Manchmal braucht es keine Revolution, sondern einfach nur eine Gabel. Denn die neueste kulinarische Verrücktheit im Land der Schnitzel und Käsespätzle heißt: Pudding essen – mit der Gabel. Kein Löffel, kein Dessertbesteck mit Goldrand von der Oma, sondern vier Zinken, die sich durch wackelige Masse graben. Und während die einen meinen, das sei bloß jugendlicher Nonsens, sehen andere darin eine Art Manifest des Miteinanders: Man trifft sich wieder. In echt. Und teilt einen Pudding.
Video – So aromatisch wackelt selbst gemachter Pudding
Inmitten dieser wackelnden Zeiten tritt Köchin Sandra Kollegger auf den Plan – charmant, praktisch und mit einer ordentlichen Wolke Vanilleduft in der Küche. Sie sagt: „Wenn schon Gabel, dann wenigstens echter Pudding.“ Denn viele wissen gar nicht mehr, dass man Pudding selber machen kann. Bei Kollegger geht’s nicht um Nostalgie, sondern um Handwerk. Und ein bisschen um die Steiermark. Milch, Maisstärke, Zucker, Dotter – und dann das Herzstück: eine echte Vanilleschote. Die wird geknetet, halbiert und ausgeschabt, bevor sie in der warmen Milch ihr Aroma entfaltet. Und dann der Twist: steirisches Kürbiskernöl.
Gleich nachmachen!
Klingt schräg? Ist aber eine Offenbarung. Das grünliche Gold macht aus dem Vanillepudding eine kleine Geschmackssymphonie – nussig, cremig, elegant. Und weil das Auge mitisst (selbst mit der Gabel), wird das Ganze zweischichtig angerichtet: unten Vanille-, oben Kernöl-Pudding. Ein Dessert mit Charakter. Kollegger weiß, wie man aus einem Wackelpudding einen kleinen Festakt macht. Sie pinselt die Förmchen mit einem Hauch Öl aus – damit das gute Stück später auch würdevoll herausrutscht. Kein Drama beim Stürzen, kein Pudding-Massaker. Während der Pudding im Kühlschrank seine zweistündige Yoga-Pause einlegt, karamellisiert Kollegger Kürbiskerne. „Das ist wie gebrannte Mandeln, nur gescheiter“, sagt sie, während die Aromen von Zucker und Nuss durch die Küche duften. Ein Schuss Wasser, ein bissl Geduld – und schon sind die knackigen Deko-Stars fertig.
„Viele glauben, Pudding sei eine Hexerei“, sagt Kollegger. „Dabei braucht’s nur etwas Zeit und gute Zutaten.“ Doch warum isst man ihn nun mit der Gabel? Die Antwort ist so süß wie absurd: Junge Menschen treffen sich zu sogenannten Pudding-Meetings, um das gemeinsame Essen zu feiern – ohne Filter, ohne Algorithmus. Der Pudding wird zum Symbol dafür, dass Begegnung im echten Leben kein alter Hut ist. Man könnte sagen, der Pudding ist das neue Bier. Nur ohne Promille und wackeliger.
Sandra Kollegger nimmt’s mit Humor: „Mir ist egal, womit die Leute ihn essen – Hauptsache, sie wissen wieder, was drin ist.“ Dann kippt sie einen der glänzenden Puddings auf den Teller. Ein sanftes „Plopp“, ein kleines Zittern – und fertig ist das Kunstwerk. Karamellisierte Kürbiskerne, ein grüner Faden Kernöl darüber – und plötzlich schaut das Ganze aus wie im Gourmetmagazin. Nur dass es eben nicht dort endet, sondern auf der Gabel. Vielleicht ist das der wahre Zauber am Pudding- trend: Er bringt uns wieder ein Stück zusammen.
Egal, ob man ihn löffelt, sticht oder heimlich direkt aus dem Förmchen nascht: Pudding ist das Dessert der Verständigung – weich, süß, ein bisserl nostalgisch. Und wer ihn selbst macht, versteht: Da wackelt nicht nur die Masse, da schunkelt auch das Herz gleich mit. Am Ende bleibt ein leeres Förmchen, ein zufriedenes Lächeln – und die leise Erkenntnis, dass man für Glück keine Gabel braucht.