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Im Netz einer CyberstalkerinAutorin Monika Wogrolly wurde jahrelang von einer Cyberstalkerin terrorisiert

Die Psychotherapeutin und Autorin Monika Wogrolly wurde über Jahre hinweg von einer Cyberstalkerin terrorisiert und bedroht. Auch durch Gefängnisstrafen ließ sich die Frau nicht stoppen

© That Stock Company
 

Sie sind bzw. waren über Jahre hinweg das Opfer einer aggressiven Stalkerin, der Tatort war hauptsächlich das Internet. Dennoch war die Bedrohung sehr real und hat Ihr Leben nachhaltig beeinflusst. Was genau ist passiert?

MONIKA WOGROLLY: Zunächst zu den Begriffen: Es gibt das „Cybermobbing“ und das „Cyberstalking“. Bei Letzterem handelt es sich um eine beharrliche Verfolgung über einen längeren Zeitraum hinweg, wie es bei mir der Fall war. Und da sich diese Angriffe großteils virtuell, also im Internet und dort vor allem in den sozialen Medien, abgespielt haben, spricht man eben von Cyberstalking.

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Wie hat alles begonnen?
Ich war eigentlich ein Zufallsopfer. Im Jahr 2017 habe ich ein Buch über Beziehungen veröffentlicht und hatte als Autorin und Psychotherapeutin viele öffentliche Auftritte. Im Zuge dessen habe ich E-Mails von einer Frau bekommen, die mich zunächst sehr idealisiert, fast glorifiziert hat und immer wieder betonte, wie toll sie meine Arbeit findet. Ich habe freundlich zurückgeschrieben und es hat sich in der Folge eine kurze Korrespondenz entwickelt. Doch bald habe ich bemerkt, dass bei dieser Frau irgendetwas anders ist. Sie wollte keine Beratung oder Therapie von mir, sondern in Wahrheit eine Beziehung. Als ich klarstellte, dass das nicht infrage kommt, wurde ihr Ton schnell sehr aggressiv.

Das heißt, die anfängliche Bewunderung schlug bald in Wut und sogar Hass um.
Mir wurde schnell klar, dass diese Frau auf vielen Ebenen sehr enttäuscht war. Sie fühlte sich offenbar im Stich gelassen von unserem System. Ich wollte ihr zunächst auch helfen, das gehört schließlich auch zu meinem Beruf als Psychotherapeutin. Ich bin aber relativ schnell an meine Grenzen gekommen, weil ich spürte, dass diese Person extrem destruktiv ist. Zuerst hat mich diese Frau also idealisiert. Und dann kam der Absturz, weil der idealisierte Mensch, also ich, nicht so reagiert hat, wie es sich diese Frau offenbar erwartet hat. Ich wurde also abgewertet und zum Feind gemacht.

Monika Wogrolly Foto © kk

Sie hatten es also offenbar mit einer psychisch kranken Person zu tun.
Ja, das hat diese Frau auch selbst von sich gesagt. Und ich wollte ihr natürlich auch helfen. Bis sich schließlich diese unglaubliche Aggression über mich ergossen hat. Und das war für mich einfach unfassbar: zu erleben, was Worte, also im konkreten Fall E-Mails, bewirken und anrichten können. Das musste ich zum Glück vorher noch nie in meinem Leben erfahren.

Wie muss man sich diese Cyberattacken weiter vorstellen?
Ich war zunächst völlig zerrissen. Einerseits wusste ich, dass mein virtuelles Gegenüber Hilfe braucht, andererseits war ich eindeutig das Opfer dieser Frau. In weiterer Folge sind SMS-Nachrichten und auch Anrufe auf mich niedergeprasselt. Im Minutentakt! Tagsüber, nachtsüber, immer. Irgendwann wusste ich: Okay, ich kann dieser Frau nicht mehr helfen, es gibt keinen Diskurs, ich muss sie blockieren. Von meinem Umfeld wurde die Angelegenheit am Anfang teilweise bagatellisiert, viele meinten, das sei eine Kunstfigur. Aber auch wenn die Attacken im virtuellen Raum stattfanden: Der Angreifer, die Angreiferin war echt und die Bedrohung sehr real. Vor allem die telefonischen Übergriffe rund um die Uhr waren sehr belastend für mich. Und dann kam der Punkt, an dem mein Anwalt zu mir sagte: Du hast keine Wahl mehr, du musst Anzeige erstatten.

Es war also eine Schmerzgrenze überschritten.
Es war einfach nicht mehr auszuhalten. Diese Frau fertigte auch Fake-Profile an und hat mir durch Postings in meinem privaten und beruflichen Umfeld geschadet. Es ist traumatisierend, von einer völlig unbekannten Person dermaßen angefeindet und mit Hass überschüttet zu werden.

