Immer mehr Daten werden zur erst vor kurzem entdeckten Omikron-Variante des Coronavirus veröffentlicht. Und es verfestigt sich der Eindruck, dass diese die Immunantwort teilweise umgeht. So zeigt eine neue britische Studie, dass eine zweifache Covid-19-Impfung nicht genügend neutralisierende Antikörper gegen die Omikron-Variante erzeugt. Wissenschafter der Universität Oxford kamen zu diesem Schluss nach Labortests mit Blutproben von Geimpften, die die Vakzine von AstraZeneca oder BioNTech/Pfizer erhielten. Es gebe aber noch keine Hinweise, dass die niedrigeren Antikörperspiegel bei Omikron zu einem höheren Risiko für schwere Erkrankungen oder Todesfälle führen.

"Das sind wichtige Daten, sie zeigen aber nur einen Teil des Bildes. Sie betrachten nur neutralisierende Antikörper nach der zweiten Dosis, sagen uns aber nichts über die zelluläre Immunität, und die wird auch getestet", sagte der Impfstoff-Wissenschaftler Matthew Snape, einer der Autoren der am Montag präsentierten Studie, die noch nicht von unabhängigen Experten überprüft wurde.

Einer Studie des Biozentrums Basel zufolge schützen die Vakzine trotz Omikron vor schweren Verläufen. Auch wenn schwere Covid-19-Krankheitsverläufe seltener würden, sage dies noch nichts über die Virusvariante Omikron aus. Denn viele mit der neuen Variante infizierte Menschen seien vor der Ansteckung genesen oder geimpft gewesen. "Dies ist wohl der Hauptgrund für die wenigen schweren Verläufe, nicht die Eigenschaften des Virus selbst", sagte der Basler Biophysiker Richard Neher.

Laut dem Forscher des Biozentrums der Universität Basel ist die Übertragungsrate von Omikron fast dreimal so hoch wie bei der Delta-Variante. "Das liegt jedoch nicht an dem Virus selbst, sondern daran, dass sich geimpfte und ungeimpfte Menschen anstecken", sagte Neher, Mitglied der wissenschaftlichen Taskforce, in einem auf der Webseite der Universität Basel veröffentlichten Interview. Wenn die Entwicklung weitergehe wie bisher, sei Omikron in etwa zwei bis vier Wochen in Europa vorherrschend.

Zumindest vor schweren Verläufen schütze die Corona-Impfung weiterhin, worauf immer mehr Hinweise deuten würden. Zwar sei der volle Impfschutz womöglich nicht mehr gegeben, der Booster könne dies aber teilweise wieder ausgleichen.

Booster als Schutz gegen Omikron

Der britische Premierminister Boris Johnson hatte am Wochenende gewarnt, dass zwei Impfungen nicht ausreichten, um Omikron im Schach zu halten. Er will deshalb Tempo bei Auffrischungsimpfungen machen. Dieser Ansicht ist auch Molekularbiologe Ulrich Elling, Institut für Molekulare Biotechnologie/ÖAW. Er rechnet, wie auch Virologe Andreas Bergthaler mit einer fünften Omikron-Welle im Jänner in Österreich und plädiert für vorbeugende Maßnahmen. Denn aktuell gehen die Fallzahlen der Delta-Welle zwar zurück, die Belegung auf den Intensivstationen hat sich noch nicht merklich entspannt. 

Auch eine Studie der Universität Innsbruck hat ähnliche Ergebnisse hervorgebracht. Wir haben hier darüber berichtet. „Jene, die genesen und zumindest ein Mal geimpft waren, zeigten in unseren Laborstudien die beste Immunantwort gegen die neue Omikron-Variante“, bestätigte  die Virologin Dorothee von Laer.

Biontech und Pfizer hatten vergangene Woche Studienergebnisse veröffentlicht, wonach ihr Vakzin nach drei Dosen effektiv gegen die Omikron-Variante wirkt - nach zwei Dosen aber deutlich geringere Neutralisierungstiter gegen Omikron aufweist und damit weniger wirksam ist. Biontech-Chef Ugur Sahin hält daher frühere Booster-Impfungen für ratsam, womöglich schon nach drei Monaten.