Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Musik in PandemiezeitenMärz: Musik, du Seelentröster, sei weiter für uns da

Ob nun beseelte Laien am Balkon zur Gitarre griffen, Startenöre am Fenster stehend ein „Ave Maria“ in die Welt hinausschickten, Orchestermusiker Bach-Partituren erklingen ließen oder Bands online ihre Konzerte gaben: Auch Musik führte uns durch pandemische Wirrnisse im restlos verpeilten Jahr 2020.

Singen und klatschen in Pandemiezeiten
Singen und klatschen in Pandemiezeiten © (c) AP (Alessandra Tarantino)
 

Schon ein ganz kleines Lied kann viel Dunkel erhellen“: So sprach Franz von Assisi im 13. Jahrhundert – ein wahres Wort auch in Zeiten von Corona, 800 Jahre später. Bald nachdem die Pandemie die Kulturszene ausgebremst und die Konzertlandschaft mehr oder weniger auf lange Zeit ausradiert hatte, war sie für viele wichtiger denn je: die Musik. Seelenheiler, der dem Gemüt Halt gibt, zu verbinden vermag. Künstlerische Schönheit gebiert Licht – und das bringt neue Hoffnung. Die Italiener etwa stellten sich schon im März an Freitagabenden zur gleichen Zeit mit Instrumenten oder singend auf ihre Balkone oder an die Fenster. Um – von Nord bis Süd – Canzoni gegen Angst, Einsamkeit und Fadesse aus der Isolation heraus anzustimmen. Selbst Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi schloss sich der „Zeigt euch am Fenster“-Aktion an. „Bach auf dem Balkon“ war eine andere Initiative – in Paris, Straßburg oder Lille spielten Orchestermusiker Stücke von Johann Sebastian Bach. Jeden Abend um 19 Uhr tritt Opernsänger Stéphane Sénéchal in Paris an sein Fenster und stimmt ein Lied an. „Ave Maria“, eine Arie aus „Carmen“ oder ein Stück von Edith Piaf – und zuletzt setzte der Tenor auf Weihnachtslieder: „Ein kleiner Moment der Freiheit, der Realitätsflucht.“

Gut formulierte es auch Papst Franziskus: Die Welt brauche Schönheit, um nicht in Verzweiflung zu versinken, sagte er, als er sich mit Musikern des TV-Weihnachtskonzerts im Vatikan traf. Gerade im Frühling tönte es auch in Österreich aus Fenstern und von Balkonen. Um 18 Uhr wurde von jenen mit Freude an Tönen musiziert und gesungen – kraftvolle Strategie, um sozialer Distanz über Monate entgegenzutreten. Gemeinsame, spontane Jam-Sessions, viel Gefühl vor technischer Brillanz, sorgten dafür, dass sich Menschen von Fenster zu Fenster zusammenfanden und den peinsamen Alltag aufhellten: Die Italiener nennen es „Flashmob sonoro“ (klingender Flashmob).
Und dann war und ist da natürlich auch das Netz, das Musikern zumindest ihr virtuelles Publikum sicherte: Formationen aller Art setzen auf Konzert-Livestreaming-Formate, um loszulegen. Häufig bedeutete das Herunterfahren öffentlicher Veranstaltungen vollen Verdienstentgang – zumal viele ihr Geld vor allem mit Auftritten verdien(t)en.

Andererseits gab es zur Freude der Fans plötzlich reichlich Zeit für neue Alben – die, engen Tourneeplänen geschuldet, sonst womöglich nicht erschienen wären. Die Rolling Stones, längstdienende Rock-’n’-Roll-Band der Welt, lieferten im April mit „Living in a Ghost Town“ einen der prägnantesten Quarantäne-Songs. Noch „davor“ geschrieben, dann plötzlich passend wie die Nadel auf der Coronaspritze: „Ich bin ein Geist in einer Geisterstadt. Bitte lass es vorübergehen. Ich will nicht in einer Welt ohne Ende stecken. Ich vergeude Zeit damit, auf ein Telefon zu starren.“ Den Rolling Stones dürften auch Lockdowns nichts anhaben – man vergesse aber nicht auf das traurige Lied jener darbenden Menschen, die davon lebten, für uns Konzerte auf die Beine zu stellen.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.