Es ist Liebe auf den ersten Blick. Die Unterkunft steht auf Stelzen im Hochlandwald rund um den Vulkan Kilauea auf Hawaiis Hauptinsel Big Island, umgeben von einem vielstimmigen Vogelkonzert, das am Abend zum „finale furioso“ anschwillt. In der „Eco Cabin“ auf 1300 Metern Seehöhe ist es kühl, unten an der Küste hat uns gerade noch die Hitze erschlagen.

Schotterpisten führen zur Chain of Craters Road. „Steam Points“, wo Wasserdampf und Gase aus Felsspalten strömen, zeugen davon, dass die Vulkane auf Hawaii aktiv sind. Rund 30 Kilometer schraubt sich die Straße bis zum Meer – hinter jeder Kurve eine neue, spektakuläre Aussicht über die Lavafelder, die am Fuße des Kilaueas jedes Leben erstickten.

Wir passieren gigantische Geröllfelder, die erst vor wenigen Jahrzehnten entstanden, durchschreiten den Thurston-Tunnel, den die Lava vor 500 Jahren gegraben hat, bestaunen die Pu‘uloa-Petroglyphen, in Stein geritzte Zeichnungen. Die Natur gewinnt immer: Dort, wo seit 1990 Lava die Straße überzieht, ist Schluss.

Schwarzer Strand, grüne Schildkröten

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Im Ort Vulcano gönnen wir uns zünftige Ripperl. Dort gibt es eines der wenigen Restaurants der Gegend, nebst der einzigen Tankstelle, und der Laden brummt. Mit vollem Bauch und Tank geht es Richtung Westküste. Strände und Schnorcheln sind angesagt, etwa in Punalu‘u. Mit uns schwimmen hawaiianische Grüne Meeresschildkröten, die sich dann im schwarzen Sand in der Sonne aalen, durch einen Zaun getrennt vom begeisterten Publikum.

Durch den Ursprung der hawaiianischen Kultur spazieren wir in Pu‘uhonua O Honaunau. Kämpferische „kiis“, hölzerne Götterbildnisse, bewachen den Hale o Keawe Heiau, einen Tempel, der einst die Gebeine von 23 „alii“ (Häuptlinge) beherbergte. Ein bis heute heiliger Ort. Oberhalb der Totems liegt die Kirche St. Benedict, die „Painted Church“ mit bemerkenswerten Malereien an Wänden und Decke.

Kaffee und Krater

Nebelwald ist typisch für Hawaiis Hinterland. Dort ist es ständig feucht – ideal für den Anbau von Kaffee. Die Führung durch die Mountain Thunder Coffee Farm ist gratis, was sich für den Betreiber durchaus lohnt: Wir stopfen die Lücken in den Koffern mit „Peaberry Coffee“ aus Früchten mit nur einer Bohne, vorzugsweise als „Wiener Röstung“ mit schokoladigem Geschmack.

Eine Überraschung wartet auf dem Weg nach Hilo: Die hervorragend ausgebaute Straße schraubt sich hoch und höher, bis die Nadel des Höhenmessers die 2000er-Marke überschreitet. Zum aktiven Vulkan Mauna Kea führt quasi eine Autobahn. Sogar bis zum Gipfel des höchsten Berges der Insel, auf gut 4200 Meter ist die Route asphaltiert. Der dritte und mächtigste Vulkan von Big Island, der Mauna Loa, lässt sich besser mit einer Wanderung erschließen.

Aloha, Honolulu

Vom Flugzeug aus entbieten wir Hilo einen letzten Gruß und landen kurz darauf in Honolulu auf der Insel O‘ahu. Das „White Sands“ in Waikiki ist als eines der ganz wenigen Hotels aus den 1960ern übriggeblieben. Zwischen Hochhäusern und Bettenburgen ein zweistöckiger Bau mit Pool und Bar im Innenhof. Es ist 17 Uhr und wir sind nicht die einzigen, die die „Happy Hour“ für einen Drink nutzen.

„Aloha!“, tönt es von der Bühne, die Tänzerinnen verschwinden unter Blumenketten. Wir bummeln den Strand von Waikiki entlang. Der Vollmond taucht das Meer in schimmerndes Licht, die LED im Park des Royal Hawaiian Hotels lassen die Bäume in Paradiesfarben leuchten.

Hier begegnen wir zum ersten Mal der Blütenpracht, die wir von Bildern kennen. Der gelbe Hibiskus ist die Nationalblume der Insel, doch die Frangipani, auch Plumeria genannt, heißt willkommen, geflochten zu Kränzen von reinem Weiß über Rosa bis zu Gelb oder feurigem Rot. Sie verkörpert den Geist von Aloha: Liebe, Freundlichkeit und Respekt.

Man spürt auch das Lebensgefühl der Surfer. Duke Kahanamoku lässt als Statue grüßen: Der hawaiianische Olympiasieger im Schwimmen machte das Surfen populär, später war er fast 30 Jahre lang Sheriff von Honolulu.

Botanik und Betroffenheit

Rund eine Stunde entfernt bildet der Koko Crater die Kulisse für einen botanischen Garten, in dem Blumen und Bäume einander in Farbe und Form überbieten. Es ist ein erholsamer Spaziergang im Krater des erloschenen Vulkans, der vorbereitet auf den Besuch in Pearl Harbor. Kurz zuvor waren wir in Hiroshima. Japan ist nicht nur geografisch nahe, was den wechselseitigen Tourismus befeuert, das Land der aufgehenden Sonne ist Hawaii mehr verbunden, als man ahnt. Die Schrecken des Krieges haben die ehemaligen Erzfeinde zueinander geführt. Dies- und jenseits des Pazifiks wird an einer Mauer der Erinnerung gebaut, als Schutz vor einer Wiederholung der Geschichte.

Das Besucherzentrum in Pearl Harbor inszeniert das Aufschaukeln der Gewalt auf beiden Seiten, ein Schicksal, aus dem es kein Entrinnen gab. Die Fahrt hinaus zur USS Arizona, einem der zahlreichen versenkten Schiffe im Hafen der Pazifikflotte, ist dem Gedenken an die Opfer des japanischen Angriffs am 7. Dezember 1941 gewidmet. 1945 traf die grausame Revanche die Menschen in Hiroshima und Nagasaki.

Die 12-jährige Akihito hatte die Atombombe überlebt und später, einer Tradition folgend, eintausend Kraniche gefaltet, um mithilfe der Götter den Krebs zu besiegen. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllte, doch ihre Kraniche sind zum Symbol für den Frieden geworden, auch in Pearl Harbor.