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Island-RoadtripFeuer, Eis und ganz viel Magie

Island als grandioses Konzentrat: Ein 1500 Kilometer langer Roadtrip rund um die Insel lässt keine Wünsche offen. Von Gletschern, Vulkanen, der Aurora borealis und Trollen aus Stein.

Das kleine Fischerdorf Anarstapi im Westen von Island
Das kleine Fischerdorf Anarstapi im Westen von Island © Thomas Golser
 

Island, du eigenwillige Kostbarkeit zwischen Vulkanhöckern und Gletscherfeldern, dort in den endlosen Wellentälern des Nordatlantiks! Das erste Wort, das dem Autor dieses Reiseberichts in die Sinne kommt, als er den Flughafen Keflavík hinter sich lässt: Filmreif! Die Landschaft wirkt so, als sei sie vor Millionen Jahren vom größten aller Bühnenbildner für eine monumentale Produktion aufgestellt worden. Diese Weite, auf der sich so viel grandiose, stille Natur ausbreitet – mit Wasser, Eis und Feuer als Hauptdarstellern! Die Weite erklärt sich nicht nur anhand der speziellen Geografie, sondern auch durch die bloß 350.000 Einwohner auf 103.125 km²: 3,3 Einwohner pro km²! Der Kopf geht auf, die Lunge füllt sich. Wer etwa in Graz lebt, atmet durch: So gut kann Luft sein.

Der Golden Circle

Eine gute Startkoordinate für unseren zweiwöchigen Rundumtrip (gegen den Uhrzeigersinn) auf dem Hringvegur, der 1300 Kilometer langen, ringförmigen Hauptverkehrsader von Island, ist der Golden Circle: Auf dieser 300 Kilometer langen, stark frequentierten Route im Südwesten gibt es viel zu sehen. Östlich von Reykjavík wartet der Thingvellir-Nationalpark. Die Almannagjá-Schlucht scheint einem Tolkien-Buch entsprungen zu sein. Das Geothermalgebiet Haukadalur prahlt: Der Große Geysir, Namensgeber aller heißen Quellen, ist mitunter noch aktiv. Rund um Strokkur gibt es kleinere, nervösere Ableger, die stetig ihre Fontänen gen Himmel jagen. Nicht weit entfernt ist der mächtige Wasserfall von Gullfoss, ein einzigartiges, zweistufiges Naturschauspiel. Vielen Urlaubern genügt diese in einem Tag zu absolvierende Strecke – hier trennen sich häufig Touristen von Reisenden.

Island als Roadtrip: Auf dem Hringvegur

Thomas Golser
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Dass unsere kleine, aber feine Gruppe einen fabelhaften Guide hat, der hier selbst ein Jahr lebte, ist Gold wert (takk fyrir, Günter!) – es soll noch so viel mehr kommen. Entlang der Straße informieren Anzeigen über Temperatur und Windgeschwindigkeit: Island ist eine raue Angelegenheit – gut so! Ohne Mietwagen geht wenig bis nichts, wen es ins Landesinnere zieht, der muss auf etwas Jeepartiges setzen. Nächste Etappe: die Wasserfälle Skógafoss und Seljalandsfoss. Ein Regenbogen spannt sich über den Strom, der 70 Meter tief fällt. Großes Kino. Der Vulkan Eyjafjallajökull, der 2010 mächtig für Aufruhr sorgte (nehmen Sie sich ein Viertelstündchen Zeit, ihn aussprechen zu lernen), ist derzeit still.

Zur Puffin-Insel

Nachtlager? Größere Städte abseits von Reykjavík sind rar. Man sollte sich daher lange vor Reiseantritt um passende Unterkünfte scheren, mit Airbnb gibt es simple, aber kostensparende Alternativen zu Hotels. Die Westmännerinselgruppe südlich des Festlandes ist einen vollen Tag wert. Die Hauptinsel Heimaey mit dem Ort Vestmannaeyjabær kann man abgehen – gut möglich, dass einem der eine oder andere dort im Sommer brütende Papageientaucher begegnet. Die possierlichen Puffins landen nicht selten auf dem Grill, in der Luft machen sie aber eine bessere Figur. Die südlichste Inselspitze gilt als windigster Ort Europas – immer mit dabei daher: eine gute Wetterjacke. Auf den von der rauen See umspülten Vestmannaeyjar spürt man ein isländisches Phänomen: Die Zeit wird – absolut – relativ. Wieder am Festland liegt auf der Strecke bei Vík í Mrdal der schwarze Strand von Reynisfjara. Ein Erlebnis – dass die bizarren schwarzen Felsnadeln im Meer eigentlich versteinerte Trolle sein sollen, glaubt man ohne Weiteres.

