Kaum zu ertragen

In Kärnten regnet es. Tropfen für Tropfen fällt vom Himmel und berührt die Welt. Unsere gemeinsame Welt. Unsere einzige Welt. In Afghanistan regieren die Taliban. Der Präsident hat das Land verlassen. Frauen verlieren ihre Rechte. Menschen werden öffentlich ausgepeitscht und hingerichtet. Bilder von Menschen, die rennen, um ihr Leben rennen, die sich verzweifelt an abhebenden Flugzeugen festklammern, in der Hoffnung vor diesem Grauen entkommen zu können, überfluten die Medien. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass der Regen, der auf den Boden fällt, die Menschen mehr berührt. Die Situation aus der Ferne zu betrachten ist überfordernd, furchtbar und kaum zu ertragen.
Wir wollen unsere Augen deshalb verschließen, in einem Moment, in dem wir sie öffnen sollten. Ich bitte inständig, dass wir an die Menschen in Afghanistan denken. Dass wir das tun können, was in unseren eingeschränkten Möglichkeiten steht: uns informieren, unsere Regierung hinterfragen, die Menschen in ein Land abschieben will, in dem nichts mehr als Terror herrscht. Es geht bei dieser Frage nicht darum, ob man politisch links, rechts oder in der Mitte ist. Es geht ganz einfach um Menschlichkeit in ihrer banalsten Form.
Lea Puggl, Klagenfurt