Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Erste WöschmeisterschaftÜber die Renaissance des Welschrieslings

Zwei Tage lang drehte sich bei der „Wöschmeisterschaft“ am Weingut Maitz in Ratsch an der Weinstraße alles um eine einzige Rebsorte – den Welschriesling. Kurz und knackig „Wösch“. Gleich vorweg: Der Jausenwein der Steirer kann mehr, als sich an die Brettljause schmiegen. Viel mehr.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Imagepolitur für den Welschriesling © Birgit Pichler
 

Bei der „Wöschmeisterschaft“ am Weingut Maitz in Ratsch wurden 240 Weine von einer heimischen und internationalen Sommelierelite verkostet. Über die Vielschichtigkeit des Welschrieslings - vom Klassiker über Riedenweine, Orange und Nouvelle Wösch bis zur Prädikatsstufe - geriet die Jury ins Schwärmen.

Verkostet wurden Welschrieslinge in den Kategorien Klassik, Riede, Prädikate, Nouvelle Wösch und Naturweine/Orange & Amphore. 66 Weine traten im Finale an um Wöschmeister zu werden. Die wichtigsten Antworten zu Österreichs zweithäufigster Rebsorte und die Siegerweingüter.

Warum ist die Zeit reif für eine Imagekorrektur des Welschrieslings?

ANDREAS WICKHOFF: Die Rebsorte kann heute in verschiedenen Stilistiken gespielt werden. Knochentrocken - so wie wir Steirer mit dem Welschriesling aufgewachsen sind -, aber auch in der neuen Richtung Nouvelle Wösch mit mehr Maischestandzeit oder eben als Prädikatswein. Diese Vielseitigkeit wird gelebt. Wenn jemand mit Welsch aufgewachsen ist, macht das heute viel Spaß.

Die Juroren

Bei der Wöschmeisterschaft am 28. Juni 2021 verkosteten unter anderem die Master of Wine Andreas Wickhoff und Thomas Curtius, Master Sommelier Alexander Koblinger (Döllerer’s Weinhandelshaus), Willi Balanjuk, Marco Franzelin (3* Schloss Schauenstein), Petra Bader (Gault Millau), Harald Scholl (Vinum), Risto Rieger (Weinhandlung Walter & Benjamin in München) und weiteren Top-Verkoster unter der Leitung von Gerhard Retter, Mastermind der Wöschmeisterschaft, sowie Gastgeber René Kollegger und Organisatorin Claudia Genner-Schauer. 

GERHARD RETTER: Er ist der Brot-und-Butter-Wein der Steiermark, aber es hat sich schon in den letzten Jahren abgezeichnet, dass aus dieser Rebsorte Weine produziert werden können, die zu den großen Weinen der Welt gehören. Er hat sich lange Zeit unter Wert geschlagen, nur in die Jung-frisch-zisch-und-weg-Kategorie gestellt. Global gesehen suchen Weinkenner nach autochtonen Rebsorten, weil sie von Chardonnay, Cabernet, Merlot und Co. gesättigt sind.

TOP 10 Kategorie Klassik

1. Weingut Pfeifer (St.Anna/Aigen): Welschriesling 2020
2. Weingut Kleinhöfleinerhof (Eisenstadt): „Mein Welschriesling“ 2020
3.Weingut Oberer Germuth (Glanz/Weinstraße): Welschriesling 2020
4. Weingut Hareter Dieter & Yvonne (Weiden/See): Welschriesling 2020
5. Weingut Platzer (Tieschen): Welschriesling 2020
6. Weingut Tallian (Rechnitz): Welschriesling 2020
7. Weingut Auer (Höflein): Welschriesling 2020
8. Weingut Zöchmann (Sitzendorf): Welschriesling 2020
9. Weingut Mandl-Brunner (Rechnitz): Welschriesling 2020
10. Weingut Gollenz (Tieschen): Welschriesling 2020

Mit dem Welschriesling kann man Kunden – sei es als Weinhändler oder Gastgeber - noch überraschen. Wenn, dann kennen sie es als Hochprädikat, als Süßwein, aber wie wir ihn im Rahmen der Wöschmeisterschaft probiert haben – etwa in der Kategorie Nouvelle Wösch – ist dieser Wein gerade einmal vor zehn Jahren auf die Bühne gekommen. Jetzt stellt sich heraus, dass daraus außergewöhnliche Weine entstehen.

Es waren also keine übrig gebliebenen Zufallsfunde, die auf die Spur des „Wösch“ geführt haben, es wurde von den Winzern bewusst darauf hin gearbeitet …?

RETTER: Absolut, einer der Siegerweine kommt von 60 Jahre alten Rebstöcken…

Sieger der Kategorie Riede: Stefan Krispel Foto © Weingut Krispel

Top 10 Kategorie Riede

1. Weingut Krispel (Straden): Welschriesling Ried Stradner Rosenberg 2018
2. Weingut Stubits (Kohfidisch): Welschriesling Ried Csaterberg 2017
3. Weingut Hirschmugl (Leibnitz): Welschriesling Ried Wiesberg 2017
Weingut Wolfgang Maitz (Ratsch/Weinstraße): Welschriesling Ried Sulz 2018
4. Weingut Kögl (Ratsch/Weinstraße): Welschriesling Ried Stermetzberg 2019
5. Weingut Polz (Spielfeld): Welschriesling Ried Hochgrassnitzberg 2019
6. Weingut Tement (Berghausen): Welschriesling Ried Ottenberg Veithansl 2018
7. Hammer Wein (Rust): Welschriesling Ried Vogelsang 2019
8. Weingut Weinwurm (Dobermannsdorf): Welschriesling Ried Schilling 2020
9. Weingut Regele (Ehrenhausen): Welschriesling Ried Zoppelberg 2019
10. Weingut Kodolitsch (Leibnitz): Welschriesling Ried Rosengarten „Alte Reben“ 2018
Kategorie

Eine schnelle „Wösch“-Charakteristik?

