Zwanzig Minuten Busfahrt von der Grazer Innenstadt entfernt, dort, wo der urbane Raum schon fast ländlich wirkt, hat sich Familie Jaroschka niedergelassen. Auf den ersten Blick gleicht ihr Zuhause all den anderen Häusern in der Straße: Hier steht ein Arbeiterhaus aus den 1960ern neben dem anderen. Doch bei genauerem Hinsehen sticht der rot gefärbte Zubau ins Auge.

Sommergefühle zu jeder Jahreszeit

„Wir sind große Istrienfans. Deshalb haben wir eine Farbe gewählt, die uns an die rote Erde dieser Region erinnert“, erzählt Ruth Jaroschka. So breitet sich das Entspannungsgefühl vergangener Familienurlaube spürbar im Wohnbereich aus.

Der offene Wohnraum mit seinen drei Meter hohen Decken dient als Gemeinschaftsraum, in dem zusammen gekocht und gegessen wird.
Der offene Wohnraum mit seinen drei Meter hohen Decken dient als Gemeinschaftsraum, in dem zusammen gekocht und gegessen wird.
© (c) © oliver wolf


Die rote Farbgebung wirkt natürlich: „Damit das gelingt, muss die Farbe schon beim Mischen zum Beton hinzugefügt werden“, erklärt Architekt Daniel Schlosser. Das Ergebnis: ein 60 Quadratmeter großer roter Zubau mit drei Meter hohen Decken und durchgehender Fensterfront, mit Blick auf Garten und den neu gebauten Pool: „Auch wenn wir drinnen sind, fühlt es sich an, als würden wir direkt im Grünen stehen.“

Platz zum Zusammenkommen

Den Freiraum in den Wohnraum zu integrieren, war eines der Ziele des Bauprojekts. Gartenseitig hatte das Haus zuvor nur ein einziges Fenster. Dazu kam, dass die derzeit sechsköpfige Familie einen Raum zum Zusammenkommen vermisste: „Wir kochen gerne gemeinsam und sitzen einfach zusammen. Das war in den einzelnen kleinen Räumen zuvor nicht gut möglich“, erzählt Jaroschka. Der neue Bereich ist daher als ein zusammenhängender Raum konzipiert und dient sowohl als Küche wie auch Ess- und Wohnzimmer.


Der Innenbereich geht direkt in Loggia und Terrasse über. Das Besondere daran: Alles ist barrierefrei. Für die Hausherrin, die selbst mit körperlich beeinträchtigten Menschen arbeitet, war das eines der Hauptanliegen: „Damit möchten wir offen sein für jeden Besuch und jede Situation.“ Auch die neuen Türen sind breit genug für jeglichen Rollstuhl, und das neue Badezimmer ist vollkommen barrierefrei angelegt.

So autark wie möglich

Willkommen fühlen sich bei Familie Jaroschka aber nicht nur die Besucher. Im Garten leben seit fünf Jahren acht weitere Familienmitglieder: Hühner. Ein großzügiger Teil der Grünfläche dient als Freiluftgehege. Das Federvieh bringt nicht nur ländliche Stimmung in den urbanen Raum: Täglich freut sich die Familie über sechs bis acht Eier: „Vor allem im Sommer versuchen wir so autark wie möglich zu leben“, erzählt die Familie. Daher steht im Garten auch ein weitläufiges Gemüsebeet, in dem Brokkoli, Paprika und Tomaten nach Herzenslust wuchern.

Lichtdurchflutet: Dank der Glasfront dringt das Tageslicht durch das ganze Haus.
Lichtdurchflutet: Dank der Glasfront dringt das Tageslicht durch das ganze Haus.
© (c) © oliver wolf

Umweltbewusstsein ist auch sonst ein zentrales Anliegen im Haushalt Jaroschka. Unter dem frisch gebauten Carport parken unzählige Fahrräder, aber nur ein Auto. Im mediterranen Dachgarten, der sich über das Flachdach des Zubaus erstreckt, wächst alles Denkbare an Grün: „Wir wollen das Dach bepflanzen, um der Natur den Platz zurückzugeben, der durch den Umbau im Garten fehlt.“

Familie Jaroschka draußen am Pool und zwischen den Hühnern.
Ihre Freizeit verbringt Familie Jaroschka draußen am Pool und zwischen den Hühnern.
© (c) © oliver wolf


Aber nicht nur für Huhn und Pflanzen ist ausreichend Platz. Vor allem für die Kinder der Familie gibt es Raum zum Entfalten. Neben den Kinderzimmern bevölkert der musikalische Nachwuchs einen Proberaum im Keller. Und im Erdgeschoß liegt das Arbeitszimmer der Kinder. „Uns ist wichtig, dass die Kinderzimmer ein Platz zum Zurücklehnen und Entspannen sind. Hausaufgaben sollen dort nicht stattfinden“, sagt der Vater.
Was da zum vollkommenen Glück noch fehlt? „Eigentlich nur noch ein Hahn im Hühnerstall“, scherzt die Familie.

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