Bei einem Polizeieinsatz unmittelbar nach einer Bankomatsprengung in Wien-Leopoldstadt am Sonntag in der Früh hat die Polizei einen flüchtigen 24-Jährigen angeschossen. Er befindet sich in einem Spital, wie die Landespolizeidirektion nach einem entsprechenden Bericht der „Kronen Zeitung“ bekanntgab. Drei weitere Verdächtige flüchteten. Eine Alarmfahndung blieb vorerst ohne Erfolg.
Umstände der Schüsse noch nicht geklärt
Das Quartett hatte um 04.00 Uhr drei Bankomaten in einer Bankfiliale in der Vorgartenstraße gesprengt. Aufgrund der seit mehreren Wochen laufenden Überwachungsmaßnahmen für Banken nach einer Welle von Bankomatsprengungen schaffte es die Polizei jedoch, nur wenige Minuten später am Tatort einzutreffen.
Vor Ort ertappten die Beamtinnen und Beamten ein mutmaßliches Mitglied der Bande auf der Flucht. Dabei kam es auch zu einer Schussabgabe auf den Verdächtigen. „Die Umstände der Schussabgabe sind noch nicht geklärt“, teilte ein Sprecher der Polizei der APA mit. Die „Kronen Zeitung“ berichtete in diesem Zusammenhang, der Mann soll versucht haben, auf Beamtinnen und Beamte mit einem Fahrzeug zuzurasen.
Die drei weiteren Verdächtigen machten sich auf Motorrollern aus dem Staub. Die weitere Fahndung nach den Bankomatsprengern lief noch.
Verdächtiger außer Lebensgefahr
Der angeschossene Niederländer wurde von der Berufsrettung verletzt in ein Spital gebracht. Er befinde sich nicht in Lebensgefahr, wie der Sprecher sagte. Weitere Details zu seinen Verletzungen lagen am Sonntag noch nicht vor. Der Mann steht laut Polizei jedenfalls unter Bewachung.
Sprengungen auch in Kärnten und der Steiermark
Erst diese Woche hat die Serie der Bankomatsprenungen auch Kärnten erfasst, in Arnoldstein schlugen unbekannte Täter zu, machten aber keine Beute. In der Vorwoche gab es auch einen Versuch in Sillian in Osttirol. In Graz kam es Anfang März zu einer Sprengung, die Wucht der Explosion zerstörte das Foyer der Bawag-Filiale in Eggenberg komplett.
Bankomatbande in ganz Österreich unterwegs
Mit 14 Bankomatsprengungen bis zum 6. März ist in Österreich ist in diesem Jahr eine bisher außergewöhnlich hohe Zahl derartiger Delikte verzeichnet worden. Das Bundeskriminalamt (BK) reagierte mit der Bildung der „SOKO Bankomat“. Angriffe auf Bankomaten gab es schon davor, doch die aktuellen Tätergruppen agieren „einfacher, unauffälliger und schneller“, erläuterte SOKO-Leiter Dieter Csefan im Gespräch mit der APA - und stammen vermutlich aus den Niederlanden.
Täter mit PS-starken Boliden
In den bisherigen Jahresbilanzen war im Jahr 2018 der bisherige Höhepunkt der Bankomat-Delikte in Österreich. 59 Angriffe auf Bankomaten gab es damals, so Csefan. Aber damals wurden die Bankomaten unter anderem noch in den Foyers in Ketten gelegt und weggerissen. Inzwischen setzen die Täter jedoch auf Pyrotechnik und eine „Hit and Run“-Taktik: „Die Täter benutzen auf ihrer Flucht hochmotorisierte Fahrzeuge mit 700 bis 800 PS“, berichtet Csefan, selbst ein an sich schon leistungsstarker Audi RS6, der schon im Original mit 560 PS ausgestattet ist, bekommt da noch ein Tuning und mit diesen Boliden werde selbst im Ortsgebiet mit über 200 km/h davongerast. Um auf Nummer sicher zu gehen, seien die Fahrzeuginsassen zudem noch mit Lasern ausgerüstet, um etwaige Verfolger zu blenden.
Noch nicht geklärt sei, ob die Täter dann im Land bleiben oder sich unmittelbar ins Ausland absetzen. „Aus dem Kfz-Diebstahl kennt man das Untertauchen im Nahbereich“, so Csefan - weitergefahren werde dann in ein bis zwei Tagen, „wenn der Fahndungsdruck nachgelassen hat.“