Heute ist das belgische Mechelen ein pulsierendes Zentrum für Kunst und Kultur, das immer wieder mit seinen verborgenen Meisterwerken überrascht. Erbe einer großen Vergangenheit, war doch einst Hauptstadt der Burgundischen Niederlande, geprägt von wichtigen Persönlichkeiten wie Margarete von Österreich, Kaiser Karl V. und Hieronymus van Busleyden.

Seinen Namen trägt das imposante Museum Hof van Busleyden, ein ehemaliger Stadtpalast aus dem 15. Jahrhundert. Inmitten der historischen Mauern läuft derzeit die Ausstellung „Eternal Spring“ – ein faszinierender Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Höhepunkt der Ausstellung sind die prächtigen Tapisserien des Kardinals Granvelle, die ein einzigartiges Bild von Renaissancegärten und idealisierten Landschaften vermitteln.

Schon der Ausstellungsraum selbst ist wie ein Garten: Die Wände in einem sanften Grünton tauchen die Besucher in eine Atmosphäre der Ruhe. Carlotta Striolo, die italienische Kunsthistorikerin und Gastkuratorin der Ausstellung, erklärt, dass nicht nur die Farben der Tapisserien, sondern auch die Wandgestaltung darauf abzielen, eine beruhigende und meditative Stimmung zu erzeugen. „Die Gärten auf diesen Teppichen haben keine realen Vorbilder, sondern sind Ideale – ein Paradies, das nie existierte, aber in den Köpfen der Menschen der Renaissance lebte“, erzählt sie leidenschaftlich. Tatsächlich sind diese Gärten eine poetische Mischung aus Pflanzen verschiedener Jahreszeiten, exotischen Vögeln und seltenen Tieren.

Das Erbe des Kardinals wieder vereint

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Die Tapisserien, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, wurden vom mächtigen Kardinal Antoine Perrenot de Granvelle beauftragt, der nicht nur als erster Erzbischof von Mechelen eine bedeutende Rolle in der Politik spielte, sondern auch als Kunstsammler und Förderer von Künstlern. Im Jahr 1564 ließ er eine Serie von Wandteppichen anfertigen, die Gärten als Symbol des Paradieses, der Fruchtbarkeit und des ewigen Frühlings zeigen.

Die Tapisserien sind ein Meisterwerk der Handwerkskunst – in feinstem Detail gewebt, mit lebendigen Farben und einer fast magischen Leuchtkraft, die bis heute erhalten geblieben ist. „Es ist erstaunlich, wie die Farben der Teppiche immer noch so intensiv sind“, sagt Striolo begeistert, während sie eine der Szenen zeigt, die den perfekten Garten darstellen. „Normalerweise verblassen die Farben bei solch alten Kunstwerken schnell, aber diese hier haben die Zeit überdauert.“

Das ursprüngliche Ensemble wurde nun nach vielen Jahrzehnten wieder zusammengeführt. Ein Teppich zeigt die „Schlacht von Runis 1565–66“ und befindet sich in der permanenten Ausstellung des Museums Hof van Busleyden. Die anderen Teppiche gelangten nach dem Tod Granvelles durch den Ankauf Rudolf II. schließlich in das Inventar des Kunsthistorischen Museums in Wien. In der Sonderausstellung kann man das Ensemble wieder vereint bestaunen– ein seltenes Erlebnis für Kunstliebhaber und Historiker. Der wahre Frühling ist eben nicht nur eine Jahreszeit, sondern ein Zustand des Geistes.