Smartphones haben unser aller Leben extrem verändert. Wir sind praktisch immer verfügbar und ständig online. Wir bestellen alles Mögliche via Handy, wir buchen unseren nächsten Urlaub, wir erledigen unsere Arbeit, wir bleiben mit unseren Lieben in Kontakt. Doch das Smartphone und andere digitale Endgeräte beeinflussen auch unseren Geist. Mentale Probleme können verstärkt oder ausgelöst werden, vor allem durch die exzessive Nutzung sozialer Medien. Die Smartphonenutzung hat aber auch Effekte auf unseren Bewegungsapparat. Oder anders gesagt: Das Handy kann zu Haltungsschäden führen.

„Sehr häufig kommen Patientinnen und Patienten mit Schmerzen im Nacken- oder Kopfbereich zu mir“, sagt Mathias Glehr, Orthopäde mit Ordinationen in Graz und Hartberg, in der aktuellen Episode unseres Medizin-Podcasts „Ist das gesund?“. Denn vor allem durch die nach unten gebeugte Haltung beim Nutzen des Smartphones entstehen Überlastungssyndrome jener Muskulatur, die am Hinterkopf ansetzt. Denn, wenn wir den Kopf nach vorne neigen, um aufs Handy zu schauen – das sind rund 45 Grad – lastet enormer, zusätzlicher Druck auf dieser Muskulatur: rund 25 Kilo.

Auswirkungen auf die Bandscheibe

Die Folgen können zum Beispiel Kopfschmerzen sein, die bis zur Stirn ausstrahlen. Auch Verspannungen am Muskelansatz, zwischen den Schulterblättern, sind häufig. Diese Muskelprobleme können auch chronisch werden. Und auch die unteren Bandscheiben können in Mitleidenschaft gezogen werden. „Das zeigt sich durch eine ausstrahlende Symptomatik in die Arme, weil durch das Vortreten der Bandscheibe die Nervenwurzeln komprimiert werden“, erklärt Glehr. In der Schulter kann es zu Schleimbeutel- oder Sehnenentzündung kommen. Etwas gegensteuern kann man, indem man versucht, das Smartphone eher auf Augenhöhe zu halten bzw. den Oberkörper nach vorne neigt, um den 45-Grad-Winkel im Nacken auszugleichen.

Dieses Video könnte Sie auch interessieren
Orthopäde Mathias Glehr
Mathias Glehr, Orthopäde © Kk

Eine andere Problemstelle ist unser Daumen, oder genauer der Daumenballen. Denn die kleinen Bewegungen, mit denen wir das Smartphone ansteuern, sind ebenfalls belastend – denn der Mensch ist dafür nicht gebaut. „Evolutionär sind unsere Hände für schwere Heb- und Tragtätigkeiten gebaut, nicht für kleine, diffizile Bewegungen“, erklärt der Experte. Der „Handy-Daumen“ beginnt sich zu melden, erst mit Verspannungen und Schmerzen, eine spätere Folge kann auch die Abnützung des Knorpels sein.

Egal ob Daumen oder Nacken, wichtig ist, den Bewegungsapparat zu entlasten, nicht zu lange statisch in einer Haltung zu verweilen und regelmäßig Pausen einzulegen. Im Fall der Hand kann man entweder das Smartphone mit einem anderen Finger bedienen, oder es einfach mal weglegen. Geht es um die Fehlhaltung der Wirbelsäule, können regelmäßiges Aufstehen und auch kleine Dehnübungen Schmerzen lindern. „Der wichtigste Punkt in Bezug auf die Wirbelsäule ist, dass das starre Verharren zu Überlastungen führt“, sagt Glehr.