Seine Stimme kannte fast jeder im Land: Hary Raithofer führte von 1996 bis 2004 als Moderator durch den „Ö3-Wecker“ und begleitete damit allmorgendlich eine Millionenhörerschaft vom Bett, zum Frühstückstisch und zur Arbeit. Später erfüllte er sich seinen Traum vom Fliegen und wurde Pilot. Auch auf Ausflüge in die Politik als Kommunikationschef des Team Stronach und in den Privatradiobereich kann Raithofer zurückblicken, wenn er am Donnerstag (17. April) 60 Jahre alt wird.

Seine ORF-Karriere begann Raithofer, geboren 1965 in Bruck an der Mur und aufgewachsen in Mürzzuschlag, als Kabelleger. Erstmals als Moderator dockte er im Privatsektor bei Radio Adria als Moderator an. Später wechselte er zum öffentlich-rechtlichen Radio Wien und gelangte von dort in der Folge als Redakteur zu Ö3. Beim reichweitenstärksten Radiosender des Landes moderierte er etwa die Wochensendung „Club Ö3“ und den „Ö3 Pleiten-, Pech- und Pannendienst“.

Im Zuge einer eingeleiteten Programmreform, übernahm er die Moderation des „Ö3-Weckers“ und war schon bald der berühmteste Morgenmoderator des Landes. Einer der Höhepunkte in Raithofers „Wecker“-Zeit war eine Ö3-Charity-Radtour auf den Großglockner. Knapp 12.000 Menschen nahmen nach Aufrufen des „Wecker“-Teams an der „Expedition“ teil. Die Österreichische Nationalbank spendete 100 Euro pro Person, was 1,2 Millionen Euro für die Ö3-Hochwasserhilfe brachte.

Raithofers Jugendtraum: das Fliegen

2004 moderierte er die Ö3-Morgenshow zum letzten Mal. „Alles hat seine Zeit, und die meine hier bei Ö3 war ein Hit“, blickte Raithofer zurück. Aber nach dem „Traumjob“ bei Ö3 wolle er sich nun seinen „Jugendtraum“ erfüllen und als Pilot arbeiten. Den Berufspilotenschein machte er bereits parallel zu seiner Moderationstätigkeit. Den „Wecker“ übernahm mit Raithofers Abschied Robert Kratky, der schon davor am morgendlichen Mikrofon zu hören war.

Ganz lassen konnte Raithofer das Radiogeschäft in den folgenden Jahren aber nicht. So wechselte das ehemalige Aushängeschild von Ö3 zur Antenne Steiermark und coachte das Moderatorenteam des Privatsenders. 2009 dockte er bei 88.6 an, wo er gemeinsam mit Matthias Euler-Rolle - mit dem er bereits zuvor die virtuelle Partnervermittlung lovejet.com gegründet hatte - die Frühshow moderierte. Gefragt, ob er dort noch einmal die Beliebtheit erreichen werde, die er bei Ö3 hatte, meinte er: „Egal“. „Ich trete nicht an, um beliebt und berühmt zu sein, sondern weil es mir Spaß macht. Wenn man ein gutes Programm macht, kommt die Beliebtheit automatisch.“

hary raithofer
Hary Raithofer arbeitete auch bei der Antenne Steiermark © Antenne / Kucek

Raithofer beriet Frank Stronach

Ein Jahr später verließ er 88.6 mit den Worten: „Es war für ein Jahr, und das Jahr ist vorbei.“ 2013 tauchte er wieder in der Öffentlichkeit auf, dockte er doch bei der damaligen Partei Team Stronach von Frank Stronach an. Ein Gespräch mit dem Parteigründer habe ihn überzeugt, dass dieser gute Ansätze zur Veränderung des Landes habe, sagte Raithofer zu seinem Engagement. Er beriet den reichen Geschäftsmann im Nationalratswahlkampf 2013 und fand sich auf dem dritten Platz der Wiener Liste für den Nationalrat, schaffte aber nicht den Einzug. Später betätigte sich als Bundeskommunikationschef der Partei.

Aber auch dieser Ausflug endete schon bald wieder. Es blieb seine Tätigkeit als Pilot, wobei er nochmals von sich reden machte, indem er 2020 als First Officer mit an Bord war, als im Zuge der Coronapandemie Schutzausrüstung aus China nach Wien geflogen wurde.