Mit Transparenten wie „Stoppt den Völkermord“ und lauten Zwischenrufen stürmten am Samstag sechs Aktivisten die Bühne der Salzburger Festspiele – mitten in der Rede von Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ). Und das, obwohl die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort war. Wie konnten die Protestierenden überhaupt so weit kommen?
Laut Landespolizeidirektor Bernhard Rausch verschaffte sich das Sextett mit „nicht schlecht gemachten“ Mitarbeiterausweisen Zutritt. Die Ausweise wurden laut Polizei manipuliert, die Kontrolle beim Eingang habe versagt.
Kunstblut, Festnahmen – und ein bekanntes Gesicht
Einer der Aktivisten ist kein Unbekannter: David Sonnenbaum (37), ein Klimaaktivist und Gründungsmitglied der „Letzten Generation“ und laut eigener Angabe jüdischer Abstammung. Wie die Salzburger Nachrichten berichten, bestätigte seine Anwältin Astrid Wagner, dass es sich um ihren Mandanten handelt. Sonnenbaum wurde am Samstagabend wieder auf freien Fuß gesetzt.
Die Polizei wirft dem Sextett unter anderem Urkundenfälschung vor – laut Wagner sei das aber „an den Haaren herbeigezogen“. Ihre Mandanten hätten Eintrittskarten mit der Aufschrift „Salzburger Speibspiele“ verwendet – eine „eindeutige Persiflage, keine Fälschung“, so Wagner gegenüber den SN.
Gegen alle sechs laufen verwaltungs- und strafrechtliche Anzeigen, wie die Polizei bestätigte. Laut ihrer Anwältin Astrid Wagner sei die „lange Anhaltung rechtswidrig“ gewesen. Eine Maßnahmenbeschwerde sei bereits in Vorbereitung.
Edtstadler schon früher Ziel von Sonnenbaum
Wie die SN weiter berichten, hatte David Sonnenbaum bereits 2024 für Aufsehen gesorgt, als er bei einer Antisemitismus-Konferenz in Wien mehrere Liter Kunstblut vor Verfassungsministerin Karoline Edtstadler und anderen Gästen ausschüttete. Die Aktion wurde damals als gezielte Provokation eingestuft. Mit Edtstadler habe Sonnenbaum aber laut Wagner „kein persönliches Problem“.
Polizei und Festspiele verschärfen Sicherheit
Nach dem Zwischenfall wurde das Sicherheitskonzept noch am selben Tag verschärft. Bei der Opernpremiere am Samstagabend patrouillierten bewaffnete Polizisten im Haus für Mozart. Auch bei kommenden Vorstellungen, darunter „Jedermann“, gelten strengere Regeln. Lukas Crepaz, kaufmännischer Direktor der Festspiele, kündigte an, auch Lichtbildausweise beim Einlass zu verlangen – zusätzlich zu den bereits bestehenden personalisierten Eintrittskarten und Taschenkontrollen.