Für die Jünger und Jüngerinnen Jesu ist am Tag seiner Kreuzigung die Welt zusammengebrochen. Enttäuschung, Angst, Wut dominierten ihre Gefühle. Als ihnen dann am Ostermorgen der Auferstandene erschienen ist, drang im tiefsten Tal der Verzweiflung ein neues Licht in ihr Leben. Weil sie die Botschaft der Auferstehung damals weitergetragen haben, feiern wir heute Ostern. Ostern ist die Zusage Gottes, dass er mit uns ist, durch alle Höhen und Tiefen unseres Lebens hindurch. Ostern ist die Hoffnungs-Botschaft, dass diesem Leben nicht der Tod, sondern ein Leben im Jenseits folgt. Unser Leben ist gleichermaßen eine Pilgerreise, die uns manchmal durch Wüsten des Lebens führt, letztlich aber in der erlösenden Erfahrung der Nähe und Liebe Gottes endet.
„Pilger der Hoffnung“ lautet auch das Motto des von Papst Franziskus weltweit ausgerufenen Heiligen Jahres 2025. Papst Franziskus ruft dazu auf, in diesem besonderen Jubeljahr das nötige Vertrauen wiederzufinden - in den zwischenmenschlichen Beziehungen sowie in der Förderung der Würde eines jeden Menschen. Gerade in einer Welt, in der schlechte Nachrichten das tägliche Geschehen zu bestimmen scheinen, liegt es an uns, das Gute zu sehen und anderen zuzusprechen, sei es durch ein Wort oder eine Geste. Das Heilige Jahr ist eine Einladung, als Pilgerinnen und Pilger im Zeichen der Hoffnung unterwegs zu sein und andere Menschen auf diesen Weg mitzunehmen.
„Wir alle leben von der Hoffnung“
Mir persönlich gefällt das Bild von der Pilgerschaft, weil Hoffnung kein schnelles Fertigprodukt ist, sondern ein Weg durch die (Lebens-)Geschichte. Wir leben alle von der Hoffnung, die Menschen vor uns zum Durchhalten motiviert hat. Jeder kennt Menschen, die trotz vieler Entbehrungen und Belastungen nicht aufgegeben haben. Und manchmal wird uns dann in einer existenziellen Krise bewusst, dass der Glaube an Gott uns Antwort gibt, dass die einzige, auch über den Tod hinaustragende Hoffnung der auferstandene Christus ist.
Ostern ist das Fest des Lebens, der Hoffnung und der Gewissheit, dass Gott uns immer wieder einen neuen Anfang schenkt. Diese Zusage möchte ich am heutigen Ostersonntag Ihnen allen, geschätzte Leserinnen und Leser, ins Bewusstsein rufen, und in ganz besonderer Weise jenen unter Ihnen, die sich zutiefst nach einem solchen Neuanfang sehnen - weil sie in einer persönlichen Krise sind, mit einer Krankheit kämpfen, einen Verlust zu beklagen oder andere große Herausforderungen zu bewältigen haben. Österlich zu leben heißt, trotz aller Widrigkeiten des Lebens nicht in Angst zu verharren, sondern sich von österlicher Zukunftshoffnung und Zuversicht leiten zu lassen. Mit Ostern treten an Stelle von Dunkelheit und Schwere Licht und himmlische Leichtigkeit. So wird Ostern zur Kraftquelle unseres Lebens.
Josef Marketz ist Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt