Am 25. Oktober ist Weltnudeltag – und ganz ehrlich: Es gibt schlimmere Feiertage. Keine verlegenen Blumen, kein Geschenkestress, nur ein ehrlicher Teller Pasta. Die Menschheit ist sich bei wenigem einig – aber bei Nudeln schon. Egal ob Spaghetti, die sich kokett um die Gabel wickeln, oder Ravioli, die ihre Füllung so geheimnisvoll verstecken wie Teenager ihre Tagebücher – Pasta hat überall Fans.
Video – Zu Gast in der Pastaria von Inge Kahr
Vom venezianischen Gondoliere bis zur Grazer WG-Küche, vom Ramen-Maestro in Tokio bis zur Trattoria in Buenos Aires: Überall wird geknetet, gerollt, gekocht und genüsslich geschlürft. Pasta ist Demokratie auf dem Teller – jeder darf mitreden, jeder darf umrühren. Mal schlicht, mal schick, mal Sugo, mal Sahne. Ein kulinarischer Welthit ohne Eitelkeit. Und während man in Italien darüber streitet, ob Knoblauch in die Carbonara gehört, zeigt sich in Graz, wie man aus wenigen Zutaten pure Freude macht – in der Pastaria von Inge Kahr, einem Ort, an dem Teig keine Theorie, sondern Handwerk ist.
Gleich nachkochen!
Seit 2008 wird geknetet, gerollt und gefüllt, als gäbe es kein Morgen. Inge steht in ihrer Küche in der Ankerstraße und erklärt mit stoischer Ruhe, wie man Pasta richtig macht. „Ein Teig braucht Ruhe“, sagt sie – und man glaubt ihr sofort. Kein hektisches Reinleeren, kein Drama. Nur Mehl, Wasser und ein bisschen Geduld. „Wenn man das Wasser zu schnell reinkippt, ist der Teig beleidigt“, meint sie trocken. Da spricht Erfahrung – und Liebe zum Detail. Der Nudelteig ist hier keine Masse, sondern ein Charakter, einer, der erst einmal im Kühlschrank meditieren darf, bevor er weiterverarbeitet wird.
Dann kommt der Zauber: Ricotta, ein bisschen Topfen, Parmesan, Pfeffer, Salz – alles ohne Chichi, aber mit Gefühl. „Je nachdem, wie sich die Masse bewegt“, sagt Inge. Wer ihr zusieht, merkt: Pasta ist hier kein Rezept, sondern eine Beziehung. Es wird gerührt, gedrückt, probiert. Jungzwiebel, Karotten, ein Spritzer Zitronensalz, ein gutes Olivenöl – „das hat man ja immer daheim“, meint sie. Dann wird gekocht, aber bitte sacht. „Nicht wallen, nur sieden. Sonst ist’s eine Tragödie.“ Das Ergebnis? Pasta mit Ricottafüllung, die auf zartem Gemüse ruht, bestäubt mit Parmesan oder Pecorino, garniert mit bunten Blättern. Simpel, ehrlich, wunderbar.
Die Pastaria ist kein Ort für Food-Trends, keine Bühne für Schaum oder Rauch. Hier geht es um echtes Essen, das nach Handarbeit schmeckt – und nach Heimat, selbst wenn sie italienisch klingt. Wer einmal dort war, versteht, warum Pasta weltweit geliebt wird: Sie macht satt, sie macht froh, und sie erinnert daran, dass das Beste oft aus den schlichtesten Dingen entsteht. Also: Heute am Weltnudeltag ruhig ein bisschen Andacht üben – nicht in der Kirche, sondern am Kochtopf. Mehl, Wasser, ein bisschen Liebe, und die Welt sieht gleich wieder runder aus. Oder eben: al dente.