Ein Schrei. Ein lauter Schrei möchte am liebsten aus der Kehle dringen. Und erfolgt dann aus Scham doch lautlos. Aber der Sprung nach einer heißen Sauna ins kalte adriatische Meer zu Winterbeginn entlockt Glücksgefühle, die am liebsten raus in die Welt gerufen werden wollen.

Und nicht nur das: Auch der letzte Rest Anspannung, der vor dem Yoga-Retreat (zu Deutsch Rückzug) in der Nähe von Zadar auf der kroatischen Halbinsel Punta Skala da war, fällt mit diesem Gang ins eiskalte Nass endgültig ab. Es ist ein persönlicher Moment des Glücks, des Genießens, des Ankommens im Hier und Jetzt. Und damit gleichsam auch die Erfüllung der eigenen Erwartungen an eine solche spezielle Reise.

Denn wer einen Yoga-Retreat bucht, der reserviert damit bewusst eine besondere Auszeit für sich. Es ist ein Wegkommen vom Alltag, um sich einerseits intensiv der Yoga-Praxis zu widmen und andererseits wirklich zu entschleunigen, die Energietanks voll aufzuladen. Wenn man dabei das Meer vor der Nase hat, ist das noch das Tüpfelchen auf dem i.

Die Altstadt von Zadar mit der berühmten Meeresorgel
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Auf der Matte stehen

Eines aber vorweg: Urlaubslangschläfer kommen wahrscheinlich nicht wirklich auf ihre Kosten. Bereits um 8 Uhr (und damit noch vor dem Frühstück) geht es im sonnigen Yoga-Raum das erste Mal für rund eineinhalb Stunden auf die Matte.

Herzlich werden alle Teilnehmerinnen von Maria Jamnik, Besitzerin des Yoga-Studios Herzfeld in Graz, empfangen und in den liebevoll hergerichteten und gut duftenden Yogaraum eingelassen. "Kroatien ist ein Kraftplatz für uns und wir wollen mit den Teilnehmern teilen, was wir sehen. Vor allem die Verbindung zur Natur kann man hier, auch außerhalb der Hochsaison, gut spüren", erzählt Jamnik, deren Partner Michael Jahn für die Yoga-Retreats verantwortlich ist.

Beim Retreat in Zadar kann man bei wärmeren Temperaturen Yoga auch direkt am Meer genießen
© Herzfeld Travel

Yoga-Pause am Meer

Wer jetzt aber glaubt, dass es bei Retreats nur ums Entspannen geht, der wird an dieser Stelle enttäuscht: Bei diversen Flows und einigen Liegestützen-Positionen leitet uns unsere Trainerin zwar herzlich und mit einem Lächeln, aber dennoch zielgerichtet raus aus der eigenen Komfortzone.

Nach der ersten gemeinsamen Zeit des Tages auf der Matte folgt man ganz seiner Intuition: Ob Entspannen am Liegestuhl im Spa-Bereich und dabei aufs Meer schauen, Schwitzen in der Sauna und vielleicht danach ein Sprung ins Meer, ein langer Spaziergang entlang der Küste, ein Ausflug nach Zadar oder ein paar Erinnerungsfotos von Yoga-Haltungen am Meer machen – alles ist möglich und nichts ist Muss.

Die Sache mit dem Gong

Den Blick auf die Uhr sollte man aber nicht vergessen, denn meist findet man sich am späten Nachmittag zum zweiten Mal am Tag für mehrere Stunden auf der Matte ein. Maria Jamnik führt dabei etwa durch ein Gong-Bad – ein akustischer Genussmoment –, erklärt das Geheimnis des Räucherns und bettet uns gemütlich mit vielen Polstern in Yoga-Haltungen zur völligen Entspannung. Gut, dass Kuscheldecke und warme Socken mit im Gepäck waren. Und damit wäre der Moment der absoluten Ruhe und des endgültigen Kopfabschaltens erreicht.

Lauter wird es dann abends an der Bar, wenn man mit der ganzen Retreat-Gruppe stundenlang unterhaltsame Gespräche führt. Und dieses Zusammensein sollte man auf keinen Fall auslassen, auch wenn am nächsten Tag der Wecker wieder zeitig klingelt, damit man um 8 Uhr pünktlich auf der Yoga-Matte steht.

Am Ende ist es aber genau diese Balance zwischen Anstrengung und Ausgleich, zwischen Anspannung und Zur-Ruhe-Kommen, zwischen Action und Loslassen, die diese fünf Retreat-Tage am Meer so besonders gemacht haben.