Sind Sie Single? Sind Sie alleine?“ Joesi Prokopetz, einer der mundflinkeren Gründerväter des Austropops, veredelte diesen flachen, aber frontalen Anmachspruch Mitte der 1980er-Jahre in einen viel zitierten Hitparaden-Schlager.

Der Ohrwurm hat sich längst Richtung Vergessen verkrochen, die Frage ist für einen Teil der Bevölkerung aber von ewig währender Aktualität. Demografische Zahlen, wie viele Menschen gewollt oder ungewollte alleine leben, gibt es freilich nicht. Annäherungen über das kontrastierende Ausschlussprinzip – wie viele Hochzeiten minus Scheidungen gibt es? – bleiben angesichts „wilder Ehen“, loser Beziehungen und verheimlichter Affären vage. Der anhaltend wachsende Zuspruch für Dating-Apps und Vermittlungsplattformen lässt aber auf eine Virulenz in Sachen Partnersuche schließen.

Warum aber sind oder werden Menschen zu Singles? Welche Gründe für einen Soloauftritt auf der Alltagsbühne des Lebens gibt es?

Psychologe Guido Gebauer analysierte für die deutsche Dating-Plattform www.gleichklang.de die Ergebnisse einer entsprechenden Befragung von 1400 Personen – allesamt Singles. Aus den Ergebnissen der Umfrage entwickelte Gebauer einen Selbsttest, mit dessen Hilfe Singles herausfinden können, warum sie single sind.

Mix verschiedener Faktoren

Die einfache Antwort: Es gibt keine einfache Antwort. Auch für diesen Beziehungsstatus wirkt ein Mix aus verschiedenen Faktoren. Die am häufigsten genannten hat der Psychologe aber herausgefiltert (siehe oben) – wobei es bei den genannten Gründen aber deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt.
Frauen geben als Ursache für ihr Single-Dasein deutlich öfter (74 Prozent; Männer: 59 Prozent) negative Erfahrungen und darauf basierende Befürchtungen an. Frauen nennen auch häufiger zu hohe Ansprüche als Verhinderungsgrund (60 Prozent), während dieser Wert bei Männern nur bei 46 Prozent liegt. Umgekehrt sind Frauen mit ihrem Single-Dasein zufriedener (48 Prozent) als Männer (36 Prozent), die das Alleinsein offensichtlich weniger genießen können.

Bei Männern zeigt sich eine grundsätzlich breitere Palette an Erklärungen ohne klare Spitzen. Die am häufigsten genannten Gründe für ihr Single-Dasein sind demnach gefühlte oder tatsächliche Barrieren und Hindernisse (Männer: 38 Prozent; Frauen: 23 Prozent) und eine Gehemmtheit (Männer: 55 Prozent; Frauen: 40 Prozent). Auch der Wunsch nach unverbindlichem Sex ist bei Männern (20 Prozent) ausgeprägter als bei Frauen (11 Prozent).

Die Ergebnisse, so Gebauer, passen zu der Beobachtung, dass Frauen nach Scheidung oder Tod des Partners länger und sogar häufiger dauerhaft single bleiben. Männer dagegen neigen eher dazu, sich bald nach Partnerverlust eine neue Beziehung zu suchen.

Offenbar, schließt der Psychologe daraus, kämen Frauen insgesamt besser mit dem Single-Dasein zurecht und setzten wohl auch deshalb weniger stark auf eine neue Beziehung. Zudem seien Frauen stärker durch negative Vorerfahrungen in Beziehungen geprägt und nähmen dadurch Vorteile des Single-Daseins stärker wahr.

"Mission Impossible"

Freilich, betont Gebauer, spreche nichts gegen ein glückliches Single-Dasein. Aber nicht selten stehen sich die Jäger des ersehnten Paarglücks selbst im Weg. Zum einen sind es – Prinzipien hin, Bauchgefühl her – zu hohe Ansprüche an das Gegenüber, die eine Suche nach dem Traummann/der Traumfrau vom Start weg zu einer „Mission Impossible“ werden lassen. Zum anderen kann die Angst vor Ablehnung dazu führen, dass man „versteinert“ – und durch nichts erkennen lässt, dass man das Gegenüber sympathisch findet. Gefühle zeigen? Ja nicht! Durch diese Verkapselung des Selbst bleibt es aber bei der Distanz zum anderen. „Sind Sie Single?“, fragt Prokopetz in seinem Radiohit unablässig und hofft auf ein Happy End: „Sind Sie auch so eine, am liebsten alleine, doch heute ausnahmsweise zu zweit?“

Im Sinne der eigenen Lebenserwartung ist Hoffnung auf eine erfolgreiche Partnersuche kein Fehler. Denn aus den demografischen Daten lässt sich zumindest ein Trend herauslesen: Verheiratete leben im Schnitt länger als Partnerlose. Das war schon Mitte des 19. Jahrhunderts so, als der Epidemiologe William Farr das französische Sterberegister durchforstete. Und es gilt noch heute. So hat eine Untersuchung 2011 von Daten von mehr als 500 Millionen Menschen, die überwiegend aus Industrieländern stammen, folgendes Ergebnis gebracht: Verheiratete haben im Vergleich zu ewigen Singles ein um 24 Prozent niedrigeres Sterberisiko. Das heißt: Während beispielsweise innerhalb eines Jahres 100 Singles sterben, trifft es im selben Zeitraum nur 76 Verheirate gleichen Alters.

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