Ist Irren menschlich? Ja, wenn Gewissheiten urplötzlich ihre Gültigkeit verlieren. Etwa, dass man bis ca. zur letzten Jahrtausendwende das Lesen, Schreiben und Rechnen in der Volksschule gelernt hat. 26 Jahre – in menschheitsgeschichtlichen Dimensionen einige Millisekunden!

Knapp 25.000 jugendliche Lehrstellensuchende gibt es und dennoch herrscht ein drückender Mangel an Assistenz- und Fachkräften! Die Gründe, scham- und tabubehaftet: mangelnde Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse!

Ein global tätiger Konzern, ein bekannt großes soziales Gewissen. Zahlreiche Bewerbungen, gut 70 Prozent, scheitern an den niederschwelligen Tests im Lesen, Schreiben und Rechnen.

Durch die Aneignung des gekonnten Lesens, Schreibens und Rechnens lernen Kinder das „Arbeiten“ – das konsequente, nicht nur spaßige Anstreben eines Zieles. Wenn dies fehlt, werden Arbeitshaltung, Leistungsbereitschaft und Verlässlichkeit unweigerlich zum Problem.

Lese-, Schreib- und Rechenschwäche ausschließlich in der Pflichtschule? Universitäten bieten „Brücken- und Nullerkurse“ zum Nachlernen der Grundrechnungsarten und des sinnerfassenden(!) Lesens an! Doch, doch – Sie haben richtig gelesen!

Diese Tabus gehören gebrochen, die kollektive Scham abgelegt!

Fünfzehnjährige sollen die Multiplikation 23 x 17 ohne Elektronik, nur mit Kopf, Papier und Bleistift lösen. Die große Mehrheit scheitert daran. Sie „verrechnet“ sich nicht, die Schüler wissen schlicht nicht, wie man dies rechnet!

Der Schauplatz – eine Schule in einem Kriegs-, Krisen- oder Drittweltstaat? Nein, eine Schule im reichen Österreich, das pro Schülerkopf so viel Geld wie kaum ein anderes Land in der EU ausgibt!

Und der Anteil der Migrationskinder an dieser Schule? Exakt 00,00 Prozent. Noch Fragen?

Ernst Smole ist Musikpädagoge und war Berater der Unterrichtsminister Sinowatz, Moritz und Zilk.