Welche Gefühle haben in Ihnen dominiert? Wut, Angst, Ohnmacht?
Zunächst hat die Ratlosigkeit überwogen, auch Mitgefühl und sogar Fürsorge. Diese Frau hat in ihrer sozialen Einsamkeit mir gegenüber sogar mit Selbstmord gedroht und auch einen Termin dafür festgesetzt. Dann kippte es. Als auch meine Familie Zielscheibe dieser Frau wurde, wuchs in mir die Wut. Diese Attacken, dieses Cyberstalking, sind eine Form von psychischer Gewalt. Es ist schlicht Psychoterror! Obwohl ich vom Fach bin, hat es mich lange Zeit völlig überfordert.

Sie sind ja kein Einzelfall. Allein im Jahr 2018 kam es in Österreich zu 300 Anzeigen wegen Cybermobbings und zu mehr als 1700 Anzeigen wegen Cyberstalkings. Was empfehlen Sie als Opfer anderen Betroffenen?
Der wichtigste Punkt: dass man Cyberstalking auch als solches identifiziert. Auch was in der virtuellen Welt passiert, kann echten Schaden anrichten. Diese Dinge sind anzeigepflichtig und -würdig. Man sollte ernst nehmen, was einem da widerfährt. Es gibt mittlerweile ja einschlägige Paragrafen, die diese Angriffe als kriminellen Akt einstufen. Aber noch immer schweigen viele Opfer. Deshalb ist es für mich so wichtig, meine Stimme zu erheben und mich nicht zu schämen – in der Opferrolle tut man das ja oft, sich schämen.

In Ihrem Fall ging es ja so weit, dass Sie für öffentliche Veranstaltungen private Leibwächter engagiert haben. Aus Angst, dass diese Frau einmal leibhaftig vor Ihnen steht und Ihnen etwas antut.
Ja, so war es. Sie hat ja auch angekündigt, einmal aufzutauchen und einen erweiterten Suizid zu begehen. Natürlich hatte ich da Angst. Noch ein Punkt ist mir wichtig: unbedingt delegieren und nicht die ganze Last selbst tragen. Mir persönlich hat da das Gewaltschutzzentrum, an das ich mich gewandt habe, sehr geholfen. Im Gespräch mit der dortigen Juristin habe ich auch meine Scham verloren, über das zu sprechen, was mir da angetan wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Beweisführung, nehme ich an.
Definitiv. Man sollte alles, was da abläuft, protokollieren. Screenshots anfertigen zum Beispiel. „Meine“ Stalkerin hat ja dann später vor Gericht behauptet, ich sei durch mein Verhalten die Ursache für ihr Handeln gewesen.

„Ihre“ Stalkerin kam wiederholt vor Gericht, wurde verurteilt, aber die Attacken gingen trotzdem weiter.
Das erste Mal wurde sie zu einer bedingten Strafe verurteilt. Aber die Attacken gingen weiter. Noch höhnischer, noch süffisanter, noch aggressiver. Nach der nächsten Anzeige und beim nächsten Prozess wurde diese Frau zu drei Monaten unbedingter Haft verurteilt und musste tatsächlich ins Gefängnis. Am Tag ihrer Entlassung gingen die Attacken weiter und sie hat weiterhin den ganzen Hass, den sie offenbar auf die Gesellschaft hat, auf mich übertragen.

Wie ist der Status quo?
Der dritte Prozess endete mit einer Verurteilung zu zehn Monaten unbedingter Haftstrafe. Meine letzte Information ist, dass diese Frau Anfang des Jahres aus der Haft entlassen wird. Wie es dann weitergeht? Ich weiß es nicht.

 

Kommentare (2)

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eleasar
1
2
Lesenswert?

Warum nimmt man die psychisch kranke Frau nicht in Maßnahmenvollzug?

Der Maßnahmenvollzug ist die schärfste Sanktion, die das Strafrecht kennt: Die Einweisung gilt unbegrenzt und präventiv – weil nämlich zu befürchten ist, dass diese Person „unter dem Einfluß seiner geistigen oder seelischen Abartigkeit eine mit Strafe bedrohte Handlung mit schweren Folgen begehen werde“. Eine gefährliche Drohung mit dem Tode reicht aus, um dort zu landen.

Wenn selbst unbedingte Haftstrafen bei der Frau nichts bewirken und keinerlei Einsicht da ist, muss der Staat leider zu strengen Maßnahmen greifen, um die Gesellschaft zu schützen.

Antworten
Aleksandar
6
3
Lesenswert?

Nun erinnert man sich wieder ...

Buchautorin, Psychotherapeutin, praktische Philosophin, ....

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