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Matthias Mayer, Meghan & Harry Jänner: Das letzte Bad in der Menge

Matthias Mayer war immer schon ein Mann für den richtigen Augenblick, für die großen Siege. Dass sein Erfolg in Kitzbühel aber der letzte einer derzeit vergangenen Zeit war, das ahnte er im Jänner noch nicht.

Matthias Mayer nach seinem Sieg in Kitzbühel
Matthias Mayer nach seinem Sieg in Kitzbühel © (c) APA/EXPA/JOHANN GRODER (EXPA/JOHANN GRODER)
 

"Unbeschreiblich.“ Das hört man oft, wenn Sportler versuchen, ihre Gedanken und Emotionen zu ordnen, begreifbar zu machen. Wenn Matthias Mayer über den 25. Jänner 2020 spricht, kann er viel erzählen. Über die halsbrecherische Fahrt die Streif hinunter, passenderweise mit der Nummer 13, die diesmal Glück brachte. Über den Moment, als im Ziel die „1“ aufleuchtete beim Abschwingen, als das Adrenalin den Körper durchströmte, als 40.000 jubelten, klatschten. Oder er erzählt von der Siegerehrung, die einzigartig ist. Wenn sich mehr als 20.000 Zuschauer versammeln, um den Stars, die ihnen von der Terrasse des Zielhauses zuwinken, zu huldigen. „Das ist der Moment, wo einem alles einfällt“, sagt der 30-jährige Mayer, der Erfahrung hatte mit Erfolgen, immerhin war er schon zwei Mal Olympiasieger.

Aber dann, wenn man auf die zahllosen Köpfe und Fahnen blickt, die bis in die Dunkelheit hinein- und den Hang hinaufreichen, kommt auch das Kind im Manne zurück. „Man denkt daran, wie es war, als alles begonnen hat. An die Momente, wo man noch gar nicht geträumt hat, wirklich einst genau hier stehen zu dürfen. An all die Hindernisse, die zu überwinden waren“, erzählt Mayer. Und ja, sagt er, man genießt. Denn natürlich sei das Bad in der Menge, die – man muss es so sagen – Liebe und Bewunderung, die einem in diesem Moment entgegenströmen, auch (Mit-)Grund, warum man sich der Gefahr aussetzt, die der alpine Rennsport zweifellos mit sich bringt.

Wenige Tage danach war alles anders. Matthias Mayer wurde von einem Virus erwischt – die echte Grippe. Zu einer Zeit, als Corona zwar im Anflug, aber noch nicht im Bewusstsein aller war. Mayer war fast zwei Wochen außer Gefecht, ehe sein (durchtrainierter) Körper das Virus besiegt hatte. Und kurz darauf, am 7. März 2020, feierte er den nächsten Sieg. In der Abfahrt von Kvitfjell. Da bereits unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne Jubel, ohne Huldigung. Nicht wissend, dass es der letzte Sieg der Saison war. Es wurde zum letzten Rennen, denn der Super-G in Norwegen tags darauf musste abgesagt werden, kurz darauf wurde die Saison ganz gestoppt.

Mayer lächelt, wenn er daran denkt, in gewisser Weise Spiegel dieses Jahres gewesen zu sein. Ein Kitzbühel-Sieger und Held der Massen, vom Virus eingeholt, zurückgekehrt als Sieger. „Hoffentlich“, sagt er, „geht es uns allen im Kampf gegen Corona auch so. Damit diese verrückte Zeit wirklich bald ein Ende hat.“

Michael Schuen

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