Leere Strände, große VorfreudeNoch haben Reisende Griechenland fast ganz für sich alleine

Noch ist es sehr still unter der griechischen Sonne, doch berechtigte Erwartungen auf das Kommen der Gäste liegen in der Luft.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Noch genießen nur wenige Touristen ihren Urlaub in Griechenland © marjan4782/stock.adobe.com
 

„Wir sind restlos ausgebucht und bitten um besondere Disziplin bei der Handgepäcksverstauung“, lautet die Durchsage beim Einstieg ins Flugzeug nach Thessaloniki. Dies lässt auf bereits reges touristisches Treiben auf Hellas schließen. Doch weit gefehlt! Die Passagiere der zurzeit noch recht rar angebotenen Flüge sind offensichtlich schnell im Land verteilt.

Im Eagles Palace Hotel nahe der Mönchsrepublik Athos auf Chalkidiki angekommen, gehört man zu den ersten Gästen. Und man genießt das Privileg, einer unter den ganz wenigen zu sein. Wurde das Haus wie die meisten doch auch erst vor wenigen Tagen nach knapp sieben Monaten wieder geöffnet.

Generalmanager Christos Fragotsinos wirkt vorsichtig optimistisch: „Die Nachfragen werden Tag für Tag mehr, auch wenn die konkreten Buchungen vorerst etwas zögerlich sind. Bis Mitte Juni rechnen wir noch mit einer sehr ruhigen Zeit, doch für Juli und August hoffen wir annähernd an die Zahlen von 2019 anschließen zu können. Ausschlaggebend dafür werden die Entwicklungen in Bezug auf den Grünen Pass der EU sein. Wir unsererseits tun das Bestmögliche, dem Gast Vertrauen und Sicherheit zu bieten.“

Noch sind die Strände Griechenlands weitgehend leer Foto © RRK

Christina und Klaus G. aus Bochum bestätigen dies ganz und gar: „Wir fühlten uns bereits letzten September hier als Gäste sehr sicher, da mit großem Aufwand die Coronaregeln genauestens eingehalten wurden. Nun sind wir gleich am erstmöglichen Tag wieder angereist.“

Möge man manchmal meinen, die Griechen würden in südländischer Manier nicht alles so genau nehmen, so liegt man im Falle Corona damit eindeutig falsch. Masken werden allerorts, drinnen und draußen, konsequent nach Vorschrift getragen, Desinfektionsmittel stehen überall bereit, Abstand gebietet der coronakonforme Anstand.

Reisebestimmungen

Nach Griechenland: Zur Einreise nach Griechenland brauchen Reisende ab einem Alter von fünf Jahren einen negativen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Wer vor mindestens 14 Tagen vollständig geimpft wurde, der darf ohne Attest einreisen. Der österreichische gelbe Impfpass wird anerkannt. Ohne Test einreisen können auch Personen mit Nachweis über eine Genesung (positiver PCR- oder Antigentest, behördliche Bestätigung) von Covid-19 (gültig ab zwei und bis neun Monate nach der Infektion). Alle Reisenden müssen sich unter https://travel.gov.gr mindestens 24 Stunden vor der Einreise registrieren. Den ausgegebenen QR-Code muss man vorzeigen, man sollte ihn auch in ausgedruckter Form mitführen. Bei der Ankunft wird ein Covid-19-Schnelltest durchgeführt, bei positivem Test wird eine 14-tägige Quarantäne verordnet.

Rückreise nach Österreich: Bei der Rückreise aus Griechenland nach Österreich entfällt die Quarantänepflicht, es ist aber ein aktueller Nachweis über einen negativen Test (PCR maximal 72 und Antigen maximal 48 Stunden alt), eine Impfung oder eine Genesung notwendig.

Jeder, der nach Österreich einreisen will, - also auch Einheimische - frühestens 72 Stunden davor unter https://entry.ptc.gv.at registrieren.

Aber auch mit den Bestimmungen an den Grenzen nimmt man es haargenau. „Man verweigerte uns beinhart die Einreise, da unsere PCR-Tests zwei Stunden über der gültigen Drei-Tages-Frist lagen“, erzählen Tina und Guido aus Zürich. Sie wollten sich aber unter anderem die einmalige Schiffsfahrt entlang der Halbinsel Athos sowie auch eine kleine russische Reisegruppe und ein Pärchen aus Bulgarien nicht entgehen lassen. Sie buchten einen neuen Flug. Es hätte sich ihrer Meinung nach ausgezahlt, um solche unvergesslichen Maitage in Griechenland erleben zu können.

Dass man im pittoresken Hafenörtchen Ouranoupolis - vormals eher massig als mäßig von Touristen aufgesucht - fast nur auf Einheimische stößt, lässt eine gewisse Ambivalenz aufkommen. Man sieht es als besonderes Geschenk, die einladenden Tavernen, das blaue Meer, die Sandstrände nur mit den Hiesigen teilen zu dürfen, genauso auch die Gelegenheiten, mit ihnen in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. In dieser Beschaulichkeit fühlt man sich fast wie einer von oder zumindest unter ihnen und einfach herzlich willkommen.

Top 10: Die 10 besten Tipps für Chalkidiki

Einen guten Teil ihrer Mystik bezieht die Mönchsrepublik Athos aus dem unumstößlichen Fakt, dass ihn nur wenige betreten dürfen. Erlaubt ist es nur den Mönchen und Pilgern, sofern sie Männer sind. Frauen bleibt der Zutritt versagt. Aber: Bootstouren führen an den Klöstern vorbei an der Halbinsel entlang.

