Nachhaltigkeit fängt bei A wie Achtsamkeit an und hört bei Z wie Zero Waste auf“, sagt Daniel Mahlknecht, Miteigentümer des Hotels Pfösl in Deutschnofen, rund eine halbe Stunde von der Südtiroler Hauptstadt Bozen entfernt. „Wenn man sich erst einmal mit Nachhaltigkeit beschäftigt, bemerkt man schnell, wie viele Möglichkeiten zwischen diesen beiden Punkten liegen für kleine und große Ziele“, sagt der ehemalige Bank-Manager.

Wie sie gelebt werden kann, wird den Gästen des Pfösl, dessen Namen auf einen Hof aus dem 16. Jahrhundert zurückgeht, täglich vor Augen geführt. Daniel, der das Haus gemeinsam mit Ehefrau Eva und Schwägerin Brigitte führt: „Wir berechnen seit zwei Jahren den CO2-Ausstoß unseres Hauses und haben ihn in dieser Zeit halbiert.“

Das Vier-Sterne-Plus-Hotel Pfösl in Deutschnofen
© Carolin Thiersch Photography

Bettenstopp in Südtirol?

Nachhaltigkeit ist auch der Grund dafür, dass das Hotel, das kurz vor Deutschnofen auf einem Hügel thront, auf den fünften Bewertungsstern verzichtet. „Im Fünf-Sterne-Segment muss man mehr Menüs anbieten, täglich Wäsche und Handtücher wechseln. Das passt nicht mit unseren Kriterien der Nachhaltigkeit zusammen.“ Das habe man auch in der gesamten Branche schon erkannt. Deshalb werde derzeit ein neues Südtiroler Tourismusgesetz erarbeitet, das neue Maßstäbe beinhaltet. In Kraft sei es noch nicht getreten, weil heftig über den darin geplanten Bettenstopp diskutiert wird.

Eva, Brigitte und Daniel leiten das Vier-Sterne-Plus-Hotel in Deutschnofen
© Brandnamic

Die drei Hoteliers haben im Eggental Mitstreiter gefunden, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Einer von ihnen ist Wanderführer Alex Bisan, der bei seinen Touren am Fuße des Latemar-Massivs seine Gäste dazu bewegt, die Schuhe auszuziehen. Die Begründung: „Im Schuh produziert jeder Fuß 220.000 Schweißtropfen täglich.“ Dadurch entstehe ein ungesundes Milieu. Außerdem sorgten die Rezeptoren Fußsohlen dafür, dass beim Barfußgehen Serotonin den ganzen Körper durchflute und Glücksgefühle wecke.

Wanderführer Alex Bisan ist barfuß in den Bergen unterwegs
© BENEDIKT

Permakultur auf 1300 Meter Seehöhe

Sein Glück hat auch Michael Pfeifer vom Eisathof gemacht. Er ist erst 24 Jahre alt, dennoch beliefert er seit drei Jahren die führenden Hotels des Tals mit 600 verschiedenen Sorten von Gemüse und Obst aus seiner Permakultur. Die liegt zwar auf 1300 Metern Höhe, ist aber aufgrund der Hangneigung ertragreich genug, um davon leben zu können. Michael schwört darauf, seine Felder so zu bewirtschaften, dass er auch langfristig gesunde Böden erhalten kann.

Er ist keineswegs ein Esoteriker, legt aber großen Wert darauf, bestimmte Gemüse nur bei speziellen Mondphasen zu pflanzen. Die Menge seiner Früchte stimmt Michael mit den Küchenchefs der umliegenden Hotels ab. Trotz seines arbeitsintensiven Jobs hat sich der Landwirt in den vergangenen drei Jahren zum Koch ausbilden lassen, damit er die Erfordernisse der Hotelküchen besser einschätzen kann.

Michael Pfeifer ist Perma-Bauer auf 1300 Metern Höhe
© BENEDIKT

Der Sturm auf den Karer See

In Arbeitskreisen hat man für das Eggental 100 Maßnahmen festgehalten, mit denen man die Nachhaltigkeitsziele des Global Suistanable Tourism Council (GSTC) erreichen will, sagt Stephanie Völser, „Nachhaltigkeits-Beauftragte“ des Tourismusverbandes. Dazu gehört etwa ein neues Verkehrskonzept für den Touristenmagnet Karer See, der im Sommer geradezu gestürmt wird. Ein Shuttleservice soll in Zukunft den Individualverkehr verbannen. Die Gäste bekommen schon jetzt eine Zeitkarte für den öffentlichen Busverkehr, der im Viertelstunden-Takt die Orte des Tals mit Bozen verbindet. Gäste, die per Zug anreisen, werden kostenlos vom Bahnhof in der Landeshauptstadt abgeholt.

Markus Thurner, Chefkoch im Hotel Pösl, bäckt Brot aus Urgetreiden im 300 Jahre alten Ofen
© HOTEL PFÖSL

Brotbacken im 300 Jahre alten Ofen

Markus Thurner ist Chefkoch im Hotel Pfösl und trägt die Zielsetzungen seiner Chefs mit. So ist er Vater dutzender Bienenvölker, deren Honig beim Frühstück auf den Tisch kommt. Draußen, in den Hochbeeten vor dem Hotel, wachsen fast das ganze Jahr über die Kräuter, die in der Küche gebraucht werden.

Einmal pro Woche lädt Markus die Hotelgäste zum Brotbacken ein. Die Laibe werden im 300 Jahre alten Ofen gebacken. Markus legt Wert darauf, dem Brot seine Ursprünglichkeit zurückzugeben. Deshalb werden beinahe ausgestorbene Getreidesorten wie Waldstaude, Kamut oder Emmer verwendet. Hotelchefin Brigitte verrät den Hobby-Bäckerinnen und -Bäckern, welche Gewürze in ein typisches Südtiroler Brot gehören: Kümmel, Fenchel, Anis und Brotklee. Die Kreationen erwarten einen am nächsten Morgen am Frühstückstisch.

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