Drosten & KrammerExperten über Omikron: Unsicherheit noch groß, aber die Vorzeichen sind nicht die Besten

Omikron verbreitet sich rasch, Virologe Florian Krammer geht davon aus, dass ein Booster gegen diese neue Coronavirus-Variante notwendig sein wird.

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Christian Drosten, Florian Krammer, Omikron
Christian Drosten (Bild) und Florian Krammer beobachten die Ausbreitung der neuen Variante genau, Entwarnung können beide Experten noch nicht geben © (c) APA/dpa/Kay Nietfeld (Kay Nietfeld)
 

Allzu optimistisch hat sich der in den USA tätige österreichische Virologe Florian Krammer am Dienstag nicht gezeigt, was die Omikron-Variante angeht. Auch wenn nach wie vor noch nicht genug Daten vorliegen würden und damit die Unsicherheit groß sei, um die Situation mit Omikron abschätzen zu können, "schaut's aber nicht gut aus", meinte er in einer Diskussion per Livestream, den die Kunstuni Linz organisiert hat.

Ähnlich wie Krammer bewertet Christian Drosten die Lage. Der deutsche Virologe sieht ab Anfang kommenden Jahres Schwierigkeiten mit der Omikron-Variante auf sein Land zukommen. "Ich denke, ab Januar werden wir mit Omikron in Deutschland ein Problem haben", sagte der Wissenschafter von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast "Coronavirus-Update" bei NDR-Info.

Vorsicht ist geboten

Dieses Problem könne bis in den Sommer andauern, warnte er. In Südafrika seien die Zuwachsraten trotz des dort einsetzenden Sommers hoch. "Und darum würde ich im Moment auch nicht sagen, bis Ostern ist in Deutschland die Pandemie vorbei, wenn Omikron übernimmt." Bisher seien ihm aus dem Austausch mit Kollegen ungefähr 25 bis 30 Omikron-Fälle in Deutschland bekannt, berichtete Drosten. Die Zahl sei nicht vollständig und werde "in ganz kurzer Zeit" zunehmen. Er wolle auch nicht den Teufel an die Wand malen, halte aber Vorsicht angesichts der Veränderungen des Virus für geboten, sagte der Charité-Forscher.

Bei Omikron sei die "blödeste Kombination" an Eigenschaften zu befürchten: Immunflucht und Fitnessgewinn - also eine Variante, die den Antikörpern von Geimpften und Genesenen besser entkommt und zudem ansteckender ist. Die Impflücken in Deutschland müssten geschlossen werden, das sei die erste Priorität, sagte Drosten. Auch angesichts schwerer Verläufe, die nun bei Kindern in Südafrika beobachtet würden, sei zu befürchten, dass Omikron für Ungeimpfte "nicht harmlos" sei. Man dürfe wegen Berichten über milde Verläufe bei Genesenen und Geimpften nicht in Euphorie verfallen.

Auch Krammer sieht erste Einschätzungen, die Virusmutation sei im Vergleich zu Delta harmloser, nicht bestätigt. So gehe die "Zahl der Neuinfektionen steil bergauf" und auch die Zahl der Einweisungen in die Spitäler steige, sagte er. "Die sichere Annahme ist, dass diese Variante genauso gefährlich ist wie alle anderen", stellte er weiters klar.

Omikron

Die Omikron-Variante war Ende November von Wissenschaftern in Südafrika entdeckt worden. Seither wurde sie in Dutzenden Ländern nachgewiesen, auch in Österreich. Sie weist 50 Mutationen im Vergleich zu dem ursprünglichen Virus auf, davon 32 am sogenannten Spike-Protein, mit dem das Coronavirus an der Wirtszelle andockt. Es wird daher befürchtet, dass diese Variante deutlich ansteckender ist als frühere Varianten.

Braucht es einen Omikron-Booster?

