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Neue UmfrageZivilcourage immer weniger gefragt - und noch weniger praktiziert

39 Prozent davon haben den Eindruck, dass die Zivilcourage in den vergangenen Jahren abgenommen hat, nur 19 Prozent glauben an eine Zunahme.

© anderm - Fotolia
 

Um die Zivilcourage in Österreich ist es laut einer aktuellen IMAS-Umfrage schlecht bestellt. Die Meinungsforscher haben anhand einer Reihe von Situationsbeispielen abgefragt, ob man hier eingreifen sollte. Fazit: Vor zehn Jahren wurde das wesentlich häufiger für notwendig erachtet als heute. Hinzu kommt eine Lücke zwischen "man sollte" und "man würde".

IMAS hat von März bis Mai 1.031 Personen über 16 Jahre befragt. 39 Prozent davon haben den Eindruck, dass die Zivilcourage in den vergangenen Jahren abgenommen hat, nur 19 Prozent glauben an eine Zunahme. Der Rest sieht keine Veränderung (30 Prozent) oder hatte keine Meinung (zwölf Prozent).

Als Situationen, in denen man unbedingt Zivilcourage zeigen sollte, nannten 71 Prozent, eine Frau zu verteidigen, die sexuell belästigt wird, und 70 Prozent, älteren Mitbürgern zu helfen, die im Straßenverkehr die Orientierung verloren haben. 65 Prozent finden, man sollte Hilfe für einen verletzten Obdachlosen holen. Recht weit unten in der Wichtigkeitsskala steht das Berichtigen oder Widersprechen bei Fake News in Sozialen Medien, das nur 24 Prozent für nötig halten.

Foto © DDRockstar - Fotolia (freebies.birgitengelhardt.de)

Vergleicht man die Zahlen mit Daten aus den Jahren 2010, so sind sie seither deutlich gesunken. Die Meinungsforscher legten den Befragten insgesamt 20 Situationen vor, in denen man sich für Gerechtigkeit einsetzen könnte. In keiner einzigen sahen heute mehr Leute Handlungsbedarf als vor zehn Jahren.

Damals fanden etwa noch 80 Prozent, man solle sich die Nummer eines Fahrerflüchtigen notieren und an die Polizei weiterleiten, heute sind das nur mehr 60 Prozent. Einen Arbeitskollegen, der ungerecht behandelt wurde, vor dem Chef zu verteidigen, halten nur mehr 42 Prozent für nötig, 2010 waren es noch 61 Prozent. Beim Punkt "seinen Standpunkt auch entgegen der Mehrheit vertreten" sanken die zustimmenden Nennungen von 56 auf 38 und bei "sich zu einer politischen Partei bekennen" von 41 auf 24 Prozent.

Zwischen dem "Was sollte man tun?" und "Was würde man tun?" klafft zudem eine große Lücke von bis zu 20 Prozentpunkten. So finden 47 Prozent, man sollte jemanden, der Müll auf die Straße wirft, darauf hinweisen. Tun würden es aber nur 27 Prozent. 36 Prozent finden, man sollte Ausländer darauf aufmerksam machen, sich an unsere Spielregeln zu halten, aber nur 16 Prozent würden das nach eigenen Angaben tatsächlich machen.

Wiederum zeigte sich: In keiner der 20 von den Meinungsforschern vorgegebenen Situationen würden heute mehr Leute eingreifen als von zehn Jahren. Am kleinsten ist das Delta zwischen "man sollte" und "man würde" bei der Hilfe für ältere Menschen im Straßenverkehr - 70 Prozent halten das für angebracht, 63 Prozent würden es auch in die Tat umsetzen.

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Danke für Ihr Verständnis.

mobile49
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und wos hättns taou, wann iana ana ane klescht hätt ?

diese frage habe ich leider schon einige male gestellt bekommen.
-leider- weil es anscheinend nicht selbstverständlich ist, anderen beizustehen!

Plantago
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Gott sei Dank steht das Berichtigen

oder Widersprechen bei Fake News in den Mainstream-Medien in der Wichtigkeitsskala weit oben.

MoritzderKater
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Persönlich gehöre ich zu jenen,.....

..... die in Sachen Zivilcourage s.e.h.r zurückhaltend sind. Warum: Schlicht und einfach, weil ich Angst habe.
Jemanden anzusprechen (egal ob In- oder Ausländer)
dass er etwas falsch gemacht habe, könnte im Umkehrschluss Gefahr für mich selbst bedeuten.
Die Menschen sind so aggressiv geworden, das merkt man in vielen Situationen und ich möchte nicht einen *schlechten* Tag meines Gegenübers erleben müssen.
Aufmerksam die Zeitungen lesen und man weiß, dass die Messer sehr schnell zum Einsatz kommen.

Etwas anderes ist, wenn es jemandem schlecht geht, der wirkliche Hilfe braucht, da bin ich sofort dabei!!!

Mezgolits
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Etwas anderes ist, wenn es jemandem schlecht geht, der wirkliche

Hilfe braucht, da bin ich sofort dabei!!! - Bravo Moritz - auch Sterbehilfe??

Mezgolits
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... man sollte Ausländer darauf aufmerksam machen, sich an unsere

Spielregeln zu halten, ... - Vielen Dank - und ich möchte zuerst Inländer
und Inländerinnen darauf aufmerksam machen, sich an die Menschen-
rechte zu halten = der 2-fach menschenrechtswidrige B-VG Artikel 9a.(3)
= Männer-Wehrpflicht + der 3-fach menschenrechtswidrige StGB § 78 =
Selbst-Erlösungs-Hilfe-Verbot für wahlberechtigte Personen. Erfinder M.

styrianprawda
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Zivilcourage?

Was sind die Gründe für die sinkende Zivilcourage?
Zunehmende Wurstigkeit, Angst vor Konsequenzen, steigende Egozentrizität, ...?

Wenn man jemanden auf ein Fehlverhalten hinweist (z.B. im Verkehr), muss man sich zumindest üble Beschimpfungen anhören.
Das Unrechtsbewusstsein scheint gänzlich verloren gegangen zu sein (Polizist*innen wissen davon ein Lied zu singen).

Aber wie auch anders, wenn schon Kinder von ihren Eltern "lass dir ja nichts gefallen" hören. Früher haben Eltern ihre Kinder, die etwas angestellt hatten, bestraft. Heutzutage werden sie in Schutz genommen.

erstdenkendannsprechen
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finde ich auch.

ich muss immer so lachen, wenn ich dabei an eine bekannte denke. sie hat drei kinder und gibt sich sehr offen. den spruch "es braucht ein ganzes dorf, um ein kind zu erziehen" habe ich von ihr zum ersten mal gehört - und seither mehrmals. aber wehe, einer sagt wirklich einmal etwas zu ihren kindern (die sich grad zu kleinen rabauken entwickeln). dann bewegt sie ihre 120 kg lebendgewicht so schnell auf denjenigen zu, dass man allein deswegen schon angst kriegen könnte. und gift- und gallespeiend hupft sie ihm dann fast ins gesicht, nach dem motto: "wie können sie es wagen, was geht das sie an". wobei es eigentlich nicht beim sie bleibt...