„Ich hatte eine Gruppe, die ist mit kurzer Hose und Halbschuhen gekommen“, sagt Jaroslaw Schindler. Bei Schneefall erreichten die elf Personen die Memminger Hütte (2242 m) in Tirol. Es hatte zu diesem Zeitpunkt zwei Tage durchgeschneit, es lag ein halber Meter Schnee. Es war unmöglich, dass sie weitergehen konnten, betont er. Trotzdem hatten sie geplant, über die 2599 Meter hohe Seescharte nach Zams zu wandern.

Teilweise sehr schlecht ausgerüstet

Schindler riet dringend ab. „Sie sind dann wieder ins Tal abgestiegen oder besser gesagt abgerutscht“, erzählt er. „Einer hat gesagt, er hat eine kurze Hose an, damit seine Hose nicht nass wird. Ich weiß nicht, ob das angenehm ist, mit einer kurzen Hose durch einen halben Meter Schnee zu waten“, wundert sich der Wirt. Sie kamen sicher ins Tal. Das war vor drei Wochen.

Heuer liegt auch noch Anfang Juli am E5 besonders viel Schnee. Am Weitwanderweg vom bayrischen Oberstdorf nach Meran überqueren jedes Jahr Tausende Bergsteiger die Alpen und erreichen dabei Höhen von 3000 Metern. Im Winter gab es viel Niederschlag. „Ende Mai lagen um die Hütte noch drei Meter“, sagt Schindler. Auch jetzt müssen die Weitwanderer auf dem Weg über die Scharte immer wieder Schneefelder queren und auf der anderen Seite 300 bis 400 Höhenmeter durch Schnee absteigen. Einzelne kehren bei ihm um und nehmen dann doch den Bus nach Zams zum Start der nächsten Etappe.

Teilweise seien die Bergsteiger sehr gut ausgerüstet, teilweise mangelhaft, so Schindler. Rund 13.000 Menschen übernachten jedes Jahr auf der Memminger Hütte. Bei ihm käme ein großes Spektrum an Wanderern an – darunter auch Unvernünftige. „Manche sagen, ich bin versichert, dann kommt halt der Heli“, wundert er sich über die Einstellung einzelner. Denen muss er dann immer sagen, dass der Rettungshubschrauber nur bei Flugwetter kommt und es auf dem Weg Richtung Zams lange keinen Handyempfang gibt, um Hilfe zu holen. Der Wirt rät dazu, immer sogenannte Grödel – Schneeketten für die Schuhe – mitzunehmen. Die würden kaum etwas wiegen und hätten gut im Rucksack Platz. Gruppen, die mit Bergschulen unterwegs sind, seien generell gut ausgerüstet.

Aktuell nicht zu unterschätzen

„Aktuell ist es schon sehr gefährlich“, bestätigt der Leiter der Bergrettung Landeck-Zams, Johannes Grüner. Einen Unfall oder Ausrutscher dürfe es da nicht geben. „Da ist man weg.“ Noch gefährlicher wird es, wenn die Felsen langsam ausapern. „Dann rutscht man aus und der Auslauf ist im Steinfeld.“ Dann komme es zu schweren Verletzungen. Für die Bergretter selbst sei es noch recht ruhig. „Der E5 ist für die Bergrettung sehr fordernd“, betont Grüner. „Die Leute meinen, sie müssen ihre geplante Tour bei jeder Witterung durchziehen.“ Aktuell hätten sich aber auch viele Wanderer informiert und weichen über Alternativrouten aus, die nicht so hochalpin liegen – wie übers Hahntennjoch oder übers Kaiserjochhaus.

Noch größere Schneefelder

„Es liegt noch sehr viel Schnee, das ist für diese Jahreszeit sicher nicht normal“, erklärt Sabina Margreiter. Die Alpinistin führte vergangene Woche für die Bergschule Kleinwalsertal eine Gruppe mit sieben Personen auf dem E5 nach Meran. „Das Pitztaler Jöchl ist immer noch gesperrt“, sagt sie. Man musste über das Rettenbachjöchl ausweichen. „Zum Begehen ist es aber recht gut, weil der Schnee patzig war. Es gefriert nicht in der Nacht. Wir sind problemlos ohne Grödel drüber. Man muss aber trittsicher sein.“

Größere Schneefelder gibt es noch von Vent zur Similaunhütte. „Beim Abstieg sind ein, zwei Passagen – ja, da darf man keinen Fehltritt haben.“ Die Wanderer sind aus ihrer Komfortzone „herausgerüttelt“ worden. „Aber es hat jeder super gemeistert.“ Dass viele schlecht ausgerüstet sind, kann sie nicht bestätigen. „Mir sind nur Leute mit Bergschuhen entgegengekommen.“

Auch auf der Martin-Busch-Hütte, südwestlich von Vent, kennt man die Herausforderungen. „Wir haben einen schneereichen Winter hinter uns. Ab 2700 Metern geht es über Schneefelder“, sagt Hüttenwirt Peter Scheiber. Der Großteil der Wanderer, die bei der Hütte ankommen, ist aber gut vorbereitet und hat sich im Vorfeld über die Verhältnisse informiert. Er spricht von „seltenen Fällen“, die unzureichend ausgerüstet sind. Man müsse trittsicher sein, betont auch er.