RETTER: Der Welschriesling springt im Vergleich zum Muskateller oder Sauvignon nicht aus dem Glas - im Duft, er muss am Gaumen liefern. Er ist eigentlich ein untypischer Österreicher – er ist kein Blender. Auf unserer Urkunde haben wir deshalb vermerkt: Es lohnt ein zweiter Blick, denn bei näherer Betrachtung ist das vermeintlich kleine doch ganz groß.

Sieger der Kategorie Nouvelle Wösch: Uwe Schiefer Foto © (c) ANDREAS DURST

Top 10 Kategorie Nouvelle Wösch

1. Uwe Schiefer & Domaines Kilger (Großpetersdorf): Welschriesling “weisser schiefer“ 2018
2. Weingut Thomas Straka (Rechnitz): Welschriesling Prantner „Straka“ 2018
3. Weingut Trummer (Spielfeld): Welschriesling „Alte Reben“ 2017
4. Weingut Sattlerhof (Gamlitz): Welschriesling „Alte Rebstöcke“ 2019
5. Weingut LacknerTinnacher (Gamlitz): Welschriesling „Franz Lackner“ 2019
Weingut Velich (Apetlon): Welschriesling „Alte Reben“ 2019
6. Weingut Tement (Berghausen): Welschriesling „Weinstock Alte Reben“ 2018
7. Weingut Hans Gsellmann (Gols): Welschriesling 2020
8. Weingut Weninger (Horitschon): Welschriesling „Saybritz“ 2018
9. Weingut Schauer (Kitzeck): Welschriesling 2019
10. Kolfok (Neckenmarkt): Welschriesling „Nolens Volens“ 2018

Ist heute alles besser als damals?

WICKHOFF: Das würde ich nicht sagen - wir suchen ja gerade nach dieser Frische, Würzigkeit, nach herbalen Komponente. Aber neben der Klassik auch zu sagen: Das kann Welschriesling in einer gewissen Reife, dieses Harmonische, Eingebundene, ihn nicht nur als Jausenwein samt Abstufungen zu bringen. Was Welschriesling von einer Riede in einer Rundheit, Komplexität, Vielschichtigkeit kann, ist fantastisch. Es ist immer etwas Vibrierendes, Brilliantes, Lebendiges in ihm. Der Welschriesling kann das, ohne dass er überbordend, prätentiös ist.

Gewinner der Kategorie Orange: Michi Lorenz Foto © (c) APRESVINO.AT

Top 5 Kategorie Orange

1. Weingut Michi Lorenz (Kitzeck): Welschriesling „Revoluzza“ 2017
2. Weingut Silberberg (Leibnitz): Welschriesling „Natural“ 2020
3. Weingut Harkamp (Flamberg): Welschriesling „Orange Nr. 2“ 2018
4. Weingut Michi Lorenz (Kitzeck): Welschriesling „Revoluzza“ 2018
5. Katrin Lautner (Jois): Welschriesling „Wilde Karotte“ 2020

ALEX KOBLINGER: Es ist schwierig genug für einen selbst zu definieren: Was ist meine Vorstellung von einem Welschriesling? Da sehen wir erst, wie weit wir von dieser Rebsorte weg sind. Der Welschriesling ist die am Zweithäufigsten angebaute Rebsorte und wir hatten bislang viel zu wenig mit ihm zu tun.

RETTER: Ein Punkt noch - ich denke, der Welschriesling wird ein Gewinner der Klimaerwärmung sein.

Wer hat bei der Wöschmeisterschaft gewonnen?

RENÉ KOLLEGGER: Es gibt einen klaren Sieger – die Rebsorte Welschriesling. Vor zehn Jahren hat das noch niemanden interessiert und jetzt sitzt hier diese hochkarätige Runde und ist überglücklich, dass sie Welschriesling in der Qualität verkosten kann. Einen Imagewandel kann man nur herbeiführen, wenn der Winzer mitspielt. Es waren unter den 260 Einreichungen viele Weine von jungen, motivierten Winzern aus der Steiermark, dem Burgenland und Niederösterreich dabei, die das großartig machen.

Sieger der Kategorie Prädikat: Gerhard Kracher Foto © Weingut Kracher

Top 10 Kategorie Prädikat

1.Weingut Kracher (Illmitz): Welschriesling „Zwischen den Seen No.8“ 2018
2. Weingut Feiler-Artinger (Rust): Welschriesling „Ruster Ausbruch Essenz“ 2016
3. Weingut Kollerhof-Lieleg (Eichberg): Welschriesling Trockenbeerenauslese 2018
Weingut Trabos (Gamlitz): Welschriesling Trockenbeerenauslese 2017
Weingut Bauer – die Weinfamilie (Illmitz): Welschriesling Trockenbeerenauslese 2017
4. Hammer Wein (Rust): Welschriesling Trockenbeerenauslese 2007
5. Weingut Tschermonegg (Glanz/Weinstraße): Welschriesling Eiswein 2018
6. Weingut Schauer (Kitzeck): Welschriesling Trockenbeerenauslese 2017
Weingut Sternat-Lenz (Leutschach): Welschriesling Trockenbeerenauslese 2017
7. Weingut Frauwallner (Straden): Welschriesling „Essenz Felix“ Eiswein 2008
8. Weingut Haider (Illmitz): Welschriesling Trockenbeerenauslese 2017
9. Weingut LacknerTinnacher (Gamlitz): Welschriesling Trockenbeerenauslese 2009

 

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!
Kommentieren