„Jetzt Steuer auf süße Getränke fordern!“ Unter diesem Slogan hat die Organisation Foodwatch eine Petition für eine sogenannte „Kracherlsteuer“ in Österreich gestartet. Laut Foodwatch seien zuckerhaltige Getränke einer der Hauptverursacher von Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen (Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) – eine Steuer auf süße Getränke könnte hier entgegenwirken. Die möglichen Auswirkungen einer solchen Steuer in Österreich wurden auch in einer Studie untersucht, beauftragt vom Gesundheitsministerium, durchgeführt von der Gesundheit Österreich.

Insgesamt gibt es bereits in mehr als 50 Ländern weltweit eine Zuckersteuer, als europäischer Vorreiter gilt Großbritannien. Dort wurde im Jahr 2018 die sogenannte „Soft Drinks Industry Levy“ (SDIL) eingeführt: Die Besteuerung je nach Zuckergehalt der Getränke hatte vor allem jenen Effekt, dass die Hersteller ihre Rezepturen veränderten. So sank der Zucker- und damit der Kaloriengehalt der Getränke drastisch: Laut Studien wurden so pro Einwohner und Jahr knapp 6.500 Kalorien weniger aus Softdrinks konsumiert. Die vom Gesundheitsministerium beauftragte Analyse kommt zum Schluss, dass eine Zuckersteuer „als geeignetes Instrument angesehen werden kann, um positive Auswirkungen hinsichtlich verschiedener gesundheitlicher Outcomes zu erzielen“.

Zuckersteuer sinnvoll, wenn richtig gestaltet

Wir haben bei steirischen Stoffwechsel-Expertinnen und Experten nachgefragt, welche Konsequenzen eine „Kracherlsteuer“ in Österreich haben könnte und ob sie für deren Einführung sind. „Eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke wäre absolut sinnvoll“, sagt Endokrinologin Karin Amrein. „Zwar kann eine einzelne Maßnahme nicht alle Probleme, die wir durch Fehlernährung und Übergewicht haben, lösen, aber sie kann ein wichtiger Teil einer Lösung sein.“ Auch Harald Sourij, Diabetes-Experte an der MedUni Graz, würde eine „Kracherlsteuer“ prinzipiell unterstützen – es sei aber wichtig, eine solche Steuer richtig zu gestalten. „Das Ziel soll nicht sein, dadurch möglichst viel Geld zu machen, sondern den Zuckerkonsum und die versteckten Kilokalorien zu reduzieren.“ Dazu müsste die Steuer gestaffelt sein: Je mehr Zucker ein Getränk enthält, desto höher die Abgabe. So könnte man einen Anreiz für die Industrie schaffen: weg von sehr zuckerhaltigen Getränken, hin zu weniger Gehalt an Zucker und damit auch Kalorien.

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Was zuckerhaltige Getränke so ungesund macht, erklärt Julia Mader, neu berufene Professorin für Diabetestechnologie an der MedUni Graz: „Süße Getränke liefern dem Körper eine große Menge an Energie in Form von Zucker – sie sättigen aber nicht wie feste Nahrung, sondern führen zu einem raschen Anstieg des Blutzuckers und einer starken Insulinausschüttung.“ In der Folge kommt es oft zu Heißhungerattacken und auch die Einlagerung von Fett im Körper wird dadurch gefördert. Mader kritisiert, dass zuckerhaltige Getränke oft als Durstlöscher oder im Fall von Fruchtsäften sogar als „gesunde Nahrungsmittel“ angepriesen werden: „Dass Orangensaft ein gesundes Getränk wäre, ist ein Märchen, das die Industrie über Jahrzehnte aufgebaut hat, das aber leider nicht stimmt“, sagt Mader. Fruchtsäfte seien genauso große Energieträger wie Softdrinks, haben aber so gut wie keinen Nährwert. Deshalb wäre auch Diabetes-Expertin Mader für eine Zuckersteuer in Österreich: „Wenn dadurch zumindest ein wenig der überschüssigen Energiezufuhr eingespart werden könnte, wäre das schon ein Erfolg.“

Experten fordern auch Werbeverbote

Die Experten betonen aber auch: Die Zuckersteuer alleine werde nicht reichen, um das Problem Übergewicht in den Griff zu bekommen. Das zeigen auch Beobachtungen aus Großbritannien nach Einführung der Zuckersteuer: Pro Tag nahmen Kinder drei Gramm weniger Zucker aus Softdrinks zu sich, bei Erwachsenen waren es fünf Gramm pro Tag, was einer Energiezufuhr von rund 20 Kilokalorien entspricht. Das mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, aber: „Wenn wir das auf ein Jahr hochrechnen, sind es rund 7000 Kilokalorien, was wiederum einem Kilo Körpergewicht entspricht“, rechnet Sourij vor. Und Mader ergänzt: „Erste Daten aus England zeigen bereits einen Gewichtsrückgang bei weiblichen Teenagern.“ Auch auf die Zahngesundheit von Kindern (weniger Karies) wurden nach Einführung der Steuer in Großbritannien beobachtet.

„Wenn schon, denn schon“, ist die Devise von Stoffwechselexpertin Karin Amrein: „Zusätzlich zur Steuer brauchen wir auch ein Verbot von Werbung für süße Lebensmittel, die sich gezielt an Kinder richtet und Warnhinweise auf Produkten, die zeigen, wie viel Zucker darin steckt.“ Auch Mader unterstreicht: „Nahrungsmittel mit einer schlechten Energiebilanz sollten generell höher besteuert werden, auch in Restaurants sollte die Kalorienangabe von Mahlzeiten verpflichtend sein.“ Eine Kracherlsteuer könne ein Baustein sein, um das globale Problem Übergewicht in den Griff zu bekommen – viele andere müssen folgen.