Arbeit und KleidungWarum Kurzarmhemden in der Businesswelt ein No-Go sind

Stylistin Susanne Voggenberger erklärt, warum es der Krawatte an den Kragen geht und die Businesswelt Farbe vertragen würde.

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Wer lässt sich von Ihnen beraten?
Susanne Voggenberger: Im Privatbereich sind es oft Frauen um die 40, die nach Familie und Kindern wieder in den Beruf einsteigen und wissen wollen wie sie sich am besten präsentieren. Aber auch viele Firmen legen großen Wert darauf, wie ihre Mitarbeiter nach außen erscheinen. Sie sind ja eigentlich die optische Visitenkarte.

Für welche Unternehmensebene werden Sie meistens gebucht?
Am meisten wird die mittlere Ebene angesprochen, weil Firmen diese Beratungen auch als Benefit sehen. Es ist quasi eine Win-Win-Situation, weil der Mitarbeiter das Gelernte auch persönlich umsetzen kann.

Prinzipiell gilt: Je klassischer die Branche, desto traditioneller ist der Business-Style.

Susanne Voggenberger, Business-Stylistin

Wer hat es am modischen Businessparkett leichter?
Die Herren haben es einfacher, weil sie weniger Styling-Fehler begehen können. Bei den Frauen ist der Einfluss der Mode stark, für sie ist es oft etwas schwierig zu differenzieren, was noch businesstauglich ist. Prinzipiell gilt: Je klassischer die Branche, desto traditioneller ist der Business-Style. In kreativen Zweigen ist es mittlerweile aber fast noch schwieriger geworden, adäquat angezogen zu sein und mit dem Styling nicht ins Persönliche oder Private abzugleiten.

Uniformen: Warum Uniformen in der Arbeitswelt so wichtig sind

Im Krankenhaus:
Ärzte tragen weiße Kittel, um sich vor Krankheitserregern zu schützen. Verunreinigungen sind schnell sichtbar, der Kittel wirddannsofortausgetauscht. Diese Kittel lösen natürlich auch beim Patienten etwas aus. „Weißkittel-Syndrom“ nennt sich die Angst und Nervosität beim Arzt, die dieWerte bei der Blutdruckmessung steigen lassen und verfälschen.

In der Bank:
1999 wurde ein Bankangestellter entlassen, weil er über ein Jahr eine auffällige Goldkette (Erbstück) über dem Hemd getragen hatte. Der „Goldkettenfall“ landete vor dem OGH. Die Entlassung wurde als gerechtfertigt beurteilt.

Am Bau:
Hier ist die Arbeitskleidung im „ArbeitnehmerInnenschutzgesetz“ klar geregelt. Mittlerweile haben Hersteller wie Engelbert Strauss ihr Angebot aber erweitert und sind nicht mehr nuramBau, sondern aucham
Spielplatz oder Berg anzutreffen.

In der Post:
Je individueller, desto besser. Meistens zeigt sich dieser Individualismus dann als intellektueller Schwarz-Einheitslook. Vielleicht ist dieses Schwarzsehen ein Relikt von Wilhelm III., der Pfarrer, Richter, Professoren in Schwarz kleiden ließ und es so zur Intellektuellenfarbe machte.

Polizei:
2006/07 wurden Österreichs Polizisten mit den blauen Uniformen ausgerüstet, die es in zwei Formen gibt: Einsatz- und Repräsentationsuniform. Einsatzuniform: Mehrzweck-Einsatzjacke, Hemd, Hose, Barett, weiße Tellerkappe. Repräsentationsuniform: Mantel, Sakko/Blazer, Hemd, Hose/Rock, blaue Tellerkappe.

Post:
Nach Austrian Airlines nahm sich Marina Hoermanseder die UniformenderPost vor. Seit Jahresbeginn sind die 12.000 Postfüchse mit der neuen Uniform im Einsatz. Einmal sehen, wie diese auf des Postlers vierbeinigen Feind wirkt.

Flugbegleiter:
Unverheiratet, kinderlos, 21 bis 27 Jahre alt, 157 bis 173cm groß, max. 63 Kilo, so lauteten unter anderemdie Anforderungen an die „Air-Hostessen“ der Austrian Airlines 1958. Seit 1996 wird die Uniform laufend adaptiert. 2016 war auch hier Designerin Marina Hoermanseder am Werk.

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Prinzipiell gilt: Je klassischer die Branche, desto traditioneller ist der Business-Style.

