Alkohol Trinke ich schon zu viel?

Die Grenzwerte für das risikoarme Trinken sind ins Wanken geraten. Woran man sich im Alltag orientieren sollte.

Trinke ich zu viel?
Trinke ich zu viel? © Hans-Jrg Nisch - Fotolia
 

In einem Land, in dem so gut wie kein gesellschaftlicher Anlass ohne Alkoholbegleitung abläuft; in einem Land, in dem man komische Blicke erntet und sich rechtfertigen muss, wenn man nicht trinkt; in einem Land, in dem mit 12,3 Liter Reinalkohol pro Kopf und Jahr weit mehr getrunken wird als im OECD-Durchschnitt (9 Liter), sorgt eine solche Studie natürlich für Aufsehen: Die bisherigen Grenzwerte (siehe unten) für den „verträglichen“ Alkoholkonsum sind zu hoch, sie sollten gesenkt werden auf 100 Gramm Alkohol oder sieben Gläser Wein oder vier große Bier pro Woche.

 

Die Studie, die im Topjournal „The Lancet“ veröffentlicht wurde, zeigte: Wer mehr als die 100 Gramm Alkohol pro Woche zu sich nimmt, verkürzt seine Lebenserwartung. Mit 350 Gramm Alkohol pro Woche, das entspricht zwei großen Bieren pro Tag, lebt man schon vier bis fünf Jahre kürzer, statistisch betrachtet. „Wer den Alkoholkonsum reduziert, kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gering halten“, sagt dazu Stefan Kiechl von der Med Uni Innsbruck, der maßgeblich an der Studie beteiligt war.

Die Botschaft der Forscher ist: Wer weniger Alkohol trinkt, lebt länger. Doch was bedeutet das jetzt für das tägliche Leben - und für das „gesunde Achterl“, das ja gerne propagiert wird?

Absage an gesundes Achterl

„Es gibt keine Menge Alkohol, die gesundheitsfördernd wäre“, betont Lisa Brunner, die in Wien das Institut für Suchtprävention leitet. Auch Sandra Holasek, Pathophysiologin an der Med Uni Graz, sagt: „Alkohol ist ein starkes Zellgift, der tägliche Konsum birgt eine große Gefahr, abhängig zu werden.“

Holasek unterstreicht, dass die bisherigen Grenzwerte so gelesen werden müssten: Von 0 bis 10 (Frauen) bzw. 20 Gramm Alkohol (Männer) pro Tag spricht man von „risikoarmem“ Konsum. „Am besten ist es natürlich, keinen Alkohol zu trinken, vor allem nicht täglich“, erklärt Holasek. Für Brunner geben die bisherigen Richtwerte eine gute Orientierung - aber: „Diese Grenzmengen gelten nur für organische Folgeerkrankungen, sagen aber nichts über die Suchtgefahr aus.“

Alkoholkranke leben im Durchschnitt 17 Jahre kürzer, abhängige Frauen sogar 20 Jahre.

Sandra Holasek, Ernährungsexpertin

17 Jahre weniger Lebenszeit

Laut dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger sind in Österreich 5 von 100 Menschen alkoholkrank. „Alkoholkranke leben im Durchschnitt 17 Jahre kürzer, abhängige Frauen sogar 20 Jahre“, zeigt Holasek auf. Aus dieser Perspektive sei eine einfache Regel, dass „zumindest zwei Tage pro Woche alkoholfrei sein sollten“, sagt Brunner.

Man sollte sich auch die Frage stellen: Weshalb trinke ich regelmäßig? Kann ich für eine Woche auf das „Feierabendbier“ oder das Glas Wein verzichten, ohne dass es mir Probleme macht? „Wenn die Antwort Nein ist, dann sollte man sich an eine Beratungsstelle wenden“, rät Brunner.

Eine Empfehlung für den täglichen Konsum von Alkohol hat es nie gegeben und wird es nie geben.

Sandra Holasek, Ernährungsexpertin

Ist das gesunde Achterl also abgeschafft? „Bei einem ansonsten gesunden Lebensstil spricht nichts gegen ein Glas Wein“, sagt Holasek. Aber: Mit Gemüse- oder Obstsäften könnte man die positiven Aspekte des Weins - nämlich die enthaltenen Pflanzenstoffe - auf effizientere und alkoholfreie Art zuführen.

„Eine Empfehlung für den täglichen Konsum von Alkohol hat es nie gegeben und wird es nie geben“, unterstreicht sie. Für Brunner ist der „verantwortungsvolle Konsum“ zentral: Wie viel trinke ich bei gesellschaftlichen Anlässen? Habe ich den Konsum unter Kontrolle? Und kann ich längere Perioden einhalten, in denen ich nicht trinke? „Denn alkoholkrank sind nicht nur die anderen“, sagt Brunner. „Alkoholkrank kann jeder werden.“

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Danke für Ihr Verständnis.

helmutmayr
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Umkerschluß

Mehr saufen und wir sparen uns eine Pensionsreform.🤣

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bt33
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Leider nein!

Ein wesentlicher der Altersarbeitslosigkeit hat alkoholbedingte Gründe. Alkoholiker sind einfach nicht in der Lage, voll zu arbeiten und snd daher oft und so lange arbeitslos, bis sie irgendwann gesundheitsbedingt in vorzeitig in Pension gehen können. Das, was Alkoholiker weniger an Pension beanspruchen, zahlen sie daher eh vorher zu wenig ein...

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