Sein Name ist seine Marke. Und ganz egal, wie das alles in den kommenden Tagen und Wochen ausgeht: Alleine vom aktuellen Imageschaden wird sich die Marke Alfons Schuhbeck wohl nicht mehr erholen können. Viel aufzudecken gibt es da derzeit vor Gericht nämlich nicht. Es liegt alles offen. Die Forderungen von Gläubigern sollen sich mittlerweile auf mehr als 14 Millionen Euro belaufen, wie das Magazin "Stern" berichtet. Die Anklage wirft dem Gastronom 25 Fälle der Steuerhinterziehung und versuchter Steuerhinterziehung vor. Zum Auftakt des Prozesses belastete ein früherer Mitarbeiter Schuhbeck schwer.

Für Steuerhinterziehung in Millionenhöhe steht er seit Mittwoch, 05. 10. 2022, vor Gericht
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Kurz zusammengefasst: Schuhbeck soll in zwei seiner Restaurants Einnahmen verschleiert und auf diese Weise hohe Beträge am Staat vorbeigeschleust haben. In einem seiner Restaurants mithilfe eines eigens dafür entwickelten Computersystems. So sagt es die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Aufstieg und Absturz eines Spitzenkochs

Düstere Wolken hängen also über dem Lebenswerk des Kochs. Und dieses Lebenswerk konnte sich bis vor ein paar Jahren durchaus sehen lassen. Wenn man es nämlich schafft im Münchener Zentrum mehr oder weniger einen ganzen Platz sein Eigen zu nennen, dann hat man in seiner Karriere definitiv einiges richtig gemacht. Deswegen wird Alfons Schuhbeck in der Weißwurst-Metropole auch "Platzl-Hirsch" genannt. Weil er am Münchener Platzl, wo auch das Hofbräuhaus steht, so viele Restaurants und Geschäfte hat.

Er bekochte die Beatles, Charlie Chaplin, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Queen Elizabeth II. – und immer wieder auch den FC Bayern München
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Die Karriere des 73-Jährigen ist durchaus beeindruckend. Im bayerischen Traunstein als Alfons Karg geboren, kam er in den jungen wilden Jahren als Rockmusiker in Kontakt mit Gastronom Sebastian Schuhbeck. Dieser adoptierte ihn und aus Alfons Karg wurde Alfons Schuhbeck. Der Entschluss reifte Koch zu werden und so sammelte er weltweit Erfahrungen, um das Handwerk zu perfektionieren. London, Genf oder Paris waren dabei die lehrreichen Stationen.

1980 übernahm er den Betrieb seines Ziehvaters. Die Wanderjahre machten sich bezahlt, denn sein Essen wurde für die Prominenz von Salzburg bis München zum absoluten Geheimtipp. Aus dem Wirtshaus schuf er ein Restaurant, das mit den bekanntesten Edelschuppen mithalten konnte. In dieser Zeit bekam Schuhbeck seinen Ruf als "Promikoch", sowie seinen ersten Michelin-Stern, den er lange hielt.

Er wurde zum Star diverser Kochsendungen und Talkshows und dadurch ein bekannter Name in ganz Deutschland
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Das war dem umtriebigen Koch aber noch lange nicht genug. Und so gründete er Ende der 1990er-Jahre das gastronomische Unternehmen Schuhbecks am Platzl. Dazu zählten das Restaurant Orlando, ein Weinbistro, ein Partyservice, eine Kochschule, je ein Geschäft für Gewürze, Tee, Eis und Schokoladen. Es folgten noch viele weitere kulinarische Projekte, Dutzende Kochbücher und auch nicht kulinarische Unternehmungen. Am erfolgreichsten war der launige Küchenchef aber im TV.

Vielen ist er für diverse Kochsendungen bekannt, wie "Schuhbecks", "Küchenschlacht" oder "Lanz kocht!"
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TV-Koch der Nation

Seit den 1990ern ist er im Bayerischen Rundfunk in der Kochsendung "Schuhbecks" zu sehen. Er wurde in den darauf folgenden Jahren zum Star vieler Kochsendungen, Talkshows und dadurch ein Haushaltsname in ganz Deutschland. Wenn man ehrlich ist, wurde das Genre "Kochshow" in Deutschland mit Schuhbeck erstmals um einen Profikoch bereichert.

Darstellungstalent und Granteln gleichermaßen schienen den deutschen TV-Sehern zu gefallen. Schuhbeck war mehr oder weniger ein Trendsetter. Was heute Mälzer und Co. in neuen Sendeformaten umsetzen, hat er Jahre davor gestartet. Er wagte es als Sternekoch vor das breite Publikum zu treten, Haushaltsküche zu präsentieren und ins Showgeschäft einzusteigen.

Der TV-Koch hat mehrere Bücher über die Benefits von Gewürzen verfasst und eigene Gewürzmischungen kreiert
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Der Pate unter den Gewürzmeistern

Abseits der glitzernden Welt der Unterhaltung hat er in kulinarischer Hinsicht vor allem einen Trend gesetzt: neue, exotische oder anders zusammengestellte Gewürze zu verwenden. Lange Jahre galt er als der deutsche Gewürzpapst. Um das Jahr 2005 startete er mit einem Gewürz­laden in seinem Münchener Restaurant, der über die Jahre zu einer Zwei-Etagen-Verkaufsfläche plus Internetshop angewachsen ist. "Der Produktvertrieb hat den Umsatz in meinen Restaurants schon lange weit, weit hinter sich gelassen", verkündete Schuhbeck einst.

Damals schien die finanzielle Welt anscheinend noch in Ordnung. Nun ist er in 25 Fällen wegen Steuerhinterziehung und versuchter Steuerhinterziehung angeklagt worden. Das Landgericht München I nennt ironischerweise das Verfahren gegen den Koch nach dessen gerne verwendeter Zutat "Ingwer". Der Prozess soll bis zum 22. Dezember andauern, es sind 18 Verhandlungstage angesetzt. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Gefängnisstrafe.