Die heiße Tasse Tee zum Aufwärmen, der gemütliche Backnachmittag, das Zusammensitzen rund um den Adventkranz: In den kalten Wintermonaten und vor allem in der Vorweihnachtszeit sind Gefahren für kindliche Verbrühungen und Verbrennungen allgegenwärtig. Rund 1600 Kinder zwischen null und 14 Jahren werden jährlich nach Brandverletzungen in Österreichs Spitälern behandelt.
Stark betroffen sind Babys und Kleinkinder: Bei rund acht von zehn kindlichen Unfallopfern handelt es sich um Null- bis Vierjährige. Ihre dünne Haut macht sie besonders anfällig: „Bereits thermische Verletzungen ab Grad 2 (Rötung, Blasenbildung, starke Schmerzen) und im Ausmaß von etwa zehn Prozent der Körperoberfläche können für Kinder unter vier Jahren lebensbedrohlich sein. Umso wichtiger ist ein achtsamer Umgang mit Wasserkochern, offenem Feuer sowie heißen Flüssigkeiten, um das Unfallrisiko zu minimieren“, erklärt Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport und Freizeitsicherheit im KFV.
90 Prozent der Unfälle ereignen sich im Haushalt
Mehr als 90 Prozent dieser Verbrühungen und Verbrennungen bei Kindern ereignen sich im Haushalt bzw. im Wohnumfeld. Bei etwa 60 Prozent der Brandverletzungen handelt es sich um Verbrühungen mit heißen Flüssigkeiten, circa 40 Prozent entfallen auf Verbrennungen, vor allem durch Herd, Kochplatte und Ofen. „Kleinkinder können aufgrund ihrer geringen Körpergröße nicht genau sehen, was auf Herdhöhe steht, sind aber natürlich neugierig. So entdecken sie sehr bald, dass sie nur am Pfannenstiel, am Kochtopfgriff oder am Kabel des Wasserkochers ziehen müssen, um zu erfahren, was darin ist. Wenn die Pfanne mit heißem Öl gefüllt ist oder sich in Kochtopf oder Wasserkocher heißes Wasser befindet, hat das geradezu verheerende Folgen. Bereits weniger als eine halbe Tasse heiße Flüssigkeit kann ein Kind lebensgefährlich verbrühen“, warnt Holger Till, Präsident des Vereins „Große schützen Kleine“.
So schützen Sie Ihr Kind
Grundregel Nummer eins, um Kinder vor Brandverletzungen zu schützen: Niemals etwas Heißes tragen, trinken oder essen, wenn ein (Klein-)Kind in unmittelbarer Nähe ist. Herdschutzgitter und Backrohrsicherung zählen zu den wichtigsten Kindersicherheitsartikeln in einem Haushalt mit Kleinkindern.
„Achten Sie außerdem darauf, dass Pfannenstiele und Kochtopfgriffe immer nach hinten zeigen, also niemals vorne über den Herd ragen. Idealerweise kochen Sie zudem auf den hinteren Herdplatten“, rät Till eindringlich. Wasserkocher sollten auf der Arbeitsplatte immer ganz hinten stehen, das Kabel sollte aufgerollt sein. Überschüssiges heißes Wasser schüttet man am besten immer gleich weg.
Wann man zum Arzt muss
Falls es trotz aller getroffenen Sicherheitsvorkehrungen zu einer thermischen Verletzung kommt, ist rasche Hilfe entscheidend. Über die verwundete Haut geht viel Flüssigkeit verloren, was bei Kleinkindern schnell zu einem Schock führen kann. „Eine ärztliche Versorgung ist immer dann erforderlich, wenn die thermische Verletzung mehr als ein Prozent der Körperoberfläche betrifft, was etwa der Handinnenfläche des Kindes entspricht.
Verbrennungen und Verbrühungen bei Kleinkindern oder Säuglingen sollten jedoch immer ärztlich begutachtet werden – auch wenn sie kleinflächig sind bzw. oberflächlich erscheinen“, betont Trauner-Karner. Bei großflächigeren Verletzungen ist umgehend die Rettung zu rufen (Notruf: 144) oder ein Krankenhaus aufzusuchen.