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Österreichischer Impfplan hältEMA: ''Bei Johnson & Johnson überwiegen die Vorteile die Risiken''

Dass Johnson & Johnson nicht liefert, bringt Österreichs Impfplan laut dem Experten Herwig Kollaritsch nicht weiter in Bedrängnis. Frankreich setzt weiter auf das Vakzin.

Es seien Alternativen vorhanden, sagt Experte Herwig Kollaritsch
Es seien Alternativen vorhanden, sagt Experte Herwig Kollaritsch © (c) vladim_ka - stock.adobe.com
 

Nach dem Auftreten von seltenen Thrombosefällen treibt die Europäische Arzneimittelbehörde EMA ihre Untersuchung des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson (J&J) voran. Voraussichtlich werde die Behörde in der nächsten Woche eine Empfehlung abgeben, teilte die EMA am Mittwoch mit. Die Behörde sei weiterhin überzeugt, dass die Vorteile die Risiken des Impfstoffs überwiegen. Die EMA hatte den Impfstoff am 11. März zugelassen

So geht es in Österreich weiter

Der vorläufige Impfstoff-Lieferstopp des US-Herstellers Johnson & Johnson nach Europa dürfte sich im Kampf gegen das Coronavirus vorerst nicht auf den österreichischen Impfplan niederschlagen. Es gebe "Alternativen", mit denen sich das Impfprogramm auffüllen lasse, sagte der Infektiologe Herwig Kollaritsch, der auch dem Nationalen Impfgremium angehört, im "Ö1 Mittagsjournal" .

Das Vakzin des US-Herstellers, von dem eine Dosis zur Vollimmunisierung ausreicht, sei kein "dominanter Teil des österreichischen Impfplans", sagte Kollaritsch. Die in den USA beobachteten Nebenwirkungen nach einer Impfung seien äußerst selten aufgetreten, betonte der Experte. Es handle sich um "sechs Fälle von außergewöhnlichen thromboembolischen Ereignissen auf 6,8 Millionen verimpfte Dosen".

Meinung

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Kollaritsch: „Sehr genaue Kosten-Nutzen-Bewertung notwendig“

Am Abend werden in Wien weitere, detailliertere Informationen aus den USA zu den möglichen Impffolgen erwartet. Ob danach das Nationale Impfgremium zusammentreten wird, um über das weitere Vorgehen hinsichtlich der Dosen von Johnson & Johnson zu beraten – 16.800 wurden bereits an Österreich geliefert, die Lieferung von weiteren 31.200 Dosen wäre bevorgestanden –, ist unklar. Kollaritsch merkte an, die dokumentierten Nebenwirkungen seien derart selten, dass man sich "sehr genau wird überlegen müssen, wie man die Kosten-Nutzen-Bewertung dieses Impfstoffes macht".

Die seltenen schweren Nebenwirkungen nach der Impfung mit den Präparaten von AstraZeneca und Johnson & Johnson hängen deutschen Experten zufolge vermutlich mit dem speziellen Typ dieser Impfstoffe zusammen. "Die Tatsache, dass beide Impfstoffe auf dem gleichen Prinzip beruhen und die gleichen Probleme verursachen, spricht meines Erachtens eher dafür, dass der Vektor selbst die Ursache ist", sagte Johannes Oldenburg vom Universitätsklinikum Bonn. Allerdings sei das zum gegenwärtigen Zeitpunkt Spekulation.

Johnson & Johnson auch in den USA unter Beobachtung

In den USA sind seit der Zulassung des "Johnson & Johnson"-Vakzins Ende Februar bei mehr als 6,8 Millionen Verimpfungen im Anschluss sechs Fälle von Hirnvenenthrombosen erfasst worden. In drei Fällen kam es zusätzlich zu einer Thrombozytopenie, also einem Mangel an Blutplättchen. In den Präparaten von Johnson & Johnson und AstraZeneca wird ein an sich harmloses Adenovirus als sogenannter Vektor genutzt, um Erbinformationen des Coronavirus in den Körper zu schleusen. Es sei theoretisch auch denkbar, dass das Spike-Protein des Virus, das in allen verfügbaren Impfstoffen dem Immunsystem zur Bildung von Abwehrstoffen präsentiert wird, die Nebenwirkungen verursacht, erklärte Oldenburg. Ebenso sei es grundsätzlich möglich, dass die Nebenwirkungen unspezifisch im Rahmen der allgemeinen Immunantwort ausgelöst würden.

Frankreich hält an Johnson und Johnson fest 

Unterdessen hält Frankreich an der Impfung mit der Vakzine von Johnson & Johnson fest. Es würden, wie geplant, Menschen im Alter von über 55 Jahren geimpft, sagte Regierungssprecher Gabriel Attal am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in Paris. Eine erste Lieferung mit rund 200.000 Impfdosen sei im Land bereits eingetroffen.

Wie Attal sagte, hält die Regierung auch am Impfstoff von AstraZeneca fest. Der Sprecher räumte aber ein, dass es Zweifel in der Bevölkerung an diesem Impfstoff gebe. Frankreich mit seinen rund 67 Millionen Einwohnern ist stark von der Coronavirus-Pandemie betroffen - es starben annähernd 100.000 Menschen.

