„Hinlegen oder hinsetzen?“, fragt der Sicherheitsmitarbeiter an der Startrampe. Eine kurze Entscheidung, ein schneller Blick in die Tiefe – und los geht die Fahrt auf der instagramtauglichen Zipline in El Nido auf den Philippinen. Die Seile verbinden den Norden der Insel Palawan mit einem unbewohnten, vorgelagerten und grün bewachsenem Felsen. Knapp 50 Sekunden dauert die 750 Meter lange Fahrt. Der atemberaubende Ausblick ist typisch für das asiatische Land, das in den letzten Monaten laufend mit schönen Bildern in diversen sozialen Netzwerken auffällt. Immerhin liefern über 7.000 Inseln eine Mischung aus tropischer Schönheit und kulturellem Reichtum. Dem gegenüber stehen allerdings bittere Armut, vom Verfall geprägter Stadtviertel, aber auch eine Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht.
Diesen Mix sieht man kaum wo besser als in Manila. Die Hauptstadt der Philippinen mit ihren 1,8 Millionen Einwohnern mag auf den ersten Blick chaotisch wirken, aber hinter dem Trubel verbirgt sich ein urbaner Raum voller Geschichte und Kultur. Wer hier landet, kommt an der Intramuros, der von massiven Steinmauern umgebenen historischen Altstadt, kaum vorbei. Im Umfeld befinden sich neben entzückenden kleinen Kaffeehäusern und einzelnen Touristenläden vor allem Wahrzeichen wie die San-Agustin-Kirche und das Fort Santiago, die Geschichten aus der spanischen Kolonialzeit von 1565 bis 1898 erzählen.
Ebenso bedeutend ist in diesem Zusammenhang das Nationalmuseum. Quasi ums Eck lädt der Rizal Park als grüne Oase inmitten der Stadt zum Verweilen ein. „Viele leben hier in Wellblechhütten, weil Taifune Jahr für Jahr großen Schaden anrichten“, erzählt ein Tuk-Tuk-Fahrer. Habseligkeiten haben daher keinen besonderen Wert. Die Familie, religiöse Feste und die Esskultur dafür umso mehr.
Die Philippinen – zwischen Luxusrestaurant und Straßenmärkten
Aber auch kulinarisch bietet Manila eine riesige Bandbreite – von luxuriösen Restaurants bis hin zu pulsierenden Straßenmärkten. Traditionell essen Einheimische vorwiegend Eintöpfe namens „Adobo“, meist mit Schweinefleisch oder Geflügel angereichert. Auch an den vielen Straßenküchen kann man gut und günstig satt werden – erfahrungsgemäß schmeckt es dort am besten, wo auch die Filipinos selbst Schlange stehen. Was immer geht: Fisch gibt es quasi überall, frisch und in allen Varianten – bei 36.289 Kilometern Küstenlänge auch kein Wunder. Wer es lustiger mag, dem sei ein Besuch in einer Karaoke-Bar empfohlen. Singen ist ein unverzichtbarer Bestandteil der philippinischen Kultur – das zeigen die Clubs quer über das ganze Land.
Von Manila aus lohnt sich ein Abstecher nach Cebu, einer der bedeutendsten Inseln des Landes. Cebu City ist vor allem für Gläubige von Relevanz: Hier findet sich sowohl die Basilica del Santo Niño als auch das Magellan’s Cross, Symbole der Ankunft des Christentums auf den Philippinen, wo heutzutage mehr als 80 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch sind. Außerhalb der Stadt locken unter anderem die Kawasan Falls mit ihren kristallklaren Wasserfällen die Besucher an – Canyoning und schwimmen ist hier je nach Jahreszeit möglich. Entspannt können auch die Strände von Moalboal sein, die aber in der Hauptsaison von Touristen gestürmt werden. Alternativ ist Bantayan Island mittels kurzer Überfahrt erreichbar – die weniger touristische Alternative bietet kilometerlange, weiße Sandstrände und eine entspannte Atmosphäre. Hier scheint die Zeit stillzustehen und Besucher können das authentische Inselleben genießen. Wer pulsierendes Leben sucht, ist hier aber definitiv falsch.
Kleinster Primat und große Chocolate Hills auf den Philippinen
Mehr Unternehmungen sind stattdessen weiter südöstlich möglich, auf Bohol, der „Insel voller Naturwunder“, wie es die Einheimischen nennen. Die weltberühmten Chocolate Hills, eine geologische Formation aus hunderten symmetrisch geformten Hügeln, verwandeln sich in der Trockenzeit in ein Schokoladenbraun, was ihnen ihren Namen verleiht. Als Tipp gilt die Quad-Fahrt über Teile des Areals, bei der die Kleidung in jedem Fall matschig wird.
