„Wir sind restlos ausgebucht und bitten um besondere Disziplin bei der Handgepäcksverstauung“, lautet die Durchsage beim Einstieg ins Flugzeug nach Thessaloniki. Dies lässt auf bereits reges touristisches Treiben auf Hellas schließen. Doch weit gefehlt! Die Passagiere der zurzeit noch recht rar angebotenen Flüge sind offensichtlich schnell im Land verteilt.

Im Eagles Palace Hotel nahe der Mönchsrepublik Athos auf Chalkidiki angekommen, gehört man zu den ersten Gästen. Und man genießt das Privileg, einer unter den ganz wenigen zu sein. Wurde das Haus wie die meisten doch auch erst vor wenigen Tagen nach knapp sieben Monaten wieder geöffnet.

Generalmanager Christos Fragotsinos wirkt vorsichtig optimistisch: „Die Nachfragen werden Tag für Tag mehr, auch wenn die konkreten Buchungen vorerst etwas zögerlich sind. Bis Mitte Juni rechnen wir noch mit einer sehr ruhigen Zeit, doch für Juli und August hoffen wir annähernd an die Zahlen von 2019 anschließen zu können. Ausschlaggebend dafür werden die Entwicklungen in Bezug auf den Grünen Pass der EU sein. Wir unsererseits tun das Bestmögliche, dem Gast Vertrauen und Sicherheit zu bieten.“

Noch sind die Strände Griechenlands weitgehend leer
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Christina und Klaus G. aus Bochum bestätigen dies ganz und gar: „Wir fühlten uns bereits letzten September hier als Gäste sehr sicher, da mit großem Aufwand die Coronaregeln genauestens eingehalten wurden. Nun sind wir gleich am erstmöglichen Tag wieder angereist.“

Möge man manchmal meinen, die Griechen würden in südländischer Manier nicht alles so genau nehmen, so liegt man im Falle Corona damit eindeutig falsch. Masken werden allerorts, drinnen und draußen, konsequent nach Vorschrift getragen, Desinfektionsmittel stehen überall bereit, Abstand gebietet der coronakonforme Anstand.

Aber auch mit den Bestimmungen an den Grenzen nimmt man es haargenau. „Man verweigerte uns beinhart die Einreise, da unsere PCR-Tests zwei Stunden über der gültigen Drei-Tages-Frist lagen“, erzählen Tina und Guido aus Zürich. Sie wollten sich aber unter anderem die einmalige Schiffsfahrt entlang der Halbinsel Athos sowie auch eine kleine russische Reisegruppe und ein Pärchen aus Bulgarien nicht entgehen lassen. Sie buchten einen neuen Flug. Es hätte sich ihrer Meinung nach ausgezahlt, um solche unvergesslichen Maitage in Griechenland erleben zu können.

Dass man im pittoresken Hafenörtchen Ouranoupolis - vormals eher massig als mäßig von Touristen aufgesucht - fast nur auf Einheimische stößt, lässt eine gewisse Ambivalenz aufkommen. Man sieht es als besonderes Geschenk, die einladenden Tavernen, das blaue Meer, die Sandstrände nur mit den Hiesigen teilen zu dürfen, genauso auch die Gelegenheiten, mit ihnen in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. In dieser Beschaulichkeit fühlt man sich fast wie einer von oder zumindest unter ihnen und einfach herzlich willkommen.

Doch angesichts der Tatsache, dass so gut wie alle hier vom Tourismus abhängig sind, wünscht man sich in der Ruhe jene vor einem zumindest kleinen Sturm herbei. Auch wenn sich die meisten in sympathischer Gelassenheit ihre vermutlich großen Sorgen nicht anmerken lassen oder sich dieser – wie zum Beispiel nahe des Berges Athos - auf andere Weise entledigen: „Wir haben drei Pilger-Souvenirläden, von denen die ganze Großfamilie leben muss. Das letzte Jahr war sehr hart. Aber wir glauben wie alle unsere Mitbewohner hier an die große Kraft und positive Energie des Heiligen Berges. Wie alle unsere Pilger, die zu 90 Prozent immer wieder zurückkommen. So wird das auch jetzt bald wieder sein“, ist Ioanna Giannopoulou überzeugt.

Maria Pappa, Tourismusmanagerin der Region Ost-Chalkidiki, weiß mit gezielter Strategie nachzuhelfen: „Der Mai und Juni mag auch in diesem Jahr noch schwach sein. Aber wir arbeiten daran, mit neuen und alternativen Angeboten die Saison bis Mitte November zu verlängern. Ganz besonders setzen wir dabei auf herbstliche Wandererlebnisse.“ Es bleibt also heuer sogar noch etwas länger Zeit, sich für Griechenland zu entscheiden.

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