Die ganze Geschichte lesen Sie hier.

FOTOLIA

Verwunschene Buchten, türkisblaues Wasser, weiße Strände im Schatten von Pinienhainen, an denen mehr als 30 „Blaue Flaggen“ wehen, gibt es auf den Landzungen Kassandra (die touristischste), Sithonia (die urige) und selbst auf Athos (wie etwa auf der vorgelagerten Insel Ammouliani) wie Sand am Meer. Sani, Kallikratia, Kriaritsi, Nikiti, Lagomandra, Sarti – mehr als 500 Kilometer säumen die Küste.

FOTOLIA

Für brodelndes Nachtleben ist der kulturelle Schmelztiegel Thessaloniki zuständig, wie etwa in der versteckten Roof-Top-Bar "Vanilla Sky". Viele Zeugnisse der tausende von Jahren zählenden Stadtgeschichte lassen sich noch heute bestaunen: Der weiße Turm, der Palast mit Triumphbogen aus dem vierten Jahrhundert, das jüdische Museum oder das Haus des türkischen Gründervaters Atatürk.

FOTOLIA

Von Polychrono aus kann man durch Pinienwälder und vorbei an den Klippen mit Blick auf das Meer durch ein Hochtal wandern, das zum Mavrobara-Teich führt. Warum man das tun sollte? Weil sich in diesem versteckten Gewässer zwei seltene Arten von Wasserschildkröten tummeln.

FOTOLIA

Dahinter ist die Kornkammer Griechenlands grün und saftig, hügelig bis gebirgig, gespickt mit urtümlichen Dörfern wie Afitos, Parthenonas oder Arnaia. Ouranoupoli (Bild), der weltliche Vorposten der Mönchsrepublik, glänzt im Licht der Ikonen, die in den Klöstern gemalt werden.

FOTOLIA

Eine schmale Landenge verbindet die Halbinsel Kassandra mit dem Festland. Der Kanal war der Beginn einer großen Geschichte: Er wurde von König Kassander von Makedonien gebaut, um die Navigation zu erleichtern und um Thessaloniki zu schützen.

FOTOLIA

In der in der Nähe des Dorfes Olympiada liegt das antike Stagira, der Geburtsort von Aristoteles. Im Dorfpark steht eine Statue des Philosophen mit Kompass, Pendel und Prisma – den Instrumenten, die in seiner „Physik“ erwähnt werden.

FOTOLIA

Was verbirgt sich hinter den Klippen im Süden von Sithonia? Ein geheimer Hafen mit einer 300 Meter großen Öffnung. Es ist der antike Hafen Toronaios, der von Thukydides als der größte und sicherste Hafen im antiken Griechenland erwähnt wird. Er hatte den Spitznamen „tauber Hafen“, weil man das Meer nicht hören kann, wenn man in der Bucht steht.

KK

1959 entdeckte Philippos Chatzaridis, ein Einwohner des Dorfes Petralona, diese fantastische Tropfsteinhöhle. Sie lockt Besucher nicht nur mit in der Dunkelheit leuchtenden Stalaktiten: Bei breit angelegten Ausgrabungen in den 1960er-Jahren wurde der 700.000 Jahre alte Schädel des Archanthrapus gefunden.

KK

Eine der für griechische Verhältnisse wenigen Ausgrabungsstätten in Chalkidiki: In Olynth kann man den antiken Wurzeln moderner Stadtplanung nach dem hippodamischen Rasterplan nachspüren. Die Überreste von Straßen, Gebäuden und Wohnhäusern und vor allem Bodenmosaike zeugen davon.

KK
1/10

Doch angesichts der Tatsache, dass so gut wie alle hier vom Tourismus abhängig sind, wünscht man sich in der Ruhe jene vor einem zumindest kleinen Sturm herbei. Auch wenn sich die meisten in sympathischer Gelassenheit ihre vermutlich großen Sorgen nicht anmerken lassen oder sich dieser – wie zum Beispiel nahe des Berges Athos - auf andere Weise entledigen: „Wir haben drei Pilger-Souvenirläden, von denen die ganze Großfamilie leben muss. Das letzte Jahr war sehr hart. Aber wir glauben wie alle unsere Mitbewohner hier an die große Kraft und positive Energie des Heiligen Berges. Wie alle unsere Pilger, die zu 90 Prozent immer wieder zurückkommen. So wird das auch jetzt bald wieder sein“, ist Ioanna Giannopoulou überzeugt.

Maria Pappa, Tourismusmanagerin der Region Ost-Chalkidiki, weiß mit gezielter Strategie nachzuhelfen: „Der Mai und Juni mag auch in diesem Jahr noch schwach sein. Aber wir arbeiten daran, mit neuen und alternativen Angeboten die Saison bis Mitte November zu verlängern. Ganz besonders setzen wir dabei auf herbstliche Wandererlebnisse.“ Es bleibt also heuer sogar noch etwas länger Zeit, sich für Griechenland zu entscheiden.

Kommentare (1)
Baldur1981
12
3
Lesenswert?

Hahaha

Man würde ja gerne mal buchen, aber leider wartet man in der Steiermark ja ewig auf Termine.