Als der russische General in Moskau vor seinem Haus durch eine Autobombe ermordet wurde, wählte der ORF-Redakteur folgende Formulierung: „... die gelungene Tötung des Generals“, und nun, ein paar Wochen später, berichtet der ARD-Korrespondent aus Teheran sehr ähnlich über „die gelungene Ausschaltung der iranischen Führung “.
Der Gebrauch des Adjektivs „gelungen“, verbunden mit der hartnäckigen Vermeidung des Begriffs „Ermordung“, ist in diesem Zusammenhang ein bemerkenswerter Schachzug manipulativer Absichten. Durch die positive Konnotation wird die Tötung eines Menschen zumindest relativiert, wenn nicht schlicht gutgeheißen. Es legitimiert die Sicht und die Absichten der Täter, indem den Opfern ihr Recht auf Leben genommen wird.
Man stelle sich einmal vor ein bayerischer Redakteur hätte im Herbst 1977 berichtet: „Der Roten Armee Fraktion ist es heute gelungen, Hans-Martin Schleyer zu entführen“, und ein paar Wochen später: „Und heute ist es der RAF gelungen, Hans-Martin Schleyer zu beseitigen.“ Es grenzt an Sicherheit, dass dieser Redakteur in Bayern nie mehr einen Job bekommen hätte – dafür hätte notfalls Franz-Josef Strauß persönlich gesorgt.
Ich möchte wahrlich damit nicht sagen, dass der russische General und die iranische Führungseliten gute Menschen seien (und Hans-Martin Schleyer war bei der SS als Untersturmführer auch nicht gerade ein Philanthrop), aber wenn wir im Westen, die wir uns gerne moralisch überlegen gebärden, unseren Werten treu bleiben wollen, dann sollten wir gerade in der öffentlich-rechtlichen Kommunikation darauf achten, wie wir formulieren und was in unseren Formulierungen subkutan mitschwingt.
Wir messen mit zweierlei Maß. Es kann doch nicht sein, dass russische Interessen immer nur böse sind und amerikanische Interessen immer gut und unterstützenswert. Von Redakteuren der Qualitätsmedien erwarte ich mir einfach mehr Differenziertheit und weniger Propaganda. Im Gegensatz zu den Gesetzen der Physik ist in der Kommunikation der Schall meist schneller als das Licht.
Robert Vitek ist Soziologe und Psychotherapeut.