Über 10.000 Kilometer lang, beginnend in Nordnorwegen und endend am Schwarzen Meer in Bulgarien – das ist der EuroVelo 13, der Iron Curtain Trail, entlang der ehemaligen Zonengrenze zum Ostblock. Ein Teil dieses prominenten Radweges verläuft im Weinviertel entlang der Grenze zwischen Österreich und der Slowakei. Hier kann man ihn auch beidseitig der March befahren, wobei man in Österreich auf dem Kamp-Thaya-March-Radweg unterwegs ist. Beginnend beim March-Thaya-Zentrum in Hohenau, besteht mehrmals die Möglichkeit, die Landesgrenze zu queren, um auf beiden Seiten sanft und eben bis nach Hainburg oder Bratislava zu gelangen, das man auf der Tour unbedingt besuchen sollte.

Auf der österreichischen Seite durchfährt man zahlreiche kleinere Orte, in der Slowakei verläuft der Weg weitestgehend auf im seinerzeitigen Ostblock gesperrten und ausschließlich dem Militär vorbehaltenen, kleinen Straßen. Zahlreiche Bunker zeugen heute noch von der ehemals befestigten Zonengrenze. Fünf Brücken gab es vor dem Krieg zwischen Hohenau an der March und Hainburg, nach dem Zweiten Weltkrieg blieben noch die beiden in den genannten Orten übrig. „Damit das Radeln aber zum grenzüberschreitenden Erlebnis wird, wurden inzwischen zwei Radbrücken in Marchegg und Schloßhof gebaut, dazu besteht bei Angern die Möglichkeit, mit der Fähre den Fluss zu überqueren“, weiß Hannes Steinacker, Geschäftsführer von Weinviertel Tourismus.

Blick in die Marchauen entlang des Iron Curtain Trails, der durch das Weinviertel führt
© Karl Allen Lugmayer/stock.adobe.com

Schau, schau, die schöne Au

So ist es möglich, an beiden Ufern der Marchauen dahinzuradeln. Ein Naturjuwel, das seit einiger Zeit wieder renaturiert wird. Bis 1987 hat man den Fluss reguliert, ehe ein Umdenken dazu geführt hat, wieder Natur pur zu gestalten. Zahlreiche kleine Kanäle wurden und werden am unteren Flusslauf bis zur Mündung in die Donau bei Devín gebaggert, damit sich das ganze Gebiet wieder in eine sumpfige Naturlandschaft verwandelt. Es entstehen wieder Auwälder, zahlreiche Vögel, Insekten- und Tierarten haben sich schon angesiedelt.

Im Auwald sind es die scheuen Schwarzstörche, Seeadler und Biber, die zuhauf wieder eine Heimat gefunden haben. In und um Marchegg befindet sich die größte, auf Bäumen brütende Weißstorchkolonie Mitteleuropas, rund 40 Brutpaare residieren derzeit dort und werden versuchen, heuer etwa 100 Jungstörche großzuziehen. Und bei Marchegg befindet sich auch ein 70 Hektar großes eingezäuntes Gebiet, in welchem 15 Konik-Urpferde angesiedelt wurden. „Die aus Polen importierten Wildpferde gedeihen hier prächtig, haben sich bereits auf 27 vermehrt“, erzählt Andreas Pataki, einer der Wildparkranger die im Schloss Marchegg residieren.

Angesiedelte Konik-Pferde pflegen die Marchwiesen
© Rupert Pessl

Singende Weine, schlafen im Fass

Entlang der Radwege fährt man auch an zahlreichen Kellergassen entlang, rund 1100 mit etwa 40.000 Weinkellern gibt es davon in der Region. Viele sind renoviert und strahlen im traditionellen Weiß. Einige laden auch zum Besuch ein, man kann die Kellergewölbe besichtigen und das eine oder andere Glas Wein verkosten. So auch in Grub an der March, wo die Familie Küssler in ihren großen Keller zu Führungen lädt. Das ist jedoch nur einer der Höhepunkte des Hauses, hier kann man sogar in Weinfass-Suiten die Nacht verbringen. „Wir haben auch einen singenden Wein kreiert, den wir nach ganz Europa exportieren. Einer Flasche Wein wird dazu eine Spieluhr mit einer populären Melodie beigepackt“, sagt Hausherr Küssler über die von ihm erfundene Geschenksidee.

Die Route führt vorbei an Kellergassen
© MICHAEL LIEBERT

Kulturgeschichte kann man beim besten Willen nicht umfahren, wenn man das Marchfeld, übrigens durchwegs ebene Wege, wo höchstens starker Gegenwind zum Feind werden kann, mit dem Rad durchquert. So ist ein Besuch des March-Thaya-Zentrums in Hohenau am Fluss mit seiner Naturschau ebenso zu empfehlen wie eine Visite bei der Ausstellung auf Schloss Jedenspeigen. Das im 12. Jahrhundert entstandene und stetig erweiterte Schloss ist vor allem wegen der in der Gegend stattgefundenen Ritterschlacht bekannt. Hier hat sich 1278 das Schicksal Mitteleuropas entschieden, als Rudolf von Habsburg Ottokar von Böhmen besiegte und damit eine Jahrhunderte andauernde Herrschaft der Habsburger besiegelte. Eine multimediale Installation und zahlreiche Schautafeln und Dokumente machen die Ausstellung im Schloss zu einem Erlebnis.

In Schloss Marchegg ist die niederösterreichische Landesausstellung zu sehen
© Weinviertel Tourismus

Attraktionen entlang der Route

Schloss Marchegg – übrigens auch eine große Heimstätte der Weißstörche – lädt noch bis 13. November zum Besuch der Niederösterreichischen Landesausstellung. Unter dem Motto „Marchfeld Geheimnisse“ erfährt man dabei sehr viel über Menschen, Natur und Kultur und deren Schätze und Geheimnisse. „Auch ein Besuch mit Führung durch Schloss Eckartsau, wo das letzte österreichische Kaiserpaar Karl I. und Zita 1918 seine letzten Tage in Österreich verbrachte, sollte ein Fixpunkt einer Radtour sein“, rät Yvette Polasek von Weinviertel Tourismus.

Ebenso wie ein Besuch der privaten Storchenbräu-Schaubrauerei in Untersiebenbrunn. Oder ein Abstecher in eine der größten österreichischen Bio-Sanddornplantagen der Familie Burik in Engelhartstetten. Nur einige der vielen Attraktionen, die man im Weinviertel radelnd erleben kann.