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Landwirtschaft ausgenommenGlyphosat: Verbot für Private und sensible Flächen kommt

Ein Totalverbot des Totalherbizids würde gegenwärtig gegen EU-Recht verstoßen. Das bedeutet, dass Land- und Forstwirtschaft von dem Verbot ausgenommen sind - diese nutzen Glyphosat aber am häufigsten.

GLYPHOSAT: GREENPEACE PROTESTIERTE MIT 472 ORTSTAFELN AM HELDENPLATZ
NGOs wie Greenpeace fordern Totalverbot von Glyphosat © (c) GREENPEACE/ARMIN RUDELSTORFER
 

Das Teilverbot des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in Österreich rückt näher, der Anfang März von der türkis-grünen Koalition im Parlament eingebrachte Antrag stand am (heutigen) Dienstag auf der Tagesordnung der Sitzung des Ausschusses für Land- und Forstwirtschaft. Global 2000 kritisierte das Teilverbot als eine Mogelpackung, da die Landwirtschaft ausgespart werde.

Der Antrag sieht vor, dass Glyphosat bei sensiblen Orten wie Kinderspielplätzen, Parks sowie Einrichtungen der Altenbetreuung oder Gesundheitseinrichtungen nicht mehr eingesetzt werden darf. Ebenso sind Haus- und Kleingartenbereich und private Verwendung betroffen. "Im Einklang mit geltendem EU-Recht wollen wir das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Glyphosat in jenen Fällen einschränken, die in der Öffentlichkeit als besonders sensibel wahrgenommen werden. Dazu zählen sensible Flächen wie etwa Sport- und Freizeitanlagen, Schulen, Kindergärten oder Park- und Gartenanlagen", fasste ÖVP-Landwirtschaftssprecher und Bauernbundpräsident Georg Strasser den Einschränkungsbereich zusammen.

In den Baumärkten wird das Totalherbizid nicht mehr zu finden sein, da es nicht mehr an nicht-berufliche Käufer abgegeben werden darf. "Außerdem schützen wir besonders sensible Personengruppen wie Kinder, ältere oder erkrankte Personen, durch das Anwendungsverbot auf zahlreichen öffentlichen Flächen, sowie in Gesundheits-Bildungs- und Betreuungseinrichtungen", ergänzte Olga Voglauer, Landwirtschaftssprecherin der Grünen.

Bestände bis 15. Dezember aufbrauchen

Bestehende Zulassungen für Pflanzenschutzmittel, die den Wirkstoff Glyphosat enthalten, sind vom Bundesamt für Ernährungssicherheit von Amts wegen bis spätestens zwei Monate nach Inkrafttreten dieser Bestimmung anzupassen. Die Aufbrauchsfrist für jene glyphosathältigen Pflanzenschutzmittel, die nicht den oben angeführten Anforderungen entsprechen, endet mit Ablauf des 15. Dezember 2021.

Die EU-Kommission halte in ihrer Bemerkung unmissverständlich fest, dass ein nationales Totalverbot nicht mit dem geltenden Unionsrecht vereinbar ist. "Österreich wird die Bemerkungen berücksichtigen und genau das machen wir mit diesem Schritt", sagte Strasser. Der nächste Schritt stehe nun auf EU-Ebene an: Die Genehmigung von Glyphosat läuft Ende 2022 aus. Das erklärte Ziel der Grünen ist es, die Verlängerung zu verhindern: "Damit vermeiden wir dann auch Importe von Glyphosat-Rückständen in unseren Lebensmitteln", schloss Voglauer.

Global 2000-Umweltexperte Helmut Burtscher-Schaden bezeichnet das Teilverbot hingegen als eine "Light-Version". Es sei eine Mogelpackung, die Landwirtschaft als Verursacherin von mehr als 90 Prozent der österreichweit ausgebrachten Menge an Glyphosat sei ausgeklammert. "Wäre es der Regierung tatsächlich ernst damit, den Einsatz von Glyphosat in Österreich zu reduzieren, dann würde sie den Verzicht auf Glyphosat zur Voraussetzung für den Erhalt von Agrarumweltförderungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik machen, wie von zahlreichen Organisationen gefordert", sagte er in einem Statement gegenüber der APA.