Nicht weniger beeindruckend ist auch der kleinste Primat der Welt, der Koboldmaki. Diese scheuen, nachtaktiven Tiere können in speziellen Schutzgebieten wie dem Philippine Tarsier Sanctuary auf Bohol aus der Nähe beobachtet werden, wenngleich Reisende im entsprechenden Park doch sehr durchgeschleust werden. Ganz anders ist es hingegen bei den Reisterrassen Cadapdapan, wo geschulte Guides sich durchaus Zeit für die Gäste nehmen und individuelle Spaziergänge organisieren. Nur unweit davon warten die Can-umantad Wasserfälle, bei denen man auch schwimmen kann. Für Aktivurlauber bietet sich Panglao Island an – die Insel ist nur durch eine Brücke von Bohol getrennt. Die in weiten Strecken unberührten weißen Stränden wie Alona Beach sind Ausgangspunkt für Touren zum Schnorcheln und Tauchen. Auch Bootstouren werden angeboten, von den versprochenen Wal- und Delphinausflügen sollte man hingegen absehen – die Tiere werden nicht selten von Dutzenden motorisierten Booten voller Schaulustiger verfolgt.
Was die Unterwasserwelt angeht, ist aber ohnehin die Region Palawan noch spannender. Deren Hauptstadt Puerto Princesa bietet beim Subterranean-River-Nationalpark, ein Unesco-Weltkulturerbe, Bootsfahrten durch ein spektakuläres Höhlensystem an. Aufgrund ihrer Bekanntheit sind diese Touren aber regelmäßig überlaufen. Der wahre Star auf dieser Insel ist aber sowieso das eingangs erwähnte El Nido im Norden – ein Paradies für Strandliebhaber und Abenteurer. Die umgebenden Kalksteinfelsen, die aus dem türkisfarbenen Wasser ragen, schaffen eine dramatische Kulisse für Inselhopping-Touren.
Fliegen über und tauchen unter Wasser in El Nido
Bacuit Bay, mit seinen zahlreichen Lagunen und Korallenriffen, ist perfekt zum Schnorcheln und Tauchen. Kajakfahren durch die Big Lagoon oder Small Lagoon ist ein Highlight, das einen unvergesslichen Blick auf die Naturwunder dieser Region bietet. El Nido hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Reiseziel entwickelt, dennoch bewahrt es seinen Charme – obwohl nachts in manchen Bars durchaus laut gefeiert wird. Wer mehr Abenteuer sucht, kann in der Nähe von San Vicente surfen oder sich in Port Barton am ruhigen Strand erholen. Und nicht zu vergessen die empfehlenswerte Zipline. Dafür werden auf manchen Online-Plattformen Tickets von bis zu 170 Euro angeboten – vor Ort bezahlt man etwa ein Zehntel, die Wartezeiten sind nur gering.
Tipps wie diese kann man bei den Einheimischen erfragen: Die rund 118 Millionen Filipinos sind stolz auf ihre Kultur und teilen sie gerne mit Besuchern. Sie sprechen neben Tagalog und den regionalen Dialekten oft fließend Englisch, was die Kommunikation erleichtert. So empfehlen viele Einheimische das Flugzeug als Fortbewegungsmittel Nummer Eins, während Reisebücher oft die Überfahrt per Fähre nahelegen. Doch das dauert nicht selten 24 und mehr Stunden und ist geprägt von Umstiegen. Zudem blieben viele beschriebene Schiffverbindungen nach der Corona-Pandemie dauerhaft eingestellt. Auch wenn es nicht umweltfreundlich ist, hat das Land viele Flughäfen und ein dichtes Inlandsnetz an Flügen zu leistbaren Preisen.
Im Süden der Philippinen ist in Sachen Sicherheit Vorsicht geboten
Die Leistbarkeit ist für Filipinos besonders wichtig – sie leben oft in ärmsten Verhältnissen, nicht selten, weil Taifune regelmäßig über das Land hinwegfegen. Nicht zuletzt deshalb prägen Wellblechhütten das Bild auf sämtlichen Inseln. Die Einheimischen suchen Kraft und Rat im Familienzusammenhalt und in religiösen Traditionen, all das spielt eine zentrale Rolle im Leben der meisten Menschen. Trotz der einfachen Verhältnisse wird die Gastfreundschaft großgeschrieben: Wer in kleineren Unterkünften absteigt, wird auch gerne einmal zum Essen eingeladen – etwa auf ein „Lechon“ (Spanferkel), „Sinigang“ (eine saure Suppe) und die süßen Nachspeisen wie „Halo-Halo“ probieren. Einheimische Getränke wie der Zuckerrohr-Rum „Tanduay“ oder frisch gepresste Calamansi-Säfte runden das Erlebnis ab.
Doch trotz aller Faszination der Philippinen sollten sich Urlauber der Sicherheitslage bewusst sein. Das österreichische Außenministerium warnt weiterhin vor Reisen in bestimmte Gebiete der Philippinen, insbesondere auf der südlichsten Insel Mindanao samt der umliegenden Sulusee. Hier besteht ein hohes Sicherheitsrisiko. Die zentralen und nördlichen Regionen der Philippinen, darunter Luzon, Visayas und Palawan, gelten hingegen als sicher. Besonders touristische Orte wie Manila, Cebu, Bohol und El Nido werden gut bewacht.
Dort kann man Essen, Meer und Kultur also genießen. Doch ähnlich wie nach 50 Sekunden Zipline-Spaß besteht die Gefahr, dass die Zeit im Inselparadies im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug vergeht.