Zu Beginn der Pandemie war vieles neu, zahlreiche Dinge mussten zum ersten Mal erdacht, entwickelt und umgesetzt werden. Wer hätte sich gedacht, dass binnen Tagen ein ganzes Land via Lockdown heruntergefahren werden kann? Als dann der erste pandemische Sommer aufzog, dachte man, die Sache ist erledigt. Nur um im Herbst ein böses Erwachen zu erleben. Im zweiten Jahr war es ähnlich, auch Delta überraschte vor allem die verantwortliche Regierung. Ein drittes Mal solle dies bitte nicht passieren, mahnt nun zu Beginn der warmen Jahreszeit Walter Hasibeder, der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin. Es sei wichtig, nun die Lehren zu ziehen, "die wir aus dem bisherigen Pandemieverlauf mittelfristig für die Zukunft ziehen können", sagt der Intensivmediziner, der im St. Vinzenz Krankenhaus in Zams, Tirol tätig ist. 

Aktuell würde sich die Lage erstmals seit acht Monaten auch auf den Intensivstationen Österreichs wieder beruhigen. Am Montag waren laut Ages 88 Personen "auf Intensiv" zu betreuen. Das sei zwar kein Grund, das Ende der Pandemie auszurufen – zu unberechenbar ist der weitere Verlauf auch angesichts weiterer möglicher Virenmutationen. Aber die aktuelle Entwicklung stelle "doch eine enorme Erleichterung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Spitälern" dar, so Hasibeder.

Es braucht mehr Intensivpersonal

Diese Atempause müsse unbedingt für Vorbereitungen für den Herbst genutzt werden. Aus Sicht der ÖGARI sei es hier unbedingt notwendig, vorhandene Strukturen, wie zum Beispiel Aufwachräume und Intermediate Care Einheiten (IMCU), personell und teilweise auch apparativ besser auszustatten. Intensivbetten können nur vollumfänglich genutzt werden, wenn ausreichend spezialisiertes Personal vorhanden ist.

Walter Hasibeder
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Doch nach über zwei Jahren Pandemie und auch schon zuvor einer stetigen Fluktuation ist die Personalsituation angespannt. "Wir haben schon jetzt Engpässe bei der spezialisierten Fachpflege und es drohen in einer ganzen Reihe von Häusern ebensolche bei Fachärztinnen und Fachärzten, wenn wir nicht rasch und konsequent gegensteuern." Es brauche eine angemessene Entschädigung für Höchstbelastungen oder auch neue Finanzierungsmodelle für die Pflegeausbildung.