Die westlichste Oasengruppe Ägyptens ist eine eigene Welt: Die Mehrheit der rund 23.000 Bewohner von Siwa sind Berber, die ihre eigene Sprache Siwi sprechen, ihre Kultur und Bräuche pflegen. Rund um die antike Orakelstätte breiten sich grüne Haine mit Dattelpalmen und Olivenbäumen aus, im Hintergrund das Dünenmeer und Lagunen mit einem so hohen Salzgehalt, dass man wie im Toten Meer auf dem Wasser treibt.
Weiße Wüste: Ägyptens surreal geformte Kalksteinlandschaft
Steinerne Skulpturen in der Wüste – aber anders als man es in Ägypten vermuten würde, nicht von Menschen gemacht. Vielmehr hat die Erosion ihren Meißel ausgepackt, Kreide und Kalkstein zu schneeweißen Monolithen behauen, teils in skurrilen Formen, die an Pilze oder Kamele erinnern. Sie sind die Namensgeber der Weißen Wüste im Westen des Landes, die man bei Geländewagen-Safaris erkundet, in Camps im Nationalpark kann man auch unter freiem Himmel übernachten.
Tempel von Abydos: Meisterwerke altägyptischer Reliefkunst
Das Land am Nil zählt hunderte Tempel – jene in Karnak und Luxor sind am berühmtesten und entsprechend gut besucht. Deutlich weniger Publikum zieht es nach Abydos zum Totentempel von Pharao Sethos I., der als einer der schönsten überhaupt gilt. Die Stadt nahe Sohag war eines der wichtigsten religiösen Zentren und eng mit dem Gott Osiris verbunden. Während der Tempel von außen eher unscheinbar wirkt, finden sich in seinem Inneren die wahrscheinlich schönsten Reliefs des Alten Ägyptens. Eines davon ist die sogenannte Königsliste: Sie zeigt die Kartuschen von 76 Herrschern, die Sethos I. als legitim erachtete. Es fehlen beispielsweise die Königin Hatschepsut oder die Amarna-Könige Echnaton und Tutanchamun.
Sakkara: Die älteste Pyramidenstätte Ägyptens entdecken
Wer nach Ägypten kommt, besucht die Pyramiden von Gizeh und das Tal der Könige in Luxor. Im Vergleich wenig frequentiert ist die riesige Nekropole von Sakkara etwa 30 Kilometer südlich von Kairo. Dabei ist die Totenstadt von Memphis die Keimzelle der Pyramiden: Jene von Pharao Djoser hat zwar noch Stufen statt glatter Seiten, gilt aber als die erste Steinpyramide der Geschichte. Fantastisch farbenfroh erhalten sind die Reliefs der Mastaba-Gräber der Beamten, mystisch das unterirdische Serapeum mit den riesigen Sarkophagen der heiligen Apis-Stiere.
Wadi El Gemal: Nationalpark zwischen Gebirge und Rotem Meer
Südlich von Marsa Alam erstreckt sich das „Tal der Kamele“, das von den Korallenriffen, Stränden und Mangrovenwäldern am Roten Meer bis zu den Bergen 70 Kilometer landeinwärts reicht. Im Nationalpark pflegen Ababda-Beduinen ihre Lebensweise, auf dem Gebiet liegen antike Stätten und mit etwas Glück kann man Dorkasgazellen, Nubische Steinböcke oder Dugongs (Seekühe) in den Seegraswiesen beobachten.
Schwarze Wüste: Vulkangestein und Kristallberg bei Bahariya
Nördlich der Weißen Wüste liegt ihr Gegenstück – die Schwarze Wüste, deren Oberfläche von schwarzem Vulkangestein bedeckt ist. Die Flanken der kegelförmigen Hügel sind von Basalt überzogen. Zwischen den Oasen Bahariya und Farafra ragt aus dieser Mondlandschaft der Kristallberg auf, dessen sichtbare Quarzadern in der Sonne glitzern.
Koptische Klöster: Frühchristliche Klosteranlagen in der Wüste
Zu den ältesten des Christentums zählen die Klöster, die koptische Mönche bereits im dritten und vierten Jahrhundert in der Wüste errichteten, um ein asketisches Leben zu führen. Darunter die Klöster des Antonius und Paulus im Osten, das Felsenkloster Deir Dronka bei Assiut oder das Rote Kloster in Oberägypten, das für seine Fresken berühmt ist und auf einem Felsen über dem Nil thront.
Oase Dakhla: Traditionelle Lehmhäuser und heiße Quellen
Sie ist berühmt für ihre Datteln, ist geprägt von Palmenhainen, Lehmhäusern und Gastfreundschaft: Die größten Orte der Oase von Dakhla sind Mut mit traditionellen Märkten und Handwerkern und die Festungsstadt Al-Qasr mit ihren engen Gassen und der Moschee aus dem 12. Jahrhundert. Auch in Dakhla entspringen heiße, mineralreiche Quellen, in denen man nach dem Erkunden entspannen kann.
Wadi al-Hitan: Spaziergang auf dem Meeresgrund
Eine Wanderung im Wadi al-Hitan nahe der Oase Fayyum geht unweigerlich an die Knochen. Das können einzelne sein, aber auch vollständige Skelette zahlreicher Bewohner des Urmeers Thetys, die zurückgeblieben sind, nachdem sich der Ozean längst zurückgezogen hatte. Besonders beeindruckend sind die rund 250 bisher entdeckten Walskelette, an denen man auf dem einstigen Grund des Meeres vorbeispaziert. Eine frühe Unterart der heutigen Wale, um genau zu sein, die den Moment in der Evolution festhalten, an dem sie sich auf den Weg vom Land ins Wasser machten.
Um den Nassersee: Versetzte Tempel und antike Stätten
Der Bau des Assuan-Staudamms ließ das Wasser im Niltal steigen, weshalb ab 1959 mehrere antike Baudenkmäler abgetragen und an höher gelegenen Orten wieder errichtet wurden. Das berühmteste ist der Tempel von Abu Simbel, weit weniger bekannt und besucht sind die versetzten Anlagen von Philae auf der Insel Agilkia, Kalabsha, Amada sowie Tempel und Kultstätten des Wadi as-Subu („Tal der Löwen“), die heute an den Ufern des Nassersees liegen.