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ÖFB-Ombudsmann HomophobieOliver Egger über sein Outing: "Ich spiele mein Spiel"

Oliver Egger ist der erste Fußballer Österreichs, der sich geoutet hat. Wie es ihm seither ergangen ist und welche Ziele er als Ombudsmann der Homophobie-Ombudsstelle des ÖFB hat.

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Oliver Egger
© © Helmut Lunghammer
 

Sie haben sich 2016 vor Ihrem Team als homosexuell geoutet. In wenigen Tagen treten Sie bei einer Veranstaltung unter dem Titel „Du Scheiß-Schwuchtel – der Alltag eines schwulen Fußballers“ auf. Realität oder Übertreibung?
Oliver Egger: Diese Aussage habe ich erst zwei Wochen davor gehört und genau deswegen verwendet– weil sie so aktuell ist. Ein gelb gesperrter Spieler der gegnerischen Mannschaft hat das ins Stadion geschrien. Ich bin auch schon als krank beschimpft worden und es wurde mir unterstellt, dass ich sicher schon das ganze Team „angesteckt“ hätte. In diesen Fällen kann man noch so eine dicke Haut haben, es tut einfach weh. Es geht ja nicht nur um mich. Es sitzen auch mein Freund, meine Eltern oder meine 80-jährige Oma im Stadion. Auch sie haben es nicht verdient. Wie fühlen sie sich, wenn ihr Freund, Sohn oder Enkel beschimpft wird?


Was machen Sie in diesen Situationen?
Ich spiele mein Spiel. Im Endeffekt motiviert es mich.

Warum ist Homosexualität im Sport allgemein, aber vor allem im Fußball, so ein Tabuthema?
Die Frage, warum es gerade im Fußball so viel Homophobie gibt, ist schwer zu beantworten. Beim Hand- oder Volleyball hat man es sicher mit einer anderen Zuschauerklientel zu tun. In diesen Sportarten geht es darum, die eigene Mannschaft zu pushen und nicht den Gegner niederzumachen, was ja im Fußball sehr gerne gemacht wird. Fußball ist auch sehr martialisch, nicht umsonst werden in vielen Interviews Redewendungen wie „es geht um Leben und Tod“ verwendet. Es wird alles sehr emotional behandelt.

Zur Person

Oliver Egger (26) ist Rechtsverteidiger beim
FC Gratkorn. Er ist der erste österreichische Fußballer, der sich geoutet hat. Seit Juni 2019 ist er Ombudsmann der Homophobie-Ombudsstelle des ÖFB.
Info und Kontakt: www.fussballfueralle.at
Oliver Egger ist am 18. September um 19 Uhr Gast beim „Realtalk“ in der Grazer Thalia. Unter dem Titel „Du Scheiß-Schwuchtel – der Alltag eines schwulen Fußballers“ wird er von seinen Erfahrungen berichten. Weitere Gäste: Ex-Playmate Joana Plankl – „Ein Herz aus Gold statt Titten aus Plastik“, Fotograf Herman Herzele – „Mit dem Eisbrecher durch die persönliche Wüstenlandschaft“. www.realtalk.at


Seit Kurzem sind Sie Ombudsmann der Homophobie-Ombudsstelle des ÖFB. Haben sich schon viele bei Ihnen gemeldet?
Bisher hatte ich hauptsächlich mit Medienterminen zu tun. Es wird noch länger dauern, bis mehr wagen, diesen Schritt zu setzen. Es ist doch eine große Überwindung, sich jemandem anzuvertrauen. Wir sind gerade dabei, Workshops aufzubauen, die Homophobie zum Thema haben. Wir wollen sie in Schulen, Fan-Gruppen, aber auch in der Trainer- oder Schiedsrichterausbildung anbieten.

Hat sich gar niemand gemeldet?
Doch, eine Person, und es ging um einen Erfahrungsaustausch. Die Person wollte wissen, warum das bei mit so gut funktioniert hat und wie man da im eigenen Verein am besten vorgeht.

Wie haben Sie sich denn vor Ihrem Team geoutet?
Wir waren feiern und alle haben ihre Freundinnen eingeladen. Mein damaliger Freund ist auch nachgekommen. Wir haben uns zur Begrüßung einfach geküsst. Ich bin keiner, der sich vor die Mannschaft gestellt und gesagt hätte: So schaut’s aus. Ich habe es plakativ gemacht. Es war dann für alle sonnenklar und keiner musste nachfragen.

Was muss sich ändern, damit Homophobie kein Thema mehr ist?
Es sollte gesellschaftlich gelingen, was man im Fußball mit dem Rassismus geschafft hat. Mittlerweile sind rassistische Sprüche im Stadion verpönt und es wird oft schon innerhalb der Fans eingegriffen. Auf die Ebene sollte man auch die Homophobie bringen. Sie wird noch immer heruntergespielt. Zum Beispiel: Bei einem Derby Schalke gegen Dortmund hat der Dortmunder Tormann einen Stürmer als „schwarze Sau“ beschimpft. Er wurde für sechs Wochen gesperrt. Dortmund hat aber argumentiert, dass er „schwule Sau“ gesagt hätte. Dann wurde die Strafe um die Hälfte reduziert. Genau hier muss man ansetzen. Es muss gleich geahndet werden.

Haben es Sportler in Teamsportarten schwerer, sich zu outen, als Einzelkämpfer?
Sicher, als Einzelsportler kann man für sich entscheiden. Im Mannschaftssport ist es so, wenn zwei oder drei mit dir ein Problem haben, dann ist das fürs ganze Team schlecht. Hätte ich hier Probleme gehabt, hätte ich aufhören müssen. Aber ich wurde von Anfang an unterstützt. Alle sagten: Wenn jemand ein Problem mit Oliver hat, ist sicher nicht Oliver derjenige, der gehen muss.