Susanne Voggenberger, Business-Stylistin

Warum sind kurzärmelige Hemden in der Businesswelt so ein rotes Tuch?
Das Kurzarmhemd ist ein reines Freizeithemd. Wenn Mann korrekt gekleidet ist, sollte der Hemdsärmel beim Sakko noch einen Zentimeter herausblitzen. Da merkt man beim Kurzarmhemd sofort, dass da etwas nicht stimmig ist und die Proportionen nicht passen.

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Was gibt es sonst noch für Kleinigkeiten, die gar nicht gehen?
Bei den Herren sind es zu kurze Hosen oder eine Krawatte, die von der Länge her nicht richtig gebunden ist. Hier gilt: die Krawattenspitze sollte direkt am Hosenbund, beziehungsweise an der Gürteloberkante enden. Die Socken sollten auch nicht zu kurz sein, weil man kein nacktes Bein sehen sollte. Bei den Damen sollte der Ausschnitt nicht zu tief und der Brustansatz nicht sichtbar sein. Im Business ist die kürzeste Rocklänge eine handbreit oberhalb der Kniescheibe. Auch Make-Up und Parfum sollte man dosiert einsetzen. Männer müssen aufpassen, dass sie beim Parfum nicht übertreiben.

Businesskleidung ist meist Schwarz, Grau oder Blau. Verträgt die Geschäftswelt keine Farbe?
Vor allem Frauen greifen zu diesen Farben, wenn sie nicht wissen, was sie anziehen sollen. Es gibt aber auch Businesskleidung in dezenten Farben oder Pastelltönen. Man kann aber auch auf die Kombinationen setzen und zum schwarzen Sakko eine blitzblaue Bluse tragen. Farbe ist im Job etwas Wichtiges, man kann damit auch Botschaften transportieren.

Sollte man sich an Dresscodes auf Einladungen halten?
Ja, man sollte sie ernst nehmen, weil der Gastgeber die Veranstaltung auch auf diesen aufbaut.

Immer öfters sind Herren in gehobenen Positionen ohne Krawatte zu sehen. Warum?
Ja, es ist immer mehr Trend – außer in Vorstandsebene bei traditionellen Branchen – die Krawatte wegzulassen. Mann wirkt dadurch offener, es ist auch ein kleines Statement für zeitgemäße Veränderung.

Dresscode Tag

Casual.
Hier spricht man zwar von Freizeitkleidung, es sollte sich aber um ein vorzeigbares und entspanntes Outfit handeln.
Business Casual.
Dieser Dresscode wird bei lockeren Anlässen wie einem Brunch oder ungezwungenem Empfang vorgegeben.
Business Attire.
Es ist die gehobenere Variante des Business Casual. Für Männer ist der Anzug ein Muss. Auch schlichte Schuhe und eine Krawatte gehören zu diesem Outfit. Frauen können hier zu Hosenanzügen greifen. Bei Schmuck und Accessoires sollte Frau sich besser zurückhalten.
Business formal.
Dieser Dresscode ist in gehobenen Positionen anzutreffen: dunkler dreiteiliger Anzug mit Hemd Krawatte und glatten Lederschuhen. Für die Damen: Kostüm oder Hosenanzug.
Semi-formal.
Nicht vom Namen täuschen lassen. Diese Kleiderordnung gilt meist im Kontakt mit der Chefetage oder mit externen Kunden. Männer: Anzug und Krawatte. Frauen: Kostüm oder Hosenanzug. 

Dresscode Abend

Smart Casual (Come as you are).
Hier ist alles erlaubt, vom Bürooutfit bis zur Freizeitkleidung. Dieser Dresscode gilt meist für Events, die direkt nach der Arbeitszeit beginnen.
Informal.
Diese Kleiderordnung ähnelt dem „Business Attire“. Hier wird elegantes Auftreten im passenden Outfit erwartet.
Black Tie.
Gilt meist bei offiziellen Abendanlässen oder einem Dinner. Anders, als vielleicht erwartet, geht es hier nicht um die Krawatte. Männer tragen beim „Black Tie“ einen schwarzen Smoking, weißes Hemd mit verstärktem Kragen und Doppelmanschetten, Kummerbund oder Weste, Einstecktuch, schwarze Fliege und schwarze Schuhe. Frauen sollten zu einem langen Abendkleid greifen.
White Tie.
Wird nur bei ganz besonderen Anlässen ausgerufen. Mann trägt schwarzen Frack mit weißer Weste und einer weißen Fliege. Frauen liegen mit einem bodenlangen Abendkleid richtig.
Cocktail.
Wird gerne bei eleganten Partys/ Vernissagen angegeben. Das Outfit sollte elegant sein, aber man hat mehr „künstlerische“ Freiheit.