Die dritte Staffel der bunten Welt von "Emily in Paris" steht in den Startlöchern, am 21. Dezember erscheinen die neuen Folgen auf der Streamingplattform Netflix. Bereits die letzten beiden Staffeln polarisierten aufgrund der überspitzten, amerikanisierten Darstellung der Modehauptstadt Paris und ließen so mancher frankophilen Person nicht unberechtigt die Haare zu Berge stehen.

"Emily in Paris" ist eine Serie der Extreme, sowohl auf Handlungs- als auch Stilebene. Schrill und deplatziert wirken die Looks der Hauptdarstellerin vor der Kulisse der historischen Modemetropole und dennoch fesselte die Serie zahlreiche Menschen vor ihre Bildschirme. Der Kontrast zwischen Realität und Fiktion ist, was die Serie sehenswert macht. Das Spiel mit dem Realitätsfernen ist wie eine Fantasie einer Modewelt, die in dieser makellosen Form nicht existiert.

Zeitlos und zurückhaltend

Der tatsächliche Stil der Franzosen ist zurückhaltend und elegant, sogenannter French Chic ist geprägt von zwangloser Lässigkeit und der Gabe, dennoch sinnlich zu wirken. Zeitlose, hochwertige Stücke in neutralen Farben werden in einer mühelos scheinenden Symbiose miteinander kombiniert, Blazer, weite, fließende Stoffe und lockere Blusen im Alltag kombiniert.

Vor dem Hintergrund der pointierten Szenerie aus "Emily in Paris" inmitten zahlreicher Liebes- und Agenturdramen würde sich der subtile Kleidungsstil der Französinnen allerdings ebenso fehl am Platz anfühlen, wie die Protagonistin Emily in bestickter, oranger Tunika und metallic-blauen Overknees im Setting des realen Paris. 

Auch in der neuen Staffel "Emily in Paris" wird es wieder bunt
© MARIE ETCHEGOYEN/NETFLIX

Unrealistisches "Mehr ist mehr"

"Schau in den Spiegel, bevor du das Haus verlässt und lege ein Teil ab", sagte Coco Chanel einmal über Accessoires, eine Weisheit, die sich die Französinnen und Franzosen in Sachen Mode dennoch zu Herzen nahmen. Das "Weniger ist mehr" des französischen Chics ist ein überwältigender Gegenpol zu jener farbenfrohen Welt, die die Serie kreiert. "Mehr ist mehr", ist nicht nur Motto, sondern verinnerlichtes Programm. 2020 kritisierte Mathilde Carton, die Chefredakteurin der französischen Grazia, im Gespräch mit der Vogue die unrealistische Darstellung Emilys im Pariser Großstadtdschungel, in dem High Heels auf Kopfsteinpflaster zu Stolperfallen werden. 

Doch die extreme Farbpalette in Kombination mit der überbordenden Nutzung französischer Klischees kommuniziert am Ende die Portion Eskapismus, der Zuseherinnen und Zusehern hilft, die Tristesse des Weltgeschehens für einen kurzen Moment hintanzustellen. "Emily in Paris" soll nicht realistisch sein, sondern schlichtweg unterhalten.