Sonnenschein und Temperaturen von bis zu 20 Grad sind für die nächsten Tage prognostiziert - doch die Lawinengefahr bleibt derzeit noch hoch, vor allem auch im zuletzt lawinengeplagten Tirol. Der Lawinenwarndienst erwartete mit Erwärmung und Sonneneinstrahlung im Tagesverlauf nasse Lawinen, speziell in höheren Lagen oberhalb der Waldgrenze könnten Wintersportler leicht Schneebretter auslösen. Im Zillertal war indes nach Lawinenabgängen eine Suchaktion im Gange.

Variantenfahrer nach Lawinenabgang im Pongau tot aufgefunden

Ein Variantenfahrer ist nach einem Lawinenabgang abseits der gesicherten Skipisten in St. Johann im Pongau am Dienstagabend tot aufgefunden worden. Nachdem der 33-jährige Einheimische von seiner Freundin als abgängig gemeldet worden war, wurde die Bergrettung St. Johann am späten Dienstagnachmittag zu einem Sucheinsatz am Gernkogel alarmiert, wie die Salzburger Bergrettung am Mittwoch in einer Aussendung informierte.

Bergretter, Alpinpolizei, Hundeführer der Bergrettung, die Freiwillige Feuerwehr und Mitarbeiter der Bergbahnen St. Johann machten sich im Bereich des Gernkogels auf die Suche nach dem Variantenfahrer. „Laut Liftbetreiber wurde sein Skiticket zuletzt gegen 10.30 Uhr bei der Straßalmbahn verwendet. Wir fuhren mit der Gondel auf, teilten die Mannschaft in Teams und durchsuchten mittels Skidoos das weitläufige Gelände“, schilderte der St. Johanner Ortsstellenleiter und Einsatzleiter der Bergrettung, Martin Stifter.

Genaue Position des Verunglückten durch „Find my phone“

Aufgrund der letzten bekannten Position konnte das Suchgebiet etwas eingeschränkt werden. „Wegen der angespannten Lawinensituation wurde auf ein Einfahren ins freie Gelände verzichtet. Wir konzentrierten uns auf den Pistenrand sowie auf angrenzende Bereiche. Dabei entdeckten wir drei Lawinenkegel, die durch die drei Hundeführer und mittels LVS-Geräte (Lawinenverschüttetensuchgeräte, Anm.) gecheckt wurden“, erklärte der Bergretter.

Eine Handyortung der Polizei durch „Find my phone“ ergab schließlich die genaue Position des Verunglückten, die sich weit abseits der Pisten befand. „Wir suchten auf der Nassschneelawine mittels LVS-Gerät nach dem Mann und konnten ihn finden“, sagte Stifter. Der gut ausgerüstete Variantenfahrer dürfte durch die Lawine tödlich verletzt worden sein. Da es sich laut Bergrettung um einen steilen und lawinengefährlichen Graben handelte, wurde die Bergung nach Absprache mit der Alpinpolizei auf Mittwochvormittag verschoben und der Einsatz um 20.20 Uhr beendet.

Im Einsatz standen neben der Alpinpolizei und dem Team des Polizeihubschraubers Libelle auch 23 Männer und Frauen der Bergrettung St. Johann, drei Hundeführer der Bergrettung, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr St. Johann samt drei Drohnenteams und dem Einsatzleiterfahrzeug sowie Mitarbeiter der Bergbahnen St. Johann.

20-Jähriger nach einer Woche im Klinikum verstorben

Nach einem Lawinenabgang am vergangenen Mittwoch in Kirchberg in Tirol (Bezirk Kitzbühel), bei dem ein 20-jähriger Skifahrer unter die Schneemassen geraten war, ist der junge Mann eine Woche später in der Innsbrucker Klinik seinen schweren Verletzungen erlegen. Dies teilte die Polizei mit. Der Österreicher war im freien Skiraum von dem Schneebrett erfasst, mitgerissen und verschüttet worden. Ein Begleiter und weitere Freerider konnten ihn nach rund 20 Minuten befreien.

Der 20-Jährige wurde reanimiert und in die Klinik geflogen, wo er seitdem auf der Intensivstation behandelt wurde. Der Verstorbene und ein weiterer 20-jähriger Österreicher waren im Skigebiet „KitzSki“ von der Bergstation „Brunn- D3“ in Richtung „Penglstein1- D1“ gefahren. Als einer der beiden in einen steilen Hang einfuhr, setzten sich plötzlich die Schneemassen in Bewegung und rissen den jungen Mann nach Angaben der Exekutive 250 Meter über eine schmale Rinne talwärts. Als die Lawine zum Stillstand kam, begann sein Begleiter mit einem LVS-Gerät mit der Suche und Lokalisierung. Sechs weitere Freerider, die den Vorfall ebenfalls bemerkten, eilten zur Hilfe. Es kam zu dramatischen Szenen: Letztlich wurde der Verschüttete in rund zwei Metern Tiefe ausgegraben und geborgen.

Große Lawinengefahr in Tirol

In Tirol herrschte am Mittwoch jedenfalls nach wie vor große Gefahr - konkret Lawinengefahrenstufe 4, die zweithöchste auf der fünfteiligen Skala. Bereits an zehn aufeinanderfolgenden Tagen wurde diese Gefahrenstufe ausgegeben. Lawinen könnten laut den Experten teilweise in tiefe Schichten durchreißen und groß werden, vor allem an West-, Nord- und Osthängen. Die Gefahrenstellen seien jedenfalls zahlreich. Vorsicht sei vor allem im selten befahrenen Gelände sowie an Übergängen von wenig zu viel Schnee geboten, wie zum Beispiel bei der Einfahrt in Rinnen und Mulden.

Die hohe Lawinengefahr offenbarte sich jedenfalls Mittwochmittag im Zillertal. Gleich drei Lawinen gingen am Hintertuxer Gletscher in der Nähe der Liftanlagen im freien Gelände ab, sagte ein Polizeisprecher zur APA. Ein groß angelegter Sucheinsatz unter Beteiligung von zwei Hubschraubern, Bergrettung mitsamt Suchhunden und Alpinpolizei war die Folge. Ob es Verschüttete gab bzw. wenn ja, wie viele, war jedoch noch völlig unklar.

Alpenverein warnte vor Touren und Variantenabfahrten

Die kritische Situation rief jedenfalls auch den Österreichischen Alpenverein (ÖAV) auf den Plan. In einer Aussendung wurde „eindringlich vor Touren und Variantenabfahrten im freien Gelände an den kommenden Schönwettertagen“ gewarnt und auf die angespannte Situation in weiten Teilen Österreichs hingewiesen. Hänge über 30 Grad Neigung müssten konsequent gemieden werden. Auch angrenzende Hänge sollten unbedingt in die Planung mit einbezogen werden. Eine „defensive Strategie“ bleibe oberstes Gebot - ebenso wie das Mitführen einer vollständigen Notfallausrüstung, die im Ernstfall Leben retten könne.