Unklarheit gebe es hingegen noch in Hinsicht auf den Impfstoff. Dass die Forschung wegen Omikron dabei "zurück an den Start" müsse, hält er für unwahrscheinlich. Wer eine Grundimmunität gegen Corona aufweise, verfüge über Antikörper-produzierende-Zellen, von denen durchaus "einige auch Omikron erkennen können". Mit einem spezifischen Booster würden diese Zellen reaktiviert, sodass sich schnell eine Schutzwirkung – in sieben bis zehn Tagen – aufbauen könne, so Krammers Annahme.

Problematisch werde es seiner Ansicht nach für die Ungeimpften. Es könne "kompliziert" werden, wenn Omikron und Delta nebeneinander zirkulieren. Wegen einer fehlenden Grundimmunisierung gegen Corona könne nicht geboostert werden, erklärte der Virologe. Fragen wie zum Beispiel "Sollten Erststiche gegen Delta oder Omikron gegeben werden oder parallel?" tun sich derzeit für ihn auf.

Die Ausbreitungsgeschwindigkeit

Auch international sorgt die Ausbreitung von Omikron für Besorgnis. Die Variante sei "eindeutig hochgradig übertragbar" und womöglich sogar ansteckender als die Delta-Variante, sagte der US-Experte Anthony Fauci. Aber der oberste medizinische Berater von US-Präsident Joe Biden meinte auch: "Es ist nahezu sicher, dass sie nicht schlimmer ist als Delta." Es gebe einige Hinweise darauf, dass Omikron sogar weniger schwerwiegend sein könnte. In Südafrika sei beobachtet worden, dass "das Verhältnis zwischen der Zahl der Infektionen und der Zahl der Krankenhausaufenthalte wohl geringer ist als bei Delta". Vollständig gesicherte Erkenntnisse hierzu seien aber erst in einigen Wochen zu erwarten.

Die Mutante könnte in Großbritannien innerhalb von Wochen dominant werden, sagte etwa der Genetiker Jeffrey Barrett vom Wellcome-Sanger-Institut im BBC-Radio am Dienstag. Bisher wurden bereits 336 Fälle registriert. "Ich denke, wir können jetzt sagen, dass die Variante sich im Vereinigten Königreich schneller ausbreitet als die Delta-Variante und das war bis vor sehr kurzer Zeit nicht klar", sagte Barrett und fügte hinzu: "Ich bin ziemlich sicher, dass sie wahrscheinlich innerhalb von Wochen dominant werden wird."

Realistisch sei anzunehmen, dass es schon jetzt 1.000 bis 2.000 Fälle im Land gebe, sagt auch der Epidemiologe Tim Spector vom King's College in London. "Und wir rechnen damit, dass sich das ungefähr alle zwei Tage verdoppelt im Moment."

Auch in Norwegen gehen Experten von einer rasanten Ausbreitung aus. "Es ist wahrscheinlich, dass die Omikron-Variante eine größere Ausbreitungsfähigkeit als die Delta-Variante besitzt und spätestens im Jänner 2022 in Norwegen dominant geworden ist", schrieb das staatliche Gesundheitsinstitut FHI in einer am Dienstag veröffentlichten aktualisierten Risikobewertung.

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pecunianonolet
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Drosten

egal was Drosten von sich gibt, ist einfach zu ignorieren.

Franzzz
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Hobbyvirologe?

Das was Sie von sich geben, es ist von höherer Evidenz als das, was der führende Virologe und Experte für Coronaviren in Europa " von sich gibt". Was sind Sie für ein Würstel?

Franzzz
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"Vorzeichen nicht die Besten"

Omikron offensichtlich infektiöser, mit teilweise Verdoppelung der Infektionszahlen alle 2 Tage - auch wenn nicht mehr schwere Verläufe als bei Delta, ist das beunruhigend. Vor allem weil offensichtlich auch Genesene und Geimpfte sich leicht infizieren und damit zusätzlich das Infektionsgeschehen befeuern. Ich weiß, niemand möchte das hören. Hoffentlich liege ich diesmal mit meiner Prognose falsch: schon im April werden wir mit adaptiertem Impfstoff boostern...

david965bc
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Omi Cron ist beunruhigend,

weil immer noch zu viele über 45 Jahre ungeimpft sind.