Es ist ein Skandal, dass sich der Gesetzesantrag nur auf die kleinteilige private Anwendung bezieht, das Gift in der Land- und Forstwirtschaft aber weiterhin versprüht werden darf", kritisierte auch Natalie Lehner, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace in Österreich. "Die Menschen in Österreich wollen kein Gift auf ihren Feldern oder Tellern. Seitens der SPÖ hieß es, dass der vorgelegte Regierungsantrag ein kleiner Schritt sei, aber es brauche viel mehr. "Mit diesem Beschluss bleibt Glyphosat auf österreichischen Feldern und kommt so in die Nahrungskette", hielt SPÖ-Landwirtschaftssprecherin Cornelia Ecker fest.

Kommentare (18)
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joektn
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Der größte Einzelverbraucher

Sind nach wie vor die ÖBB. Derzeit ist übrigens der Spritzzug wieder in der Steiermark und Niederösterreich unterwegs.

calcit
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Schlagen sie eine andere praktikable...

...Unkraut- bzw. Bewuchsbekämpfung auf Bahndämmen vor?

UHBP
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Glyphosat: Verbot für Private und sensible Flächen kommt

Lebensmitteln sind ja keine sensible Bereiche

Nixalsverdruss
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Globalverurteilung der Bauern

Ich kenne sehr viele Bauern, die KEIN Glyphosat mehr anwenden, obwohl sie dürften.
Das ist für mich vorbildlich!

Goofy17
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Warum

ist das vorbildlich?

Zuckerpuppe2000
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Abstimmung

In der CH findet am 13.6. genau dazu eine Volksabstimmung statt. Sauberes Trinkwasser, Verbot von synthetischen Pestiziden, keine Subventionen für Bauern für Pestizid u. prophylaktischen Antibiotika Einsatz. In Österreich werden wir darauf wohl lange warten können.

Guccighost
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Ja toll

Was bringst das ,wenn die Bevölkerung billig aufgebackenes Gebäck im Supermarkt kauft das in Polen produziert wird.

lilith73
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bauern versus privat

Der private verschüttet das Gift vielleicht auf einen kleinen Bereich wie einen Parkplatz, Randstreifen,.... der Bauer aber auf ein ganzes Feld von dem Lebensmittel geerntet werden. Der Komplexbildner Glyphosat geht ins Grundwasser und bindet dort alle Schwermetalle die im Boden sind. Frage mich was jetzt Mengenmäßig sinnvoller ist, Privat oder Landwirtschaft. Privat fällt eher unter die Kategorie Tropfen auf den heißen Stein.

Guccighost
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Ja schon

Aber die Semmeln und das Brot soll billig sein.
Und dann tanzen wir zum Hofer Preis

Pensatore
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Die Bauern...

...als Retter der Umwelt.
Aber nur dann, wenn man auch gut damit verdienen kann.
Der Landwirtschaft bleibt die Anwendung von Gift weiterhin
erlaubt und zu viele Bauern machens auch.
Gift auf unseren Lebensmitteln.
Geld regiert die Welt.

Florian_12
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Sinnloses Verbot in der Landwirtschaft

Wenn so viele Menschen glauben, es bringt etwas, Glyphosat in der Landwirtschaft zu verbieten soll sich mit der Materie auseinander setzten. Kein Glyphosat=weniger Direkt- und Mulchsaat=mehr Bodenbearbeitung(Pflügen)=höherer Kraftstoffverbrauch(mehr Co2 Emissionen.

Goofy17
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Lieber Florian

In diesem Forum brauchst du keine fachlichen Infos posten. Da geht’s um Emotionen und NGO Märchen. Lauter Gutmenschen für die im Supermarkt dann die drei b gelten. Billig billig billig.

Florian_12
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.

Seit wann sind fachliche Kommentare verboten?🤣

Patriot
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Da hat sich wieder die türkise Bauernministerin durchgesetzt.

Und damit werden unsere Lebensmittel weiterhin bereits am Feld vergiftet!

Zuckerpuppe2000
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Die Menschheit

schafft sich selbst ab. Unsere Grünen wären in der Regierung genau für solche Themen zuständig. Aber da kommt leider nichts!

andy379
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🤣🤣🤣

Wozu haben wir die Grünen in der Regierung, wenn die Landwirtschaft erst wieder von der Umweltverpestung ausgenommen wird???
🤔🤔🤔

petera
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Wenn wir dafür sorgen, dass die ÖVP der

Junior der Grünen wird, würde dein Wunsch Realität werden.

Hapi67
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Gratulation

Ein erster Schritt, mehr dann hoffentlich nach Auslaufen des Vertrages 2023.

Übrigens von der Spö 2019 initiiert und in Deutschland trotz Beschlussfassung 2018 auf 2024 verschoben.

Und weltweit null.

Vielen Dank