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MorgenpostSpannung vor Brexit-Poker: Nach der Scheidung ist vor der Scheidung

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© APA/Harald Schneider
 

Guten Morgen!

Downing Street Nr. 10. Ein schmuckloses, graublaues Gebäude. Im Ann & Pat-Buch hat es mehr hergemacht. Eine leere, abgeschirmte Straße. Die eingezäunten Fotografen stehen auf alten Alu-Leitern. Es regnet. Boris Johnson lümmelt im Sessel wie nach der letzten, eingeläuteten Runde im Pub und haut sich ab vor dem Kamin mit den beiden Fahnen. Die blaue Krawatte reicht ihm bis zum Boden. Er kann nicht glauben, dass der Gast aus Österreich nur für die halbstündige Unterredung nach London gereist ist und sonst keine Termine hat. „Just for me? Oh! That´s phantastic!“, raunt der britische Premierminister und genießt die Smalltalk-Session in Gegenwart der Journalisten.
 
Man reicht die Scheidung ein, kriegt sie durch, und dann machen einem die, die man verlassen hat, die Aufwartung. Johnson nimmt die Ehrerbietung entzückt zur Kenntnis. Echte Freude oder britischer Spott, entlehnt aus der jüngsten Ausgabe des Satire-Magazins „Private Eye“? In den dreißig Sekunden, die die Journalisten bei der Comedy-Nummer dabei sein dürfen, ist das schwer auszumachen. Faschingdienstag war auch. Tags zuvor saß der kroatische Regierungschef auf dem Sessel, wo jetzt Sebastian Kurz Platz genommen hat. Kurz lümmelt nicht, sondern sitzt aufrecht und nach vorne gebeugt. Mehrmals streckt er den rechten Arm aus, um für die Fotos Gesprächshoheit zu signalisieren, obwohl ihm in den 30 Sekunden nicht mehr bleibt, als dem feixenden Gastgeber höflich zuzulächeln. Die Krawatte von Sebastian Kurz ist auch blau, aber sie berührt nicht den Teppichboden. Fragen sind keine erlaubt, im Kabarett ja auch nicht.
 
Das Gespräch selbst muss dann weniger lustig gewesen sein. Johnson dürfte dem Gast aus Österreich, der ihm im Dezember zum „beeindruckenden Wahlsieg“ gratulierte, klargemacht haben, dass er keinerlei Notwendigkeit sehe, sich vertraglich an die EU und ihre Standards zu binden, nur um Handel zu treiben. Dann treibe er ihn halt mit den Amis. Mit ihnen verhandelt er parallel. Hat er vermutlich in Eton gelernt.
 
Österreichs Kanzler wirkt jedenfalls beim abendlichen Medien-Briefing in der Lufthansa-Lounge ziemlich irritiert über die harte Kante. „Da kommen intensive Verhandlungsrunden auf Europa zu“, bilanziert er knapp. Dann wechselt Sebastian Kurz rasch das Thema und berichtet als dislozierter Krisenmanager zum zweiten Mal an diesem Nachmittag vom Tiroler Abwehrkampf gegen das Corona-Virus. Frontbericht in der ersten Person Mehrzahl. „Wir haben sichergestellt“. Ein Mitarbeiter hat ein Handy mit Direktverbindung zur APA nach Wien auf den Tisch gestellt. „Bitte die eigenen Geräusche auf stumm stellen“, bittet der Kanzler die zugeschaltete Agenturjournalistin am anderen Ende. Jedem am Tisch wird in der Sekunde klar: Dort, am anderen Ende, wäre der Kanzler jetzt bedeutend lieber.
 
Gutes Gelingen beim Panikfasten an diesem Aschermittwoch – und vergessen Sie nicht aufs Händewaschen!

Kommentare (3)

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voit60
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Was macht der

Kurz eigentlich dort?

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metropole
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Hofberichterstattung

Traurig dass die Kl.Z.bei dieser Hofberichterstattung mitmacht. 30 Minuten zu Jonson auf Steuerkosten ! Auch die Kl.Zeitung ??Was macht eigentlich der Aussenminister ???

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5d659df496fc130dbbac61f384859822
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6
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Den Kanzlerdarsteller

nimmt in Europa eh keiner wichtig! Im Bild sieht man förmlich wie Johnson den jungen Mann höflich, aber bestimmt von der Bühne schiebt.

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