Je schneller die älteren Ungeimpften infiziert werden, desto wahrscheinlicher ist, das wir wieder einen Lockdown brauchen.

Mein Graz
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@david965bc

Da muss man wohl abwarten, ob es jüngere oder ältere Personen stärker betrifft.

wollanig
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Welch Überraschung!

Viren mutieren eben in die für sie günstigste Variante. Sie wollen sich massiv verbreiten, also werden sie infektiöser und gleichzeitig wollen sie klarerweise überleben, also passen sie sich ihrem Wirt an und werden weniger gefährlich. Völlig normale Entwicklung oder warum wohl macht es dem Stammwirt, in dem Fall den Fledermäusen nichts. Das las man am Beginn von vielen Virologen, nur seit einiger Zeit wird das nicht mehr erwähnt.... eigenartig....

checker43
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Sie

"passen" sich nicht an, weil sie keinen Willen haben. Eine Billiarde Viren würfelt einfach nur. Bei ein paar Würfen kommt eine infektiösere Variante dabei raus (50 Sechser in Folge), die setzt sich dann durch. Ob diese dann auch weniger, mehr oder gleich schwere Verläufe verursacht, ist da vollkommen nebensächlich, solange sie den Wirt nicht umbringt, bevor er andere ansteckt.

Sie sahen ja, dass Delta ansteckender ist als Alpha, aber nicht weniger gefährlich.

david965bc
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Wenn sogar die harmlosen Coronaviren für eine gewisse Immunität gegen SarsCov2 sorgen,

dann gehe ich davon aus, das die vorherrschenden Impfstoffe auch gegen Omi Cron funktionieren.

denktnach
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Diese Omi

mag ich aber gar nicht 🤔😅😅😅

ego cogito ergo sum
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Fauci: Omikron „nahezu sicher“ nicht schlimmer als Delta

Die neue Omikron-Variante des Coronavirus ist nach Einschätzung des US-Experten Anthony Fauci offenbar nicht schlimmer als andere Varianten des Erregers. „Es ist nahezu sicher, dass sie nicht schlimmer ist als Delta“, sagte der oberste medizinische Berater von US-Präsident Joe Biden gestern der Nachrichtenagentur AFP.

Es gebe einige Hinweise darauf, dass Omikron sogar weniger schwerwiegend sein könnte. In Südafrika sei beobachtet worden, dass „das Verhältnis zwischen der Zahl der Infektionen und der Zahl der Krankenhausaufenthalte wohl geringer ist als bei Delta“. Vollständig gesicherte Erkenntnisse hierzu seien aber erst in einigen Wochen zu erwarten.

Omikron sei „eindeutig hochgradig übertragbar“ und womöglich sogar ansteckender als die Delta-Variante, sagte Fauci.

red, ORF.at/Agenturen

VH7F
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Wie werden die Impfschutzfreien das überleben?

Haben sie noch eine Zukunft? Ohne Boostermöglichkeit? Ganz Südafrika steht schon still und bald die ganze westliche Impfwelt? Fragen über Fragen....

david965bc
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Die Südafrikaner

haben vor dem Impfstoff mehr Angst als die Österreicher.

Dort ist die Impfquote nicht höher als in Bulgarien.

Mein Graz
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@david965bc

Vielleicht haben die Menschen in Südafrika aber auch nur wesentlich schlechteren Zugang zum Impfstoff? Auf Grund der in diesem riesigen Land oft sehr weiten Wege zu medizinischer Versorgung?

Planck
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Gute Frage.

Sie werden Sie für sich beantworten, über kurz oder kürzer.
Manche Dinge sind genau so einfach, wie Sie sie sich machen.