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Zu süß, zu fettig, unnötig So verderben Kinderlebensmittel den Geschmack

Experten fällen ein fatales Urteil: Kinder brauchen keine Kinderlebensmittel. Die meisten sind zu süß, zu fettig und völlig unnötig.

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Angebote locken im Supermarkt © Petr Bonek - stock.adobe.com
 

Und wieder einmal haben sogenannte Kinderlebensmittel ein schlechtes Zeugnis ausgestellt bekommen. Der Test der AK Oberösterreich zeigte, dass Getränke, die gezielt für Kinder beworben werden, großteils Zuckerbomben sind und außerdem Zusatzstoffe wie Aromen oder unnötige Vitaminbeigaben enthalten.

Es ist bei Weitem nicht das erste verheerende Testurteil, das Ernährungsexperten über Kinderlebensmittel fällen: Die deutsche Verbraucherzentrale hatte 1514 Kinderlebensmittel untersucht und war zum Ergebnis gekommen, dass es sich dabei fast ausschließlich um Süßigkeiten und ungesunde, weil zu süße oder zu fettige Snacks handelt. Und: Ein „Marktcheck“ von Frühstücksflocken für Kinder, durchgeführt von Foodwatch, zeigte: In jeder zweiten Packung stecken mindestens 30 Prozent Zucker. „Frühstücksflocken für Kinder sind in der Regel schlicht Süßigkeiten mit Müsli-Anstrich“, sagte Oliver Huizinga, Ernährungsexperte bei Foodwatch.

Frühstücksflocken für Kinder sind in der Regel schlicht Süßigkeiten mit Müsli-Anstrich.

Oliver Huizinga, Foodwatch

Doch wovon sprechen wir eigentlich, wenn es um Kinderlebensmittel geht? „Eine rechtliche Definition gibt es nicht“, sagt Natalie Walter, Ernährungsexpertin von Styria vitalis. Typisch für diese Produkte sei: Die Aufmachung spricht Kinder an, durch Comicfiguren auf der Verpackung oder durch Beigabe von Geschenken wie Stickern. Oft taucht das Wort „Kinder“ oder „Kids“ im Namen auf, die Portionen sind meist kindgerecht klein - der Preis ist aber verhältnismäßig teuer.

Fertig gekaufte Milchprodukte zum Löffeln („Kinderjoghurts“) enthalten meist Zusatzstoffe und viel zugesetzten Zucker Foto © New Africa - stock.adobe.com

Joghurts zum Löffeln, süße Schnitten

Typische Produkte sind Joghurts zum Löffeln, Getränke, „Zwischenmahlzeiten“ in Form von Schnitten oder Riegeln, süßes Gebäck, aber auch Wurst oder Käse, die speziell für Kinder geformt werden. Was all die bisherigen Tests gezeigt haben: Die Produkte enthalten meist zu viel Zucker, zu viel Fett, und davon die ungesunden gesättigten Fettsäuren. „Auch Palmöl ist oft in Kinderlebensmitteln zu finden“, sagt Walter.

Mit Slogans wie „eine Extraportion Milch“ oder „Naschen und Vitamine“ werde suggeriert, dass diese Produkte speziell auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten seien. „Eltern glauben, diese Lebensmittel sind an die Ernährungsbedürfnisse von Kindern angepasst, doch das ist falsch“, sagt Martina Steiner, Ernährungsexpertin beim Gesundheitsfonds Steiermark.

Auch gibt es keine gesetzliche Regelung für diese Produkte - diese existiert nur für Lebensmittel für Kinder von null bis drei Jahren: Säuglings- und Folgenahrung muss speziellen Vorgaben entsprechen. Alle anderen Lebensmittel, die sich an Kinder richten, müssen keine solchen Auflagen erfüllen. „Ab dem Alter von einem Jahr sollten Kinder ohnehin am Familientisch mitessen“, sagt Walter. „Sie brauchen keine speziellen Lebensmittel.“

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Farbstoffe und Aromen zugesetzt

Für den gesunden Anstrich werden Getränken oder Süßigkeiten mit Mineralstoffen oder Vitaminen angereichert - das aber meist völlig wahllos. „Es werden Vitamine zugesetzt, an denen es Kindern ohnehin nicht mangelt“, sagt Walter.

Was außerdem zugesetzt wird: Farbstoffe und Aromen, um Kinderaugen und -gaumen anzusprechen. Für die Entwicklung des kindlichen Geschmackssinns kann das fatal sein, sagen die Expertinnen: „Unser Essverhalten wird in der Kindheit geprägt.“ Isst man in dieser Zeit zu süß, zu fettig und übertrieben aromatisiert, ist der Geschmack natürlicher Lebensmittel oft nicht mehr genug - und die Ernährungsvorlieben für zu süßes, zu fettiges Essen im späteren Leben sind vorprogrammiert.

Übergewicht wächst sich nicht aus, dicke Kinder werden oftmals auch zu dicken Erwachsenen.

Martina Steiner, Ernährungsexpertin

„Die Industrie will Kinder so früh wie möglich auf ungesundes Junkfood programmieren“, sagt Anne Markwardt von Foodwatch.
Es gibt auch unmittelbare Folgen: In Österreich sind schon 25 bis 30 Prozent der achtjährigen Mädchen und Buben übergewichtig, sagt Steiner: „Übergewicht wächst sich nicht aus, dicke Kinder werden oftmals auch zu dicken Erwachsenen.“ Viele Gesundheitsprobleme von Erwachsenen haben ihren Ursprung in der falschen Ernährung in der Kindheit.

Wie Süßigkeiten behandeln

Wie sollten Eltern nun mit diesen Produkten umgehen, die so verlockend im Supermarkt angeboten werden? „Völlig verbieten ist nicht der richtige Weg, dadurch werden die Dinge erst interessant“, sagt Walter. Stattdessen sollte man solche Kinderlebensmittel wie Süßigkeiten betrachten, die es nur selten gibt - nicht täglich!

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