AstraZeneca: Dänemark stoppt dauerhaft

Nach einem temporären Impfstopp hat Dänemark nun die Impfungen mit AstraZeneca dauerhaft eingestellt, wie das Gesundheitsministerium bestätigte. Das werfe die Impfkampagne um einige Wochen zurück, hieß es weiter. Dänemark schloss aber nicht aus, das Vakzin zu einem späteren Zeitpunkt wieder einzusetzen. Auch das Mittel von Johnson & Johnson soll der Zeitung "Politiken" zufolge in Dänemark vorübergehend nicht verabreicht werden.

Damit handelt Dänemark klar gegen die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde, die das Vakzin von AstraZeneca weiterhin als sicher ansieht.

Mehrere EU-Länder impfen nicht mit Johnson & Johnson

Neben Österreich und Dänemark setzen auch die Niederlande, Schweden und Italien das Vakzin vorerst aus. Zunächst müsse mehr über mögliche Thrombosen bekannt sein, teilte etwa der niederländische Gesundheitsminister Hugo de Jonge am Mittwoch in Den Haag mit.

Kommentare (13)
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griesbocha
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Die EMA soll das dann auch den Hinterbliebenen und verwitweten Personen vermelden:

"Die Behörde sei weiterhin überzeugt, dass die Vorteile die Risiken des Impfstoffs überwiegen"

feringo
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Große Zahlen

Sich große Zahlen vorzustellen ist das eigentliche Problem sowie das Vergessen des Blickes auf andere Todesursachen, wie mtttt bereits bemerkte. Dazu kommt die in negative Richtung gelenkte Einstellung.
Positiv gedacht ist:
Wenn 6.800.000 Personen geimpft wurden, haben
6.799.994 Personen eine Vorteil, (6,8 Millionen minus 6).
6 Personen (anscheinend, nach Kramer) einen Nachteil.
Das wäre etwa so wie alle Österreicher hätten einen Vorteil nur 6 nicht.
Der Schluss der Negativ-Lenker ist: 6,8 Millionen sollen wegen 6 auf Ihren Vorteil verzichten.
Keine Regierung wird ihren Wählern so etwas antun.

bam313
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Kosten-Nutzen-Bewertung

Ja eh ...
Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Koste es was es wolle.
Nutze es was genau?
Das Spiel mit Geld ist schon langweilig geworden, also spielen wir jetzt einfach mit der Gesundheit.

tenke
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Im Spiel sind wir mittendrin,

aber mit dem Impfstoff können wir es endlich zu beenden versuchen.

bam313
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Nein!

Weil sie dann mitspielen ohne zu wissen, dass es um ihre Gesundheit geht.
Haben sie schon einmal etwas von der natürlichen Selektion gehört?

hfg
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Die Risken

Wenn 6.9 Millionen geimpft wurden - brauchen 1,6% ca. 110000 Personen keine Intensivstationen. Lt. Statistik sterben leider von den Intensivpatienten bei Corona ca. 35 % ca. 38.000 Tote wurden daher alleine durch die Impfung mit diesem Impfstoff verhindert. Demgegenüber stehen angeblich 6 Fälle von Thrombosen und 1 Person ist leider daran verstorben.
Das zum Thema Risken.

umo10
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Ok, weiterimpfen

Aber bitte keine Vektorimpfstoffe mehr bestellen!

Monolog75
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Plan beim Impfen?

In der Steiermark herrscht Kopflosigkeit und Planlosigkeit. In meiner Familie hat eine Person nach einer Corona Infektion den bereits reservierten Impftermin nicht wahrnehmen können und ordnungsgemäß unter Angabe des Grundes abgesagt. Sie erhielt die Mitteilung, dass damit eine Impfung erst nach 6-8 Monaten möglich sei. 2 Wochen später flattert erneut eine Terminreservierung für eine Impfung ein. Jetzt muss wieder abgesagt werden und nach der jüngsten besoffenen Idee des Landes Steiermark gilt unser Familienmitglied als "Impfblockierer". Dummheit hat jetzt für uns einen Namen!

bam313
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Nicht ärgern, nur wundern!

Ich weiß, es ist schwer, aber diese Kapazunder können teils nicht einmal 1 und 1 zusammenzählen.
Jetzt wollen sie deswegen sogar finanzielle Strafen einführen.
Es ist ein Graus!

SagServus
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...

Ob sich der Kurz jetzt feiern lässt und das ganze als weise Vorraussicht verkauft, dass man damals auf knapp 2,5 MIo. Dosen verzichtet hat?

mtttt
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Auf das

richtige Pferd gesetzt mit über 62% mRNA Impfstoffen. Müssen sich Eure Spindoktoren halt andere Vorlagen einfallen lassen. Trotzdem schade um diese Negativmeldung, obwohl 6 Fälle auf 6,8 Mio nicht wirklich eine Horrorzahl ist. Der tägliche fett- oder Zuckerkonsum des durchschnittlichen Österreichers hat um ein vielfaches mehr an Folgen.

umo10
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Dumm ist nur

Wenn AstraZeneca und Johnson & Johnson nur bei Frauen unter 48 gefährlich ist und man bei dem wenigen Vektor Impfstoff, der zur Verfügung steht, diesen wenigen Impfstoff auch noch an diese Gruppe verimpft , anstatt den viel mehr vorhandenen mRNA Impfstoff

froed
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Komisch

nach meinem Verständnis beeinflusst jeder nicht vorhandene Dosis die Impfplan, solange Nachrage > Angebot an Impfstoffen ist...