Sei es die Rachenentzündung, der schwere Harnwegsinfekt oder die bakterielle Lungenentzündung: In der Infektzeit müssen auch häufig Antibiotika eingenommen werden. Diese wirken nicht nur gegen die krankheitsauslösenden Bakterien, sondern haben auch negativen Einfluss auf das Mikrobiom in unserem Darm. „Prinzipiell beeinflussen viele Medikamente unser Mikrobiom, Antibiotika tun dies besonders, da sie ja darauf ausgelegt sind, Bakterien abzutöten“, sagt Vanessa Stadlbauer-Köllner, Professorin für Translationale Mikrobiomforschung an der MedUni Graz.
In unserem Darm lebt ein Ökosystem aus schätzungsweise 100 Billionen Mikroorganismen, die sich aus mehreren hundert verschiedenen Bakterienarten zusammensetzen. „Nicht alle dieser Bakterien sind gegenüber Antibiotika gleich empfindlich“, sagt die Expertin – jene allerdings, die auf Antibiotika reagieren, werden in ihrem Wachstum gehemmt oder sterben ganz ab. In der Folge kommt es durch die Antibiotika-Einnahme dazu, dass die Gesamtzahl der Mikroben im Darm und auch die Diversität abnimmt.
Darm regeneriert sich nach zwei bis drei Monaten
Bei Menschen mit einem gesunden Darm-Mikrobiom regeneriert sich der Darm von selbst wieder: Das dauert etwa zwei bis drei Monate, dann sieht die Besiedelung des Darms wieder so aus wie vor der Antibiotika-Gabe. „Ein gesundes Mikrobiom im Darm bekomme ich durch eine ausgewogene Ernährung“, sagt Stadlbauer-Köllner. Daher gelte: Möglichst vielfältig essen, die Ernährung sollte reich an Ballaststoffen sein und möglichst wenig hoch verarbeitete Produkte beinhalten. So könne man sein Mikrobiom jeden Tag pflegen. Vollkornprodukte liefern wertvolle Ballaststoffe, Gemüse wie Chicorée, Schwarzwurzeln, Spargel, Lauch und Zwiebeln füttern die „guten“ Bakterien im Darm, auch fermentierte Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir und fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut unterstützen das gesunde Darm-Mikrobiom.
Die zusätzliche Einnahme von Probiotika als Präparat aus der Apotheke zeige vor allem dann positive Effekte, wenn das Probiotikum von Beginn der Antibiotikatherapie an eingenommen wird. „Dann können bestimmte Probiotika das Risiko für Antibiotika-bedingten Durchfall um 50 Prozent reduzieren“, sagt Stadlbauer-Köllner. Nimmt man die Präparate erst, wenn man bereits unter Durchfall leidet, wirken sie nicht mehr in diesem Ausmaß. Wichtig sei auch, einen zeitlichen Abstand von zwei bis drei Stunden zwischen Antibiotika-Einnahme und Probiotikum einzuhalten.
Bei schweren Infektionen: Stuhltransplantation hilft
Während sich bei Gesunden das Mikrobiom also von selbst wieder erholt, kann es bei Menschen mit chronischen Darmerkrankungen oder bei Risikopersonen wie kleinen Kindern durch die Antibiotika-Einnahme zu Darm-Problemen kommen. Am häufigsten ist dabei der sogenannte „Antibiotika-Durchfall“, aber auch schwerwiegende Infektionen sind möglich. Besonders gefürchtet sind dabei Infektionen mit dem Bakterium Clostridioides difficile. „Diese Bakterien kommen auch im gesunden Darm vor, ist aber das Ökosystem im Darm gestört, können diese Bakterien die Überhand gewinnen und zu einer schweren Darminfektion führen“, erklärt die Expertin. Diese zeigt sich durch plötzlich einsetzende, wässrige Durchfälle, Übelkeit, Bauchschmerzen und Fieber. Besonders häufig treten diese Infektionen bei Patienten im Krankenhaus auf.
Behandelt wird eine solche Infektion mit einem spezifischen Antibiotikum. „Leider kommen diese Infektionen häufig wieder, dann versuchen wir das Mikrobiom über eine Stuhltransplantation wiederherzustellen“, sagt Stadlbauer-Köllner. Dabei wird eine Stuhlspende von einem gesunden Spender aufbereitet und dem Patienten über eine Darmspiegelung verabreicht – so bekommt der Betroffene quasi ein gesundes Mikrobiom verpflanzt.