Kärnten gehört kulinarisch zu den kleineren Sternenlandschaften Österreichs. Gerade einmal vier Restaurants tragen derzeit einen Michelin-Stern: das „Gourmetrestaurant Hubert Wallner“ am Wörthersee, „Die Forelle“ am Weißensee, das „Restaurant Moritz“ in Grafenstein und das „Rouge Noir“ ebenfalls am Weißensee. Zwei der vier Sterne liegen damit ausgerechnet an Kärntens höchstgelegenem Badesee – eine bemerkenswerte Entwicklung für eine Region, die lange eher für Sommerfrische und Fischküche stand als für internationale Gourmetreisen.
Doch ein Stern allein ist noch keine Erfolgsgarantie. Entscheidend ist, ob er Gäste bringt – und ob er die Aufmerksamkeit über die Landesgrenzen hinaus steigert. Genau hier sehen viele Köche den größten Effekt. „Wir haben dadurch mehr Gäste aus Italien und Slowenien bekommen“, sagt Hubert Wallner vom Gourmetrestaurant Hubert Wallner am Wörthersee. Der Stern wirkt für internationale Gäste wie ein universelles Gütesiegel, das sofort verstanden wird – unabhängig davon, ob jemand mit Hauben oder nationalen Restaurantführern vertraut ist.
Auch Roman Pichler vom Restaurant Moritz in Grafenstein bestätigt diese Wirkung. „Uns hat Michelin schon etwas gebracht, die internationale Sichtbarkeit ist größer und deswegen finden auch viele Gäste aus den Nachbarländern zu uns.“ Für ein Bundesland, das touristisch stark von Gästen aus Italien, Slowenien und Kroatien geprägt ist, kann genau dieser Effekt entscheidend sein.
Dass der Stern vor allem Sichtbarkeit schafft, betont auch Stefan Glantschnig vom Rouge Noir am Weißensee. „Das Größte, was der Stern für mich gebracht hat, war die Sichtbarkeit. Die Sichtbarkeit, in Österreich vorne mitzuwirken, Also das war definitiv das, was er am meisten gebracht hat.“ Auch wirtschaftlich macht sich die Auszeichnung bemerkbar: „Natürlich: Reservierungszahlen im Sommer waren sehr, sehr gut. Im Winter etwas weniger, aber wir hoffen ja auf den 18. März.“ Da wird in diesem Jahr der kulinarische Sterneregen in Österreich verkündet.
Für viele Köche ist die Auszeichnung aber nicht nur ein Marketinginstrument, sondern auch eine Bestätigung der eigenen Arbeit. Hannes Müller von der Forelle am Weißensee sieht den Stern vor allem als Anerkennung für einen langfristigen Weg: „Die Auszeichnung ist eine Bestätigung für den eingeschlagenen Weg und die Philosophie.“ Besonders wichtig sei ihm dabei auch die Rolle der regionalen Produzenten und Landwirte, deren Produkte die Grundlage seiner Küche bilden. Der Reservierungseffekt war durch den Stern laut Müller nicht merklich höher, nur einige weitere internationale Gäste seien dadurch dazugekommen.
All diese Stimmen zeigen: Der Michelin-Stern kann wirken. Aufmerksamkeit bringen, internationale Gäste und ein Stück Prestige. Doch die große Frage bleibt, ob dieser Effekt groß genug ist, um die hohen Investitionen zu rechtfertigen, mit denen Österreich den Guide zurückgeholt hat. Denn hinter der Rückkehr des Michelin steht ein ungewöhnliches Tourismusprojekt. Bund, Österreich Werbung und die Bundesländer haben gemeinsam viel Geld in die Hand genommen, um den Guide nach 15 Jahren Pause wieder ins Land zu holen. Die Hoffnung: mehr internationale Wahrnehmung, mehr kulinarischer Tourismus, mehr hochwertige Gäste.
Dass sich der gewünschte Effekt vor allem in ländlicheren Regionen bis dato selten einstellt, erzählen Sterneköche aus der Steiermark. Stefan Eder von „Der Wilde Eder“ in St. Kathrein am Offenegg sagt offen, dass sich der Stern bisher nur begrenzt ausgewirkt hat. „Weil wir fast nur Österreicher bei uns zu Gast haben. Ein paar ausländische Gäste sind dazugekommen.“ Wirklich stark spürbar werde der internationale Effekt eher in den Städten.
Manche Antworten fallen noch nüchterner aus. Harald Irka bringt es auf seine eigene, sehr direkte Art auf den Punkt: „Die Wahrheit ist: Unserem Betrieb hat es gar nichts gebracht.“ Andere wiederum sprechen von einem spürbaren Aufschwung, auch wenn es noch Potenzial gäbe. „Persönlich ist der Stern natürlich das Höchste in meiner Laufbahn“, sagt Markus Rath aus Leibnitz. „Beruflich war der Aufschwung spürbar, aber es gibt noch Luft nach oben.“
Ein Jahr nach der Premiere lässt sich zumindest festhalten, dass der Guide wieder Gesprächsstoff liefert – in der Branche ebenso wie in den Regionen. Gerade für kleinere kulinarische Destinationen wie Kärnten kann ein Stern eine enorme Strahlkraft entfalten. Gleichzeitig bleibt die Szene überschaubar, und der Wettbewerb innerhalb Österreichs wächst. Nun richtet sich der Blick bereits auf die nächste Entscheidung. Die neue Bewertung steht unmittelbar bevor. Ein großes Michelin-Event ist in Schladming geplant, doch dort wird nichts mehr verkündet – die Ergebnisse werden diesmal schon vorab am 18. März kommuniziert.
Für Kärntens vier Sterneköche bedeutet das vor allem eines: Warten. Bleiben die Sterne, kommt vielleicht einer dazu oder wird der Himmel über dem Süden Österreichs wieder ein wenig heller? Die Antwort darauf könnte auch zeigen, ob sich das große kulinarische Experiment für Österreich wirklich auszahlt.