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Fünffachmord in KitzbühelBei Gedenkstunde herrscht große Trauer für die Opfer

Unvorstellbare Tat beschäftige Menschen in Kitzbühel nach wie vor sehr, sagt Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler. Psychiaterin soll klären, ob der 25-Jährige zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war.

© APA/EXPA/JFK
 

Nach dem Fünffachmord in Kitzbühel gab es am Freitag eine Gedenkstunde für die Opfer. Auch Samstag und Sonntag soll es jeweils von 18 bis 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche eine Trauerstunde geben. Das Begräbnis der Kitzbüheler Familie findet am Montag um 14 Uhr statt. Der ebenfalls getötete Eishockeyspieler wird in seiner Heimat Oberösterreich beigesetzt.

In der Stadtpfarrkirche Kitzbühel haben Angehörige und Bekannte der fünf getöteten Menschen am Freitagabend in Stille getrauert. Pfarrer Michael Struzynski spendete mit seinen Worten Trost: "Wir werden bei jedem Sonnenaufgang und bei jedem Sonnenuntergang an euch denken", sagte er bei einer Gedenkstunde.

Die barocke Pfarrkirche war am Abend in Kerzenschein gehüllt. Nur eine leise Klaviermusik, begleitet von Streichern, war zu hören. Pfarrer Struzynski sprach in dieser Stunde nur wenig und lud die Anwesenden stattdessen ein, auf ein Stück Papier ihre Gedanken zu schreiben. Diese konnten anschließend in eine Art "Klagemauer" - ein Konstrukt aus Ziegelsteinen - gelegt werden. Die Zettel sollen am Ende des Kirchenjahres verbrannt werden.

Einige kamen auch nach vorne nur um eine Kerze anzuzünden. Auf der Klagemauer waren Fotografien der Verstorbenen aufgestellt, auch Blumenkränze schmückten die Kirche. Der Kitzbüheler Pfarrer beklagte die unfassbare Tat und stellte fest: "Ratlosigkeit bleibt zurück".

Ermittlungen bis  zum Jahresende

Die Ermittlungen dürften noch das gesamte restliche Jahr andauern. Deshalb rechnete Staatsanwaltschaftssprecher Hansjörg Mayr mit einer möglichen Anklage erst im ersten Halbjahr des kommenden Jahres. Die bekannte Psychiaterin Adelheid Kastner wurde indes mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens des 25-jährigen Beschuldigten beauftragt.

Fünffachmord in Kitzbühel: Große Trauer bei Gedenkstunde

Große Anteilnahme für die Opfer bei der Gedenkstunde in Kitzbühel.

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Kastner soll einerseits klären, ob der 25-Jährige zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war und andererseits, ob er an einer geistigen Störung leidet, die ihn auch in Zukunft gefährlich machen könnte, erklärte Mayr am Freitag bei einer Pressekonferenz in Kitzbühel. Derzeit gebe es zwar keine Hinweise darauf, dass der Verdächtige nicht zurechnungsfähig war, bei einer derartigen Tat sei es aber üblich, ein Gutachten erstellen zu lassen, so der Staatsanwalt.
Der 25-Jährige befinde sich derzeit in der Innsbrucker
Justizanstalt und werde dort auch psychiatrisch betreut. "Es könnte
die Gefahr bestehen, dass er sich etwas antut", sagte Mayr. Am
Montag hatte der Verdächtige sein zunächst bei der Polizei
abgelegtes Geständnis nochmals vor dem Haftrichter wiederholt,
weshalb es derzeit keinen Grund gebe, ihn erneut einzuvernehmen.
Seitens der Staatsanwaltschaft wurde eine Tatrekonstruktion
beantragt, die Entscheidung darüber obliege dem Haft- und
Rechtsschutzrichter.Die Tatortarbeiten der Polizei waren auch am Freitag noch nicht
ganz abgeschlossen. "Wir führen noch Vernehmungen mit Bekannten und
Freunden der Opfer und des Verdächtigen durch", erklärte LKA-Leiter
Walter Pupp. Außerdem versuche die Polizei, die letzten Stunden vor
der Tat zu rekonstruieren. Hierfür werden unter anderem auch die
Handydaten der Beteiligten ausgewertet. Der Bruder des Verdächtigen,
dem die Tatwaffe gehörte, soll in Japan, wo er sich derzeit aus
beruflichen Gründen aufhalte, befragt werden.

Die Medienarbeit der Polizei sei mit der Verhängung der U-Haft
nun beendet und liege im Weiteren bei der Staatsanwaltschaft, sagte
Pupp. Der LKA-Leiter kritisierte die Berichterstattung über den
Fünffachmord teils scharf. "Kein Mensch verliert seine Würde, weil
er Opfer eines Verbrechens wurde, und kein Mensch verliert seine
Würde, weil er eines schweren Verbrechens verdächtigt wird", betonte
Pupp. Die Rechte der Menschen seien massiv verletzt worden, fügte er
hinzu.

Die Tat beschäftige die Menschen im Ort nach wie vor sehr, sagte
Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler. "Die Anteilnahme gegenüber
den Angehörigen der Opfer, aber auch gegenüber der Familie des
Beschuldigten ist sehr groß. Viele Menschen sprechen der Familie des
Beschuldigten auch Mut zu und sagen ihnen ihre Unterstützung zu",
schilderte Winkler. Das Kriseninterventionsteam (KIT) habe in den
vergangenen Tagen rund 300 Personen betreut, zog der Leiter des KIT
in Kitzbühel, Gerhard Müller, Bilanz. Es gebe aber nach wie vor
viele telefonische Beratungen.

Fünf Leben ausgelöscht

Der Verdächtige hatte am Sonntag gegen 4.00 Uhr am Haus seiner
19-jährigen Ex-Freundin, in dem ihre gesamte Familie wohnte,
geläutet. Nachdem der Vater den 25-Jährigen abgewiesen hatte, ging
der junge Mann nach Hause und holte sich die Pistole seines Bruders,
die dieser legal besaß und in einem Tresor aufbewahrte. Gegen 5.30
Uhr kam der 25-Jährige erneut zum Wohnhaus der Familie und erschoss
dort zunächst den Vater (59) der 19-Jährigen, dann ihre Mutter (51)
und ihren Bruder (25), bevor er seine Ex-Freundin und ihren neuen
Freund, einen Eishockeyspieler, tötete.

 

 

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