringert worden.
 
Auch der Mangel an Betreuungseinrichtungen käme bei der Situation von Reinigungsfrauen besonders zum Vorschein, so Rychly. Kaum eine andere Branche sei derart von widrigen Arbeitszeiten betroffen, was für die Arbeiterinnen durch Mehrwege zu einer besonderen Belastung im Familienverbund führe. Nach ihrer Ansicht braucht es neben einer Erhöhung des Kilometergeldes auch eine Garantie für Kindergartenplätze, vor allem in Randzeiten. Überhaupt gelte es, Kinderbildungsplätze massiv auszubauen, waren sich die drei Gewerkschafterinnen einig.