Weiter geht es dann zum Vatnajökull-Nationalpark, der den kompletten gleichnamigen Plateaugletscher umfasst. Mit 8100 km² ist er Islands größter Gletscher – obwohl auch er langsam schwindet. Eine Wanderung zur Zunge ist ein Muss. Steht die Sonne gut, fasziniert im Auslauf der Gletschersee Jökulsárlón mit surrealen Eindrücken. Leinwand (oder Fotokamera) bitte! Das Örtchen Höfn lädt auf einen Besuch ein – doch wer (wie der Schreiber) immer schon zum Mond wollte, den lockt der Tuffring Hverfjall. Eine Kraterrand-Begehung lässt einen endgültig am Planeten Island landen. Wer Ockertöne bevorzugt und gegen Schwefel immun ist (der Autor ist es nicht), den wird Hverir begeistern: Östlich des Mvatn-Sees dampft es im Solfatarenfeld aus allen Poren. Teufel, das stinkt! Ein Schal um die Nase hilft

Ins Geothermal-Wasser

Es geht zurück auf die endlose, oft schnurgerade Straße. Wer etwas Zivilisation braucht, sollte Akureyri, die nach Reykjavík (und Vororten) mit 18.000 Einwohnern nächstgrößte Stadt Islands, anpeilen. Wasser kommt aus allen Richtungen – und dann legt man sich bewusst hinein: Das "Fontana"-Spa bietet ein Thermalwasserbecken am nahen Laugarvatn-See – dort wird im warmen Wasser kühles Bier gereicht. Das hält man aus! Im Laufe der Rundreise tauchen immer wieder kleine Naturbecken auf, die man sich mit Wanderungen verdient: Dort (oder in einem Hot Tub in der Unterkunft) kann man bei zapfigen Graden die Szenerie genießen, wolligen Schafen und bunten Pferden zusehen. Als Erinnerung eingepackt wird noch der Kirkjufell, ein keilförmig zugeschliffener Berg, der in der nicht ganz unbekannten Fernsehserie "Game of Thrones" zu sehen ist. Und dann, als man die um das Jahr 870 von schwedischen Wikingern entdeckte Vulkaninsel längst im Herzen hat, schließt sich unser magischer Zirkel.

Als finales Reisekapitel wird Reykjavík aufgeschlagen: Die nördlichste Hauptstadt der Welt bietet womöglich nicht genug Abwechslung für mehrwöchige Aufenthalte, ist aber ein Charmeur. Kleine, bunte Häuser prägen das Bild – und der Isländer? Spielt sich nie in den Vordergrund, hält es mit unterschwelliger, nordischer Freundlichkeit. Dort, wo vor 100 Jahren 16.000 Menschen lebten, peilt man heute 125.000 Einwohner an. Geschäfte und Lokale finden sich in der Stadt zuhauf. Gegen reichlich Kronen gibt es feine Dinge zu essen – fermentierter Gammel-Hai (Hákarl) und schwarz gesengter Schafskopf gehören nicht dazu, Walfleisch verbietet sich von selbst. Die Kulturszene pulsiert: Das Pub des Kex Hostels spricht z. B. Freunde von Live-Musik und feinem (in der Happy Hour erschwinglichem) Bier an: Tiefenentspannung! Sehenswert ist im Hafen das Konzerthaus Harpa mit der raffinierten Glasfassade des Künstlers Ólafur Elíasson. Perfekt für Rundumblicke: die Hallgrímskirkja, eine expressionistische evangelisch-lutherische Kirche. Lohnend ist auch das 12-Tónar-Plattengeschäft: feine Auswahl isländischer Musik, Fachberatung und Espressi aufs Haus. Nein, billig ist Island nicht, doch es wird einem teuer.

Nicht verschwiegen werden darf, dass ein zweifelhafter Touristenansturm auf ein fragiles Land einsetzte, in dem die Hälfte der Bevölkerung noch an Elfen glaubt. Islands Regierung muss sich überlegen, ob 2,3 Millionen Besucher jährlich neben 40 Prozent der Devisen nicht auch zu viele Probleme mit sich bringen. Den Juli sollte man tunlichst meiden, Ende August/Anfang September sind die Horden verschwunden, dafür steigen die Chancen auf Nordlichter, jene bunt schimmernden Geisterschleier, die beim Auftreffen beschleunigter geladener Teilchen aus der Erdmagnetosphäre auf die Atmosphäre entstehen. Wer seine Augen nach oben richtet, wird diesen Anblick nie wieder vergessen – was freilich für diese wundervolle Insel insgesamt gilt. Bless!

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