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Erste Schiffe wieder unterwegsKreuzfahrt-Branche fährt in Zeiten von Corona auf Sicht

Die krisengebeutelte Kreuzfahrt-Branche versucht mit Kurztrips, sich ein wenig Liquidität zu verschaffen. Aber die Zukunft der Branche bleibt ungewiss.

© napa74 - stock.adobe.com
 

Mit 1200 Passagieren legt das TUI-Schiff "Mein Schiff 2" am Freitagabend in Hamburg ab. Die Touristen starten zu einer dreitägigen Mini-Kreuzfahrt bis Montagfrüh, es geht über die Nordsee in Richtung Norwegen. Ein Landgang für die Passagiere ist nicht geplant; dafür enge Einschränkungen für Hygiene und Sicherheit an Bord.

Die Passagiere haben viel Platz: Das Schiff ist für 2900 Fahrgäste ausgelegt. Ob sich das für die Reederei TUI Cruises am Ende wirtschaftlich rechnet, ist fraglich. Sie bekommt aber immerhin ein wenig Liquidität in die Kasse.

So wie TUI Cruises wagen sich nach monatelanger Zwangspause auch andere große Kreuzfahrtreedereien wieder an den Markt. Am 5. August soll die "AIDAperla" von Hamburg zu ihrer ersten Reise nach der Coronapause ablegen, am 12. August in Rostock die "AIDAmar" und am 16. August in Kiel die "AIDAblu". Die Reederei Hurtigruten mit ihren deutlich kleineren Schiffen ist bereits seit Juni wieder aktiv und bietet sogar zweiwöchige Touren entlang der norwegischen Küste bis zum Nordkap an - allerdings ebenfalls ohne Landgang. Auch Hapag-Lloyd Cruises schickt die luxuriöse "Europa 2" und die kleinere "Hanseatic Inspiration" wieder auf kurze Touren.

Ähnlich verhalten sich Kreuzfahrt-Reedereien rund um die Welt. Überall gilt an Bord ein strenges Hygiene-Konzept mit den üblichen Regeln. Die Crewmitglieder sollen untereinander und zu den Gästen den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten oder Gesichtsmasken tragen. Die Buffetrestaurants werden nur bei einigen Anbietern geöffnet sein, aber die Gäste haben nicht selbst Zugang zu den Speisen, sondern diese werden ihnen angereicht. Bevor die Passagiere an Bord gehen, müssen sie einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen und ihre Temperatur messen lassen.

Experten bezweifeln, dass dieses Konzept längerfristig trägt. Die Kreuzfahrt-Reedereien erwirtschaften ihren Gewinn nicht nur mit dem Preis für die Passage, sondern ebenso aus Gastronomie, Boutiquen und weiteren Angeboten an Bord sowie den Arrangements bei Landgängen. All das fällt um mehrere Nummern kleiner aus, wenn kaum mehr als die Hälfte der kalkulierten Passagiere an Bord sein darf. Die Kosten hingegen sind ähnlich hoch wie bei einem voll besetzten Schiff, auch wenn weniger Service-Mitarbeiter und weniger Nahrungsmittel an Bord gebraucht werden.

Die notwendigen Mitarbeiter werden gerade zu ihren Einsatzorten gebracht - getestet und nach einer vorsorglichen Quarantäne. TUI Cruises musste einen ersten Termin für "Mein Schiff 1" ab Kiel absagen, weil die Belegschaft noch nicht komplett war. Für Aida sind schon drei Flugzeuge aus Asien mit 750 erfahrenen Mitarbeitern gelandet. Doch zehn von ihnen wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Die Rekrutierung der Crews ist für die Reedereien logistisch nicht einfach, weil auch der internationale Luftverkehr längst noch nicht wieder rund läuft.

Top 15: Kreuzfahrtschiffe 2020

MSC Virtuosa. Im November sticht das 331 Meter lange Schiff der sogenannten Meraviglia-Klasse in See. Die bis zu 6334 Passagiere an Bord werden vom Cirque du Soleil unterhalten.

KK

Sea Cloud Spirit. Der Dreimastsegler mit 4100 Quadratmetern hat 69 Kabinen und absolviert seine Jungfernfahrt im August.

KK

Fridtjof Nansen. Das Hybrid-Schiff (Kombination aus Diesel- und Elektromotoren) von Hurtigruten ist das Schwesterschiff der Roald Amundsen und auf 530 Passagiere ausgelegt. Start ist im März.

KK

Ecoship. Die japanische NGO Peace Boat lässt im April ihr erstes Öko-Boot zu Wasser, das zusätzlich zu einem Motor von Wind- und Sonnenenergie angetrieben wird. Das Ecoship sticht zu Bildungs- und Forschungsreisen in See.

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Mardi Gras. Das neue Flaggschiff der Carnival Cruise Line wird mit Flüssiggas angetrieben und hat (Achtung, jetzt kommt’s) die erste Hochsee-Achterbahn der Welt an Deck.

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Celebrity Apex. An Bord des 306-Meter-Schiffs kann man als einer der 2918 Passagiere einen Drink auf einem „fliegenden Teppich“ nehmen: einer beweglichen Bar-Plattform, die über die Bordwand hinausragt.

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World Voyager. Das 126 Meter lange Expeditionsschiff hat ein Glasdach zur Sternbeobachtung und für Ausflüge Zodiacs, Kajaks und Camping-Ausrüstung an Bord. Ab Juli.

KK

Iona. Das größte Schiff der britischen Reederei P & O (337 Meter, 5286 Passagiere, Jungfernfahrt im Mai) ist mit einem Flüssiggasantrieb ausgestattet.

KK

Evrima. Die Hotelgruppe Ritz-Carlton lässt im Juni den Luxuskreuzer für 298 Gäste (149 Suiten, alle mit Balkon) vom Stapel.

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Enchanted Princess. Auf 4380 Passagiere bringt es das neue Schiff von Princess Cruises, das im Juni Fahrt aufnimmt. Highlights sind die „Sky Suites“, von dem aus man die riesige Kinoleinwand „Movie under the Stars“ sehen kann, und der über die Bordwand herausragende „Seawalk“.

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National Geographic Endurance. Benannt nach dem legendären Segelschiff von Ernest Shackleton, das bei einer Expedition im Weddell-Meer sank, kann das 124-Meter-Schiff für 126 Passagiere in Polargewässern kreuzen.

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Silver Moon. Ab Triest geht im August die Silver Moon auf ihre Jungfernfahrt. Sie ist 212,8 Meter lang und beherbergt bis zu 596 Gäste.

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Odyssey of the Seas. Eine riesige Arena, AutoscooterLaser-Tag-Battles und das "Sky Pad", auf dem man der Schwerelosigkeit nachspüren kann, befinden sich an Bord des 347 Meter langen Schiffs für 4180 Passagiere. 

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Seven Seas Splendor. Im Februar startet das neue  Luxusschiff für 809 Gäste mit einer Atlantik-Überquerung. Die 375 Suiten verfügen alle über einen Balkon.

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Scarlet Lady. Hinter dem 278-Meter-Kreuzer für 2770 Passagiere steckt kein geringerer als der britische Virgin-Konzern von Richard Branson. Es handelt sich um ein Adult-only-Schiff (keine Familien an Bord), das in der Karibik schippert.

KK
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Die Zukunft der Branche bleibt ungewiss, solange die Coronagefahr nicht gebannt ist. "Wir fahren auf Sicht", heißt es bei TUI Cruises. Mit der britischen Firma South Quay Travel, die in Deutschland unter dem Namen Transocean Kreuzfahrten operiert, hat bereits ein Anbieter Insolvenz angemeldet. Alle Reisen wurden abgesagt.

Die großen Konzerne wie die US-amerikanische Carnival-Gruppe, zu der auch Aida gehört, Royal Caribbean und Norwegian Cruise Line hatten ein dickes Finanzpolster und verfügen bei den Banken noch über Kreditmöglichkeiten. Doch nun haben sie viele Milliarden Dollar verloren und ihre Aktienkurse sind auf ein Viertel zusammengeschrumpft im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Investitionen in neue Schiffe sind gestoppt und ältere Schiffe könnten stillgelegt werden. Für die deutschen Werften, die stark auf das Geschäft mit den Kreuzfahrt-Reedereien angewiesen sind, ist diese Situation bedrohlich.

Kommentare (1)

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Mezgolits
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Erste Schiffe wieder unterwegs

Vielen Dank - ich meine: Die ersten Schiffe sind wieder mit mineralöl-
steuerbefreiten Schiff-Treibstoffen unterwegs. Erfinder Mezgolits