Sonnentor-Gründer"Die Ideenlosigkeit unserer Systeme hat mich gefördert"

Warum Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann unabsichtlich schon immer hip war und wogegen noch immer kein Kraut gewachsen ist.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Johannes Gutmann © Sonnentor
 

Wann heißt es bei Ihnen „abwarten und Tee trinken“?
Seit Anfang an. Ich habe als Jungunternehmer 1988 keinen Kaffee vertragen, bekam immer Sodbrennen davon, deshalb auch meine Liebe zum Kräutertee, der rund ums Haus wächst. Ich habe mein Leben nach einer alten Bauernweisheit ausgerichtet: „Lieber erwarten als darennen.“ Und das ist öfter passiert, als man glaubt - die Magie des richtigen Zeitpunktes. Ich habe aber auch genug Erfahrungen gesammelt mit den falschen Zeitpunkten.

Wogegen ist kein Kraut gewachsen?
Gegen Tod und Dummheit.

Von welchem Beruf haben Sie als Kind geträumt?
Ich wollte als Kind Pudlhupfer - Greißler - in einer Gemischtwarenhandlung werden. So wie mein großes Vorbild, der Greißler Neuwirth vom Dorf, wo ich aufgewachsen bin.

Was haben die Lehrer über Sie gesagt?
Dass ich ein goscherter Hund bin, ich habe immer gut verhandeln können.

Auf welche außerschulische Leistung sind Sie heute noch stolz?
Dass ich die Werte erkannt habe, die heute und in Zukunft ganz besonders tragen.

Zur Person

Johannes Gutmann gründete 1988 Sonnentor. Die Firma ist allein in Österreich auf 330 Mitarbeiter angewachsen.
Die Tees und Gewürze sind in bereits über 50 Ländern erhältlich.
Der heute 54-Jährige hat im April 2019 drei neue Geschäftsführer ins Team geholt und hat sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, um sich gesellschaftlich zu engagieren.

Wer hat Sie am meisten gefördert?
Konstruktive Kritik und die Ideenlosigkeit unserer Systeme.

Wo haben Sie das Führen gelernt?
In der Familie und in der Schule, wo soziale Kompetenzen ausgebildet werden.

Was zeichnet einen guten Chef aus?
Zuhören können und das Wir-Gefühl vermitteln, vorleben, mitleben und mitfühlen.

Was schätzen Sie an Mitarbeitern?
Direkte Gespräche, konstruktive Kritik und gleich die Idee der Verbesserung zuletzt.

Wann haben Sie zuletzt etwas Neues gelernt?
Vor zehn Minuten ist eine Mitarbeiterin mit einer spitzen Idee gekommen. Danke dafür!

Wie bewältigen Sie Stress?
Ich habe keinen Stress, in Sprögnitz geht kein Mobilnetz. So etwas hätte man vor zehn Jahren als extrahinterwäldlerisch bezeichnet - heute ist es hip und bewundernswert und trotzdem erfolgreich. Was zählt, sind die Beziehungen und für diese nehme ich mir ohne Stress persönlich Zeit. Und wenn die Nerven einmal zu flattern beginnen, dann gehe ich in den nahen Wald spazieren, Schwammerl suchen oder mich erden.

Worauf achten Sie bei einer Bewerbung?
Nur auf menschliche Qualitäten und auf die ersten drei Wochen in der Einschulungszeit.

Sind Sie für die Frauenquote in Chefetagen?
Wir leben das und es ist perfekt, ich kann das jedem Unternehmer nur empfehlen.

Welches Buch empfehlen Sie?
„Unser täglich Gift“ von Johann G. Zaller.

Was erzürnt Sie als Staatsbürger?
Wie fahrlässig mit unserem Wähler-Vertrauen umgegangen wird. Ich vertraue nur mehr in die eigene gemeinwohlorientierte Gesellschaftspolitik.

Was ist Ihr Beitrag zur Nachhaltigkeit?
Schauen Sie sich auf unserer Internetseite den aktuellen Gemeinwohlbericht an, dann schaut die Welt ganz anders aus. Es geht auch erfolgreich mit geschlossenen Kreisläufen, CO2-neutral, palmölfrei und mit 100 Prozent erneuerbarem Strom seit 1992.

Welches Auto fahren Sie?
Ich besitze kein Auto. Als Firmenauto darf ich ein Elektroauto, einen Renault Zoe, fahren - wie auch unsere gesamte Geschäftsführung. Und damit bin ich leise und froh.

Worauf kommt es an im Leben?
Gesundheit, Bauchgefühl, Herzensbildung, Sinn und Freude.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!