Leserbriefe zum Weltfrauentag

In einer Welt, in der eine Minderheit nur bestimmt und den anderen ihre Freiheit nimmt, ist es oft leichter zu schweigen über das Unrecht, das niemand verstehen mag, über die Unterdrückung, die niemand sehen mag. In solch einer Welt ist es oft schwerer zu sprechen, als heimlich wütend die Fäuste zu ballen und einfach weiter in die Rolle zu fallen. Denn zu rütteln an über Jahrhunderte etablierter Beständigkeit, an der gerecht gestaltet geglaubten unhinterfragten Sicherheit, führt zu Aufschrei, führt zu Unverständnis, führt zu Hass und zu noch mehr Bedrängnis.

Jede Aufdeckung ein zu kritisch beäugender Angriff, jeder Fortschritt ein zur Deformierung des Alten geplanter Übergriff. Es trifft dich perplexes, kopfschüttelndes Unverständnis, herabschauende, stirnrunzelnde Verächtlichkeit. Deine Forderungen werden als unwichtig kundgetan, als irrelevant abgetan. Deine Erfahrungen zahnlos, deine Meinung wertlos, deine Sicht bedeutungslos, du selbst sprachlos. Kollabierst du unter der Macht der Hilflosigkeit und tolerierst das bedrückende Maß an Ungerechtigkeit? Lena Krachler, Fürstenfeld

Geschlechterschranken

Warum wurden Frauen aufgrund ihres Geschlechts seit „Evas Apfelspende an Adam“ konsequent diskriminiert? Was fürchteten die Männer so sehr am anderen Geschlecht, dass sie es herabwürdigen und unterdrücken mussten? Sie fühlten die Stärke der Frauen, die Leben schenken, Kinder aufziehen und durch ihr konstruktives Wirken und ihre außergewöhnliche Kompromissbereitschaft, Harmonie und Frieden stiften. Was unternahmen die Männer, um den Frauen trotz dieser außergewöhnlichen Fähigkeiten eine untergeordnete Rolle aufzuzwingen? In den meisten Kulturkreisen sprachen sie ihnen Intellekt und Vernunft ab und verwiesen sie auf eine rein häusliche Existenz. Geist und Psyche der Frau sei für öffentliche Angelegenheiten ungeeignet. Somit waren Frauen von der Macht ausgeschlossen und von den Männern komplett abhängig. Sie hatten keine Chance zur Selbstverwirklichung und hatten nur die Wahl zwischen Ehe und Kloster. Eine Veröffentlichung ihrer Werke konnte nur heimlich unter einem Synonym erfolgen. Waren sie Künstlergattinnen, so bedienten und bereicherten sich die Ehemänner am geistigen Eigentum ihrer Frauen. Ohne eigenes Einkommen hatten die Frauen keinerlei Macht.

Es ist der Aufopferung und dem Kampfgeist der Feministinnen zu verdanken, dass die Frauen heute etwas besser gestellt sind. Sie konnten sich einigermaßen emanzipieren, aber noch lange nicht ausreichend. Immer noch ist gleiche Bezahlung für gleiche Leistung nicht für alle Frauen umgesetzt. Obwohl in Österreich mehr Frauen als Männer einen akademischen Abschluss haben, sind die Führungsposten vorwiegend von Männern besetzt. Der Grund dafür: Männer überschätzen ihre Fähigkeiten, Frauen sind wesentlich selbstkritischer und bescheidener. Es gilt, den Frauen Mut zu machen, um wesentliche Posten zu besetzen. Gerade in Zeiten wie diesen ist es von immenser Wichtigkeit, dass das Kompromisspotenzial der Frauen zum Einsatz kommt.

Wir alle sind Leidtragende einer extremen Politik von machtbesessenen Männern, die gefährliche Ausmaße annimmt. Frauen könnten einiges bewirken, um ein weniger aggressives politisches Klima zu schaffen. Männer sollten Frauen als Partnerinnen beim Aufbau einer lebenswerten Gesellschaft sehen und nicht als Konkurrentinnen auf dem Weg zur Macht. Es ist höchste Zeit, dass die Geschlechterschranken fallen und nur die Leistung zählt.
Mag. Lydia Straka, Graz

Immer noch ...

8. März, Weltfrauentag: Wieder hat sich die Lage für Frauen weltweit verschlechtert, immer noch wird Mädchen der Zugang zu Bildung versagt, in Afghanistan zur Gänze, noch immer kann ein Großteil der Frauen nicht selbst über ihr Leben bestimmen, kein oder nur eingeschränkter Zugang zu Verhütungsmitteln führt zu zahlreichen ungewollten, manchmal sogar aus Vergewaltigungen resultierenden, Schwangerschaften. 

Ausgaben für die Rüstung werden weltweit wieder hochgefahren, für Umweltschutz ist kein Geld mehr da, dabei trifft der Klimawandel schon jetzt die Ärmsten der Armen, also wieder Frauen mit ihren Kindern. Es ist zum Verzweifeln.
Susanne Freigassner-Riederer, Steinhaus

Gläserne Decke

Einen positiven Start der neu angelobten Regierung bezeugt Frauen- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner gleich passend zum Frauentag. Zum Schwenk der SPÖ beim Thema Kopftuchverbot spricht sie vom Kompromiss, ohne dabei die eigene Haltung zu verleugnen. Sie stellt es nicht schwarz/weiß dar und verweist auf unterschiedliche Meinungen auch in der SPÖ, stellt jedoch klar, dass sie zum Koalitionsbeschluss stehe. Stolz bringt Eva-Maria Holzleitner zum Ausdruck, dass sie Feministin ist. Ihrer Begründung kann man sich leicht anschließen, wenn sie von Chancengleichheit spricht, damit Frauen und Männer ihr Leben frei und ohne Zwänge gestalten können. Wesentlich ist Gerechtigkeit, etwa gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit. Auch Gewaltschutz führt sie an; wer möchte um seine Tochter, Enkelin Angst und Sorge haben?

Noch immer gibt es sie, die gläserne Decke. Eva-Maria Holzleitner stellt klar, dass es nicht um Frauenquoten, sondern um Geschlechterquoten geht, die eigentlich auch für Männer gelten. Gut argumentiert von unserer Frauen- und Wissenschaftsministerin. Ich kann mich allem voll anschließen, wenn Sie so wollen, bin ich ein Feminist..
Norbert Hüttel